Achilles' Ferse: Blutiger Rauch - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Achilles' Ferse Blutiger Rauch

Man kann es ja versuchen, schließlich siegt Frechheit. Aber nicht bei Dr. Fernando Dimeo. Der Achilles-Leibarzt zeigt beim Thema Rauchen null Toleranz. Keine Kippen, keine Probleme. Da hilft auch Achims Charme gar nichts.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Moin Achim,
in welchem Maße schwächt eine Blutspende von 450 Millilitern? Ich bin 1,80 Meter groß und wiege cirka 74 Kilogramm. Wie lange danach sollte ich auf intensive Einheiten verzichten? Oder sollte ich eine mehrtägige Pause machen?
Vielen Dank für Eure kompetente Antwort, Stefan aus Hannover

Lieber Stefan,
nach einer Blutspende ist man in der Tat geschwächt. Der Körper braucht zwischen zwei und vier Wochen, um alle Bestandteile des Blutes (unter anderem Eiweiße und Blutzellen) wiederherzustellen. Während dieser Zeit ist die Leistungsfähigkeit geringer. Eine Pause ist nicht erforderlich, es empfiehlt sich jedoch, die ersten fünf bis sieben Tage nach einer Bluttransfusion intensive Belastungen zu vermeiden beziehungsweise die Belastungsintensität des Trainings anzupassen.
Besten Gruß, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Hallo,
ich bin 26 Jahre alt, wiege 65 Kilogramm und möchte nun auf Anraten meiner Freunde mit dem Laufen anfangen. Das Problem bei der Sache ist, dass ich ein starker Raucher bin (anderthalb Schachteln Zigaretten am Tag). Die Tipps von meinen Kumpels kann ich irgendwie nicht gebrauchen, da ich nach ihrem Training nach wenigen Minuten außer Atem bin. Muss ich beim Laufen auf spezielle Dinge achten (Tempo, Schrittlänge oder Gehpausen)?
Grüße, Christian

Hallo Christian,
als Raucher gehörst du zu einer Risikogruppe. Deshalb unbedingt vor weiterem Lauftraining ein Belastungs-EKG machen lassen, damit du dich keiner Gefahr aussetzt. Dein Laufeinstieg wäre ideal, wenn du mindestens drei Mal in der Woche zwischen 30 und 60 Minuten Bewegung bekommst. Du kannst nur walken, walken und kleine Laufabschnitte einlegen oder auch längeres Laufen mit eingestreuten Gehpausen betreiben. Nimm einen Pulsmesser dazu und achte darauf, dass du die Bereiche 130 bis 160 nach Wohlfühlfaktor abdeckst.
Hau rein, Jens Karraß

Lieber Christian,
wie viel Zeit hast du denn maximal zwischen zwei Kippen fürs Training zur Verfügung?
Muss jetzt abdampfen, Achim

Nö, nö, nö, Kinder,
so geht das nicht, wir führen hier keine Beratung darüber, wie das Training an die Raucherei angepasst werden muss, sondern wie das Rauchen geändert werden muss, um das Training zu verbessern. Die Antwort ist einfach, eindeutig und endgültig, lieber Christian: Hören Sie auf zu rauchen, basta! Ich vermisse bei Ihnen sehr stark eine Absichtserklärung, sich von dieser abscheulichen Sucht zu verabschieden. Wenn Sie nicht mehr rauchen, werden Sie beim Laufen auch auf keine "speziellen Dinge" achten müssen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Hallo Achim,
im Mai 2006 brachte ich 145 Kilogramm auf die Waage. Uuups. Gefahr erkannt. Ernährungsumstellung, Hometrainer, Hanteltraining, später (heimlich) Nordic Walking. Im März 2007 langsamer Umstieg aufs Laufen durch Walkjogg (bedeutet Berg hoch walken, runter von der Schwerkraft laufend treiben lassen) und im Spätsommer 2007 40 Kilo leichter und die ersten Läufe über zehn Kilometer. Ich laufe regelmäßig drei bis vier Mal in der Woche zwischen acht und zwölf Kilometern. Habe das Rauchen aufgehört und gönnte mir was: Umstieg von Zehn-Euro-Aldi-Laufschuhen auf Nike. In den vergangenen Tagen schmerzten nun die Fußgelenke oder es zwickt im Rücken und morgens sind die Beine schwer wie Stein. Strecken, die ich schon mal locker gelaufen bin, fallen plötzlich schwer. Werde ich (36) alt, habe ich es übertrieben (die Energiebilanz verlangt danach) oder ist das normal? Gibt es solche Phasen, in denen es eher bergab geht oder sind die im Fachgeschäft durch Laufanalyse ausgewählten Schuhe für leichte Überpronierer schuld an der sich anbahnenden Misere? Die Schokolade kann es doch nicht sein.
Grüße aus Wuppertal, Matthias

Lieber Matthias,
es gibt keine dauernden Hochs. Jetzt kommt die Zeit der Prüfungen.
Orakel Achilles

Hallo Matthias,
wenn du einige Wochen sehr fleißig warst, solltest du immer Phasen einschieben, in denen du dir und deinem gesamten Körper eine Pause gönnst. Genau wie du nicht jeden Tag läufst (oder etwa doch?!), also Ruhetage einschiebst, kann auch eine Phase des lockeren Trainings nach harten Einheiten zu einer Verbesserung der Fitness führen. Was so harten und motivierten Leuten wie dir unbedingt gesagt werden muss: Der Körper trainiert in Ruhe und im Schlaf. Soll heißen, dass der Körper erst dann das gute Training verarbeiten kann, wenn er genug Ruhe dazu erhält.
Alles Gute, Jens Karraß

Radergometer statt Bergläufe

Hallo Achim,
nachdem mich alle Jahre wieder die Lust aufs Laufen überkommt, schleppe ich meine 140 Kilogramm (bei 1,90 Meter, leider nicht alles Muskeln) eine steile Anhöhe hinauf. Oben angekommen, versuche ich mich nach einer zehnminütigen Sauerstofftherapie im schnellen Laufen. Als Jogging möchte ich das wirklich nicht bezeichnen, würde ich doch damit alle ernsthaften Läufer, welche in den Genuss einer Geschwindigkeit über der sonst üblichen Schrittgeschwindigkeit kommen, beleidigen.

Nun zu meiner Frage. Ich bekomme leider immer wieder starke Schmerzen auf der Oberseite der Schienbeine. Diese sind während des Laufens immer präsent und klingen danach nur langsam ab. Ich dehne meine Beine vor und nach dem Laufen. Gibt es hier spezielle Übungen, welche mir außer der Schande, eine lächerliche Figur abzugeben, auch noch helfen?
Vielen Dank für deinen Rat, Helmut

Hallo Helmut,
suche dir bitte ein Fitnessstudio, setze dich stundenlang auf das Radergometer und strample fleißig vor dich hin. Mache das fünf Mal in der Woche. Baue dazu kurze Gänge auf einem Crosstrainer ein, der deine Aufprallkräfte reduziert. Verbrauche jeden Tag viel Energie beim Training. Zusätzlich Sauna und Schwimmbad zur Lockerung der Muskulatur und stärkeren Durchblutung. Deine Schienbeine werden es dir danken und schon nach einer Woche nicht mehr schmerzen. Wenn du dann auf 120 Kilogramm runter bist, mache eine neue Verabredung mit deinem Berg und mit etwas Demut deinerseits wird er dich wohlwollend in Empfang nehmen. Sei vorsichtig mit deinem Körper, du brauchst ihn noch.
Beste Grüße, Jens Karraß