Achilles' Ferse: Dehn, Forrest, dehn! - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Dehn, Forrest, dehn!

Der Umgang mit dem Ungewissen: Achim Achilles und sein Team erklären, wie man Muskelgruppen dehnt, von denen selbst so mancher Profi noch nie gehört hat. Außerdem gibt es gute Tipps für einen heißen Herbst, weiche Bahnen und Laufen bei Nacht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achilles-Team,
könnt Ihr mir vielleicht Tipps zum Dehnen des Piriformismuskels geben? Ich sitze viel, und die Schmerzen im Lendenwirbelbereich nehmen nicht ab. Nur beim Laufen spüre ich nichts, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag laufen, so wie Forrest Gump.
Mit freundlichen Grüßen, Olli

Lieber Olli,
bist du sicher, dass es diesen Muskel überhaupt gibt. Oder hast du zuviel Strunz gelesen?Piriformell, Achim

Lieber Olli,
Sie legen sich auf den Rücken und kreuzen ein Bein über das andere. Beugen das obere Bein und ziehen mit der Hand das Knie in die Richtung der gegenseitigen Schulter (zum Beispiel das linke Knie mit der rechten Hand in Richtung der rechten Schulter). Versuchen Sie, dass beide Pobacken auf dem Boden bleiben.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim, liebes Team,
was, um Himmels Willen, macht ein Läufer bei gemessenen 31 Grad und gefühlten 36 Grad mit dem Training? Ich bereite mich auf einen Halbmarathon im Herbst vor. Beim letzten Lauf waren es abends noch 26 Grad und aus den geplanten zwölf wurden lustige sechs Kilometer unter Zuhilfenahme von Günni, dem inneren Schweinehund. Und hinterher wird es einem leicht mal schwarz vor Augen! Aber man muss doch trotzdem weiter trainieren. Was macht denn Ihr Profis an solchen Tagen?
Liebe Grüße, eine langsam schmelzende Susi

Liebe Susi,
wir laufen halt trotzdem, nur eben schon um sechs Uhr, wenn es gerade noch so geht mit der Temperatur. Es ist halt so: Wer etwas im Rennen erreichen will, der muss dafür sorgen, dass die Qualität des Trainings auch mal zu ungewöhnlichen Zeiten realisiert wird. Zwei Wochen leichte Wärme und alle sind wieder bei Null im Training? Das geht ja nicht. Schade um die Schinderei bis dahin. Du kannst aber auch die Läufe in den schattigeren Wald verlegen, das bringt einige Grad Linderung. Nur abends steht auch dort die Luft. Viel passiert im Kopf, wie du ja mit deinem Schlagwort "Günni" schon verrätst. Natürlich kann man an solchen 36-Grad-Tagen keine Höchstleistung erbringen. Aber schon ein normales Dauerlauftempo kann ein sehr gutes Training sein. Was du sonst noch tun kannst: Extrem viel trinken, tagelang, immer wieder, eine helle Kopfbedeckung tragen und wohlwissend darauf bauen, dass es ja wirklich nicht allzu viele Tage von diesem wunderschönen Sommerwetter gibt – schade eigentlich – und einfach mal ein bisschen durchziehen und die Zähne zusammenbeißen.
Viele Grüße, Klemmbrett-Karraß

Lieber Achim,
da die 400-Meter-Bahn immer fürchterlich voll ist, drückte ich mich bisher um so Sachen wie Intervalltraining. Aber es gibt hier eine 800-Meter-Finnenbahn: Ziemlich weich geht's da ein bisschen hoch und runter, alle hundert Meter ist die Strecke angeschrieben und abends ist sie sogar beleuchtet. Wie sinnvoll ist es denn, regelmäßig auf der Finnenbahn zu laufen (einmal pro Woche, bei vier Wochenterminen)? Es soll gelenkschonender sein, ist es anstrengender? Kann ich also die Zeiten dort mit denen auf einer normalen Bahn vergleichen?
Danke! Kai aus Zürich

Lieber Kai,
du bist wirklich ein vorbildlicher Theorie-Läufer. Weißt du warum? Weil du schon alles weißt, alles gelesen hast, deine Frage schon alle Antworten gibt. Ja, es ist sehr gut auf der Finnenbahn zu laufen. Wahnsinnsluxus, du hast sogar nachts Licht. Und vielleicht ist es etwas anstrengender als auf der Bahn, aber es ist ja nicht der Wettkampf, sondern Training.

Da ist es sogar gut, wenn die Bedingungen etwas schlechter sind. Nur: Wie willst du es vergleichen mit Bahnzeiten, da die doch immer zu voll ist und du da nicht laufen kannst? Kai, hier dein bester Rat: Geh hin und mach einfach! Laufe und puste auch mal. Lerne die Finnenbahn kennen und genieße sie. Du hast da wirklich ein kleines Superteil vor deiner Nase.
Neidisch, Jens Karraß

Lieber Kai,
lass dich nicht hetzen. Wir Theorie-Läufer haben einen enstcheidenden Vorteil: Wir sind immer besser – theoretisch.
Solidarischen Gruß, Achim

Lieber Achim,
du hattest nach den schlechtesten Startliedern beim Marathon gesucht. Ich habe zwar kein Negativbeispiel, bin aber kürzlich den Phuket Marathon trotz tropischer Hitze in 3:34 Stunden gelaufen - auf den letzten Kilometern kam mir "Road to Nowhere" von den Talking Heads in den Kopf, was ich sehr passend fand.
Klaus

Lieber Klaus,
nicht schlecht. Ich habe immer "Killing me softly" im Kopf, von den Fugees.
Es lebe die Nahtoderfahrung. Achim