Achilles' Ferse: Die dunkle Seite des Marathons - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Die dunkle Seite des Marathons

Für einen Marathon muss man ordentlich trainieren. Ganz Verrückte rackern sogar nachts. Aber Vorsicht ist geboten: Vielleicht sind es auch getarnte Walker. Und selbst größter Einsatz schützt beim Marathon vor Enttäuschung nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ich (männlich, 41 Jahre alt, 69 Kilogramm schwer) habe in Chicago meinen dritten Marathon mit Mühe und Not zu Ende gebracht. Statt der angestrebten Zeit von 3:25 Stunden kam ich nach 4:33 Stunden ins Ziel und habe dabei fast die komplette zweite Hälfte mit Krämpfen und Seitenstechen im Gehen zurückgelegt. Ich habe vor zwei Jahren angefangen zu laufen; den ersten Marathon vor acht Monaten beendete ich in 3:38 Stunden, den zweiten vor fünf Monaten ebenfalls. Die letzten 15 Kilometer waren aber jeweils eine Qual.

Meine Halbmarathonzeit vor drei Wochen: 1:31 Stunden, so dass ich mich bestens vorbereitet fühlte, da ich auch brav die langen Läufe abgespult hatte. Klar war es beim Rennen heiß und schwül, aber nachdem ich jetzt auch beim dritten Versuch am Schluss deutlich nachgelassen habe, frage ich mich, ob die Vorbereitung nach Steffny-Plan  okay war oder ob ich doch noch häufiger lange Einheiten im Marathon-Tempo oder darüber trainieren sollte. Wie seht Ihr das und was schlagt Ihr vor?
Vielen Dank, Ralph

Hallo Ralph,
für die, die es nicht wissen: Chicago 2007 war eine Hitzeschlacht mit bis zu 33 Grad Celsius ohne Schatten. Niemand lief dort richtig gut, die meisten hatten solche Probleme wie du, es gab sogar einen Todesfall. Mit deiner Einschätzung bist du also zu hart zu dir selbst. In Chicago ist jeder Trainer entschuldigt, dort ging kein Plan in Erfüllung. Ein Trainingsplan aus einem Buch kann gut klappen, aber sobald etwas in der Vorbereitung schief geht, funktioniert auch der Plan nicht mehr. Deshalb greifen immer mehr Läufer zu der wesentlich nützlicheren Variante des individuellen Online-Trainings , wo ein Coach ständig den Plan an das jeweilige aktuelle Niveau anpasst, wichtige Fragen beantworten kann und auch die Motivation durch persönliche Ansprache vermittelt. Deine Frage nach der Häufigkeit von langen Läufen ist sehr individuell zu betrachten. Eine Pauschalantwort würde sicher wieder viele und vielleicht auch dich in die Irre führen. Deshalb mal was Neues ausprobieren.
Viele Grüße, Jens Karraß

Lieber Ralph,
zwei Jahre sind keine wirklich lange Zeit, um den Körper auf das Abenteuer Marathon einzustellen. Der Achilles-Tip: Einfach geduldig weitermachen.
Ausdauernder Gruß, Achim

Liebes Expertenteam,
beim Berlin-Marathon fingen ab Kilometer 28 meine Fußsohlen an zu brennen, zuerst ganz leicht, das steigerte sich aber so, dass ich ab Kilometer 32 ganz schön gegen den Schmerz anrennen musste und (leider) auch Gehpausen eingelegt habe. Die Schuhe waren gut eingelaufen, die Socken gebraucht, die Füße hatte ich eingecremt und gepudert (wie jedes Jahr). Was kann die Ursache dafür sein?
Danke, Anne

Hallo liebe Anne,
brennende Füße sind lästig. Oft hängt es damit zusammen, dass sie das längere Laufen auf Asphalt nicht gewohnt sind. Das übt man am besten im Vorfeld mit Läufen auf eben diesem Untergrund. Was ich jedoch noch nie gehört habe, ist das Eincremen und Pudern der Füße für einen Wettlauf. Wo um Himmels willen hast du denn diesen Tipp her?
Viele Grüße, Jens Karraß

