Achilles' Ferse Countdown zur Kilometerqual
Lieber Achim,
was sollte ich kurz vor dem
Berlin-Marathon essen und was vermeiden?
Danke, Maik
Marathonläufer (in Warschau): Alles Banane?
Foto: AFP
Hi Maik,
vermeide alles, was schwer im Magen liegen könnte und was Dir schon vom Gedanken her Gewissensbisse macht. Die wichtigste Mahlzeit liegt eh am Tag zuvor zwischen 14 und 18 Uhr. Dort heißt es Weltrekord im Nudelvertilgen brechen. Diese Kohlenhydrate kommen noch locker in den Muskeln und der Leber an, sind dann Dein Treibstoff von innen, bis circa 45 bis 60 Minuten im Rennen. Das Frühstück ist eher eine Beruhigungsmaßnahme für den Magen. Damit er Dir nicht durchhängt, Du nicht mit leerem Gefühl laufen musst. Ein kleines Frühstück reicht. Toastbrot oder Brötchen mit Honig oder Marmelade perfekt. Für Zeiten über 3:30 Stunden und die höheren Gewichtsklassen empfehle ich die Krafttuben diverser Firmen. Zwei am Mann beziehungsweise der Frau haben. Den ersten Klebebeutel nach 90 Minuten, den zweiten nach zweieinhalb Stunden. Wer Angst hat, nimmt drei mit! Weitere Marathontipps findest du auf meiner
Homepage.
Guten Appetit, Jens Karraß
Lieber Maik,
ganz einfach: Essen Sie alles, was sie schon vorher getestet haben, und gut vertragen und lassen Sie alles weg, was sie nicht gut vertragen oder noch nicht getestet haben. Beim Training vor den langen Läufen müssen Sie unbedingt die Menge, Zusammensetzung und zeitlichen Abstand zum Lauf überprüft haben. Vor einem wichtigen Marathon in Italien habe ich Profis erlebt, die sich am Frühstücksbüffet reichlich bedient haben und 90 Minuten später ohne große Schwierigkeiten bei einem Tempo von 3:10 Minuten pro Kilometer losgerannt sind. Aber für die meisten Sterblichen kommen eher Tee oder Kaffee, ein bis zwei Brötchen mit Honig oder Marmelade und eventuell ein Stück Banane in Frage.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo
Lieber Maik,
ich mache mir ein Bier beim Start des Marathons auf und gucke ihn im Fernsehen.
Achim, der Leistungsverweigerer
Lieber Achim, lieber Jens,
wie wird man schneller? Also, nicht übers Jahr, sondern mittendrin auf der Laufstrecke. Zwar empfinde ich es durchaus als Vorzug, wenn es gelingt, einen schönen, runden Rhythmus zu finden. Aber wenn mich beispielsweise der Überholvorgang eines zähen Athleten zu dem tollkühnen Versuch animiert, spornstreichs dranzubleiben, dann dauert es keine Nanosekunde, dass ich - zack! - wieder in meinem vorherigen Dauerlauftempo einraste. Und leider: Wer rastet, rast nicht. Wie nur, wie kann man schneller werden beim Laufen? An was Schlimmes denken (Achillessehnen)? Oder an was Schönes (Bier)?
Gespannt, Birgit
Hallo Birgit,
na endlich mal eine Frage, die ans Eingemachte geht. Ist die Laufbewegung bereit für die Wahrheit? Schnell im Rennen sein? Wow! Hier kommt eine zaghafte Andeutung: Es muss Hass da sein, auf Dich selbst, auf den anderen oder einfach alle anderen. Es muss die Welt zusammenbrechen, wenn Du Zweiter wirst. Schon früh am Wettkampftag musst Du vor Aufregung kotzen. Du hast tierische Angst zu versagen, aber mit dem Startschuss ist es wie weggeblasen. Du bist nur noch Athlet. Du hat nur ein Ziel: Es so schnell wie möglich zu erreichen. Du denkst schon in Metern pro Sekunde und weißt, dass Du in jeder Sekunde fünf Meter zurücklegen musst, um 2:20 Stunden zu laufen. Also sind zehn verdammte Sekunden 50 Meter. Jede Sekunde, die Du einfach nur so verbringst und nicht in deinem Tempo bleibst, bringt Dich Zentimeter um Zentimeter einer Enttäuschung näher. Jetzt aber zum Kampf Mann gegen Frau. Immer fest daran glauben, dass der Gegner nur blufft, der kann auch nur noch 100 Meter so weiter rennen.
