Achilles' Ferse: Auf nach Florenz! - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Auf nach Florenz!

Verpasst man wegen Krankheit einen Marathon, sollte man sich nicht grämen, sondern nach Florenz fliegen. Laut Achim und Co. ist die Vorbereitung der 42,195 Kilometer eh das Gesündeste. Ebenfalls schön zu hören: Bei genug Training kann man essen, was man will.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ich (29) habe dieses Jahr im Februar mit dem Laufen angefangen. Im April bin ich einen Zehn-Kilometer-Wettbewerb in 54 Minuten gelaufen und im Herbst meinen ersten Halbmarathon in 1:52 Stunden. Da ich eigentlich nur ankommen wollte, aber es dennoch so gut geklappt hat, spiele ich mit dem Gedanken, nächsten Herbst den Berlin-Marathon anzugreifen. Ich habe die Laufbibel von Steffny mit verschiedenen Zehn-Wochen-Plänen, aber ich frage mich, wie ich jetzt über den Winter weitertrainiere. Weiter viermal die Woche laufen und einfach die langen Läufe steigern?
Danke, Martina

Hallo Martina,
setze einfach deine gute Arbeit fort. Bis zum Herbst nächsten Jahres hast du noch viel Zeit. Laufe weiter vier Mal pro Woche. Arbeite an besseren Zeiten über zehn Kilometer und laufe regelmäßig, auch mal bis zu zwei Stunden. Mit dem echten Training für den Berlin-Marathon kannst du ab Juni/Juli beginnen, auf einer sehr guten Grundlage. Viel Spaß auf dem Weg zum ersten Marathon.
Viele Grüße, Jens Karraß

Hallo Achim,
hatte mich wahnsinnig auf den Frankfurt-Marathon gefreut, konnte dann aber wegen einer Erkältung nicht an den Start gehen. Ich hatte das Gefühl, in der Form meines Lebens zu sein und ärgere mich immer noch über die Absage. Die Saison ist nun leider vorbei, und in naher Zukunft findet kein Marathon in meiner Gegend (Oldenburg) statt. Was empfiehlst du mir: Soll ich gedämpft weiter trainieren und mir dann einen Marathon im Frühjahr aussuchen? Oder muss ich jetzt trotzdem regenerieren und mich für das Frühjahr neu in Form bringen? Habe daraus gelernt, mich künftig nicht mehr für den letzten Marathon der Saison anzumelden.
Frustrierte Grüße, Klaus

Lieber Klaus,
mental musst du vielleicht etwas lüften, aber wenn du wieder Lust verspürst und auch ein konkretes Ziel hast, kannst du weitertrainieren. Schade, dass du nicht einfach einen billigen Flug zum Beispiel nach Florenz zum dortigen Marathon Ende November nehmen konntest. Aber letztendlich ist die viele Fleißarbeit allemal eine gute Grundlage für deine nächsten Laufabenteuer.
Mit freundlichen Grüßen, Jens Karraß

Lieber Klaus,
das Gesündeste am Marathon ist die Vorbereitung. Also gräme dich nicht, sondern sei der Weisheit des Schicksals dankbar. Wie viele Verrückte laufen trotz Erkältung? Gut, dass du nicht dazugehörst.
Glückwunsch, Achim

Lieber Achim,
ich hatte gerade die Wahl zwischen Clementinen, einer frischen Banane oder den neu auf den Markt gebeamten Bahlsen-Erdnusskeksen. Ich habe es vorgezogen, die Erdnusskekstüte leerzufegen. Gestern ist mir das Gleiche passiert. Eigentlich passiert mir das immer öfter in letzter Zeit. Ich vermute einen engen Zusammenhang zwischen den vielen Laufkilometern und dem Heißhunger auf Süßes. Als ich kürzlich wegen eines Virus' nicht laufen konnte, hatte ich auch keine Hungerattacken. Meine These: Die Süßwarenindustrie unterstützt heimlich alle, die den Laufwahn unterstützen (Buchautoren, Marathonausrichter, Schuhverkäufer und Achilles-Schreiber). Wenn alle dem Lauf-Virus anheim gefallen sind, verkaufen sie drei Mal soviel Süßigkeiten. Mich würde mal interessieren, wie du das siehst mit der Ernährung. Du weißt doch sonst alles.
Es grüßt herzlich der Renngockel

Lieber Renngockel,
der letzte Satz ist der beste, vor allem stimmt er. Verschwörungstheorien sind auch immer prima, nur stimmen sie meistens nicht. Ich muss meine Tankstellen-Happen (bevorzugt Bounty in Zartbitter, die roten) leider immer noch selbst bezahlen. Zur Ernährung: Natürlich kann man sich jeden Tag den Darm mit Möhrenerbsenkartoffelfenchelschleim verkleben. Man kann es aber auch lassen. Wer richtig viel trainiert, 50 Kilometer und mehr die Woche, der kann praktisch essen, was er will. Wenn man den Alkohol, vor allem Bier, weglässt, macht das Gewicht auch keine Probleme. Wer allerdings Kilos verlieren will, sollte sich die abendlichen Fressanfälle sparen, vielleicht abgesehen von einem Stückchen Käse, ein paar Salzstangen, einer Tafel Schokolade und zwei, drei Buttercremetorten.
Reiß dich einfach mal zusammen, Asket Achilles

Lieber Renngockel,
interessante Hypothese. Wenn Sie daraus eine Doktorarbeit machen möchten, melden Sie sich bei mir. Und bringen Sie die Kekse mit, ich habe auch immer Hunger.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Laufen und Rauchen

Hallo Achim,
ich (41) laufe seit 14 Monaten (drei bis vier Mal pro Woche), davor habe ich kaum Sport gemacht. Ich bin in München meinen ersten Marathon in 3:59 Stunden gelaufen. Mein Problem ist, dass ich cirka 30 Zigaretten am Tag rauche. Selbst zwei Stunden vor dem Marathon musste ich noch eine rauchen. Vielleicht kannst du mir eine Motivationshilfe geben, endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Welche Zeit könnte ich bei gleichem Training realistisch laufen?
Danke, Christian

Lieber Christian,
das Argument, Raucher können Lungenkrebs bekommen, beängstigt fast niemanden, denn alle RaucherInnen glauben, es werde sie schon nicht erwischen. Die Behauptung, Rauchen ist die häufigste Ursache von Impotenz, wird jedoch immer sehr ernst genommen, denn jeder denkt: Ohgottohgott, wenn es mich erwischt. Also: Wenn nicht für sich selber, hören Sie mit der Raucherei wenigstens dem kleinen Christianlein zuliebe auf. Und wenn das nicht genügt: Wenn Sie aufhören zu rauchen, werden Sie den Marathon deutlich unter drei Stunden laufen. Versprochen. Ich schwöre drauf.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Christian,
der Doc ist immer etwas unwirsch beim Thema Rauchen. Ich finde es sehr beachtlich, dass Sie wenigstens während der vier Stunden Marathon nicht rauchen. Beim Stuttgarter Halbmarathon saß ein Sportsfreund vor den Duschen neben mir und zog sich eine Camel ohne Filter rein. Er war schneller als ich, er sah glücklich aus – wo ist das Problem?
Wolkigen Gruß, Achim