Dehnen, Dehnen, Dehnen

Liebes Achilles-Team,
nach einer für mich anspruchsvollen Marathon-Vorbereitung für Berlin meldeten sich drei Wochen vor dem Tag der Tage meine Adduktoren am rechten Oberschenkel beziehungsweise der Leiste. Ich konnte aber, außer in der letzten Woche, gut trainieren und behandelte die Adduktoren mit Wärmesalbe, was denen auch ganz gut bekam. Ich bin in Berlin gelaufen, aber besser wurde es natürlich nicht. Gehen macht momentan keine Probleme, aber Laufen ist noch nicht angesagt, weil es ganz schön zwickt. Ehe ich mit dem Laufen wieder einsteige, möchte ich die Sache auskurieren. Gibt es da einen Geheimtipp oder heißt es: Abwarten und Tee trinken, die Zeit heilt alle Wunden? Muss ich mich damit abfinden, als Wiedereinstieg einen Walker-Kurs zu belegen? Sagt mir die Wahrheit. Ich bin hart im Nehmen.
Hoffnungsvoll, Euer Siegfried Sehne

Lieber Siegfried,
abwarten, Tee trinken, richtig dehnen, das Training analysieren, nächstes Mal die Vorbereitung vorsichtiger planen, viel mehr kann man leider nicht tun.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Liebe Sehne,
obgleich ein alter Dehn-Muffel rate ich dennoch zu ausgiebigen Stretch-Verrenkungen.
Grüße, Yogi Achilles

Hallo Achim,
wie läuft das eigentlich mit Dopingtests beim Marathon? Ähnlich (wirksam) wie beim Radsport? Wie viele Läufer wurden in Berlin getestet und mit welchem Ergebnis? Gibt es auch Trainingskontrollen?
Neugierig, Martin

Lieber Martin,
was haben Sie vor?
Misstrauisch, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Martin,
ich plädiere schon seit langem für Stichprobenkontrollen bei jedem Volkslauf. Warum nur macht das kein Veranstalter? Weil sich das Teilnehmerfeld dann schlagartig reduziert.
Willkommen in der Realität, Epo-Opa Achilles

Hallo Achim,
wenn ich mich in letzter Zeit in den Abendstunden mit meinem Auto Richtung City bewege, fallen mir immer häufiger joggende Bergleute auf. Anders kann ich mir den seltsamen Kopfschmuck der Läufer nicht erklären. Zusätzlich zum Scheinwerfer an der Stirn behängen sich diese Leute noch mit jeder Menge blinkenden Bändern und Reflektionsstreifen. Mein Frage: Hat das seine Ursache im jährlichen Weihnachtswahn (da muss ja auch immer alles heller beziehungsweise bunter werden)? Oder sind diese Läufer etwa doch leuchtende Beispiele und ich sehe das nur viel zu kritisch? Vielleicht sind das ja beinharte Marathonis, die keine Sekunde Training verpassen wollen.
Gruß, Sascha

Hallo Sascha,
Deutschland ist dunkler geworden, die Industrie einfallsreicher und der Mensch sensibler. Der echte Läufer von früher, der in Hotels nach dem Morgenjogging einen Aufzug allein bekam, weil niemand mit ihm fahren wollte (müffel, müffel!), derjenige rennt heute im Düsteren. Der stilbewusste Normalläufer hat höchstens einen Reflektor an der Jacke, der Ausrüstungsfetischist, der sonst schon alles hat, kombiniert Lichtorgel mit Tannenbaum. Wahrscheinlich hast du Nordic Walker beobachtet, die Angst haben, verloren zu gehen. Deswegen haben sie bestimmt auch eine Signalpistole dabei.
Viele Grüße, Jens Karraß

Lieber Sascha,
je nach Gegend und Glühweinpegel der Autofahrer kann so ein Lichtlein durchaus eine lebensverlängernde Maßnahme bedeuten.
Erleuchtet, Achim