Attacke, Klemmbrett-Karraß
Liebe Birgit,
ich empfehle volle Lotte Rammstein auf dem Ipod.
Harhar, Achim
Hallo Achim,
habe gelesen, dass Du in Stuttgart mitgelaufen bist. Ich war auch dabei (mein erster Halbmarathon). Müsste Dich laut der Zeitliste ungefähr auf dem letzten Kilometer überholt haben. Ich hatte mich in einer von Hochmut erfüllten Phase Anfang des Jahres auch für den Berlin-Marathon angemeldet. Was würdest Du mir als Neuling für den Lauf empfehlen, wie teile ich mir die 42,195 Kilometer am besten ein?
Danke, Christoph
Hi Christoph,
teile den Marathon in vier Teile (jeweils circa zehn Kilometer) und renne den ersten Teil so schnell du kannst! So knapp unter 40 Minuten. Dann den nächsten ganz locker, circa 60 Minuten. Den dritten lässt Du aus und hörst auf. Spinnst wohl, vor Achim sein zu wollen!
Klemmbrett-Karraß (Achims Coach)
Lieber Christoph,
ist es nicht toll, einen so loyalen Coach zu haben? Der Profi sagt ja, dass man die zweite Hälfte schneller rennen soll als die erste. Das bedeutet: Am Anfang nur nicht hetzen, auch wenn Du Dich bombig fühlst. Im letzten Viertel (oder Achtel) hast Du noch Chancen genug, deine überschüssigen Kräfte einzusetzen. Suche Dir bis dahin ein paar nette Kameraden, mit denen Du eine Fahrgemeinschaft bildest. Aber nicht die Lurchis aus der Trottmasse, sondern gute. Und betrachte die ersten 20 Kilometer ohnehin als so eine Art Warmlaufen.
Achim (Halbmarathon-Bestzeit unter 1:44 Stunden)
Lieber Achim,
ich habe mir für den Marathon vorgenommen, während der ersten 25 Kilometer nur Wasser zu mir zu nehmen, danach Elektrolyte. Reicht diese Versorgung aus?
Grüße, Tobias
Lieber Tobias,
du stellst die falsche Frage. Ob die Versorgung ausreicht oder nicht, hängt nicht nur davon ab, ob man Wasser oder Elektrolytgetränke zu sich nimmt, sondern auch von der Menge und Zusammensetzung. Der Verlust an Flüssigkeit und Mineralien ist je nach Tagestemperatur, Laufgeschwindigkeit und Dauer sehr unterschiedlich. Weltklasseathleten tüfteln ewig lange an Getränken herum, um die optimale Formel herauszufinden, für die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen ist das beste Getränk eine Apfelsaftschorle mit zwei Drittel Wasser. Davon trinkt man etwa 200 bis 250 Milliliter alle fünf Kilometer.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo
Lieber Tobias,
wichtiger Bestandteil des Marathons ist natürlich, wie bei den Pflanzen, das Wasser. Wie bei den Pflanzen kann da viel schief gehen. Zuviel oder zuwenig. Beides fatal. Aber beachte zwei Dinge: Die Tage vor dem Marathon sind genauso wichtig wie die drei Stunden beim Marathon selbst. Viel trinken schon Wochen vorher! Dabei auf eine gute Mineralisierung achten. Im Marathon brauchst Du wenig. Wasser würde reichen, aber angereichert mit einer Miniprise Salz. Vor allem, wenn Du als Nahrung noch all die anderen leckeren Sachen dabei hast wie Powergel und Bananen. Apfelschorle ist ein gutes Elektrolytgetränk nach der Belastung, direkt im Lauf wahrscheinlich doch zu sauer für die Magenschleimhaut.
Prost, Jens Karraß
Motivationskünstler des Monats
Achilles-Fan Oliver will sich mit ein paar großen Plakaten in Berlin an die Marathon-Strecke stellen. Folgende Texte sollen die Läufer zu Höchstleistungen peitschen:
- Lauf!!! Die ersten Walker sind schon im Ziel.
- Noch kannst du umkehren.
- Wahnsinnige soll man nicht aufhalten.
- Bitte außen laufen Besenwagen kommt gleich!
- Gib doch auf!
- Du bist so hässlich, wenn Du leidest!
- Die nächste U-Bahn ist gleich da vorne.
- Da geht noch was!
- Tut's weh?
- Läufst du noch - oder walkst du schon?
Und hier noch der Link der Woche für alle Marathon-Masochisten.