Achilles' Ferse: Beine mit Beton - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Beine mit Beton

Übertriebener Ehrgeiz hat schon so mancher Läuferkarriere geschadet. Wer 20 Jahre keinen Marathon absolviert hat, sollte sich nicht gleich zu hohe Ziele setzen. Sonst könnte der Versuch in den Armen einer Rot-Kreuz-Helferin enden, weiß das Achilles-Team.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo liebes Achilles-Team,
jetzt könnt nur ihr mir noch helfen: Ich (41 Jahre alt) habe am Sonntag nach 18-jähriger Marathonabstinenz meinen dritten Marathon absolviert. Schon nach vierzehn Kilometern fühlte ich, wie sich meine Beine mit Beton zu füllen schienen und ich war fest entschlossen, der nächsten Rot-Kreuz-Schönheit am Wegesrand erschöpft in die Arme zu fallen. Aber irgendwie hat es mein Stolz nicht zugelassen aufzugeben, und ich bin mit 20-minütiger Verspätung (3:50 Stunden) dann doch irgendwie ins Ziel getaumelt. Nun meine Frage: Kann man nach solch einem verpatzten Versuch sechs Wochen später einen zweiten Anlauf beim Marathon in Frankfurt (28. Oktober) wagen, oder braucht der Körper länger um eine solche Anstrengung zu verdauen? Ich mache seit vier Jahren regelmäßig vier- bis fünfmal die Woche Laufsport und brauche für die Zehn-Kilometer-Strecke 40 Minuten. Sollte ich mich besser gedulden und erst im Frühjahr einen neuen Versuch unternehmen?
Danke für Eure Hilfe, Alexander

Lieber Alexander,
sechs Wochen Pause sind genug. Und jeder Marathon ist anders. Also: Lauf einfach los und denk an was Schönes. Und wenn Du wieder taumelst, dann weißt Du: In der Vorbereitung ist irgendwas schief gelaufen.
Besten Gruß, Achim

Hallo Achim,
ich laufe seit einem Jahr regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche. Bis jetzt waren es zwischen 5 und 6,5 Kilometer. Gestern bin ich das erste Mal 9,5 Kilometer gelaufen und hatte direkt danach wahnsinnige Schmerzen im Lendenwirbelbereich, die den ganzen Abend angehalten haben, heute Morgen aber wieder weg sind. Kann das eine reine Überlastung wegen der längeren Strecke sein oder ist das ein typisches Zeichen für die falschen Schuhe? Ich habe Joggingschuhe von Aldi, mit denen ich bis jetzt zufrieden war. Die Schmerzen im Lendenwirbelbereich habe ich öfter, aber noch nie so schlimm wie gestern. Hast Du einen Tipp für gute Schuhe oder wo man gut beraten wird?
Sandra

Liebe Sandra,
da Sie plötzlich fast doppelt solange wie sonst gelaufen sind, ist es kein Wunder, dass Sie danach Beschwerden haben. Aber über die genauen Ursachen des Problems kann ich Ihnen keine weiteren Angaben machen, denn eine Ferndiagnose bleibt den Wunderheilern reserviert. Der Grund der Beschwerden kann eine Verspannung der Muskulatur, eine Bandscheibenvorwölbung oder sogar etwas völlig anderes sein, das mit dem Laufen nichts zu tun hat. Da Sie häufiger Beschwerden im Lendenwirbelbereich hatten, wird es langsam Zeit, dass Sie Ihren Rücken von einem Arzt untersuchen lassen und die Schuld nicht den Aldi-Schuhe in die Schuhe schieben.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
ich habe inzwischen häufig gehört, dass Laufen zwar gesund, für den Rücken jedoch langfristig das Todesurteil sein soll/kann. Der Grund liegt angeblich in der starken Belastung der Bandscheiben. Ich habe früher (in der Schule) eine Scoliose gehabt, die ich inzwischen allerdings in keiner Situation mehr wahrnehme (vielleicht ist sie auch rausgewachsen). Bin nun 30 Jahre alt, 1,85 Meter groß, 93 Kilogramm schwer und möchte meine Laufleidenschaft nicht aufgeben. Rangiert das Laufen von allen Sportarten tatsächlich auf den hinteren Plätzen, was den Rücken angeht?
Vielen Dank, Salem

Lieber Salem,
es ist vollkommen falsch, dass Laufen dem Rücken schadet. Aber Laufen ist eine einseitige Trainingsform. Deswegen sollte es um ein ganzheitliches Kräftigungs- und Dehnungsprogramm ergänzt werden, um längerfristig Beschwerden vorzubeugen. Radfahren belastet den Rücken viel mehr, und dazu wird mittlerweile jeder zweite Radfahrer positiv auf irgendein Medikament getestet.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Leser antworten, Experten wundern sich

Liebe Läufer,
für einen guten klassischen Homöopathen ist es in der Regel kein großes Problem, die normale Belastbarkeit überreizter Strukturen wieder herstellen zu helfen. Bei schulmedizinisch unbeeinflussbaren beziehungsweise unerklärlichen und nicht durch Laufmusterumstellung korrigierbaren Überlastungsschmerzen ist der lästige und anhaltende Schmerz kein Zeichen einer bestehenden Schädigung oder Entzündung.

Er ist das Resultat einer gesteigerten Empfindlichkeit von Dehnungsrezeptoren des Muskels infolge einer Überlastung. Aufgabe dieser Rezeptoren ist, den Muskel vor Überlastung zu schützen. Ihre gesteigerte Empfindlichkeit führt in einem Teufelskreis bei erneuter Belastung zu einer Schutzkontraktion der betroffenen Muskulatur, die wiederum die Dehnungsrezeptoren reizt usw. Aus Sicht des Organismus ist diese veränderte Empfindlichkeit keine Krankheit, sondern unreflektierte Fortschreibung einer ursprünglich sinnvollen Schutzmaßnahme. Durch individuell angepasste gezielte Reizung ("Vergiftung") mittels eines homöopathischen Arzneimittels wird dem Organismus seine Fehlanpassung gespiegelt und damit eine Korrektur stimuliert. Wer schon alles andere probiert hat, sollte sich nicht von der seit 200 Jahren offenen Frage nach der genauen Wirkungsweise abhalten lassen.
Freundliche Grüße, Christoph

Lieber Christoph,
ähh, können Sie es bitte auf Deutsch erklären?
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Herr Doktor,
es ist der Glaube, der Berge versetzt, Schmerzen verschwinden lässt und Bestzeiten möglich macht.
Ommm, Achim