Achilles' Ferse: Erst denken, dann laufen - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Erst denken, dann laufen

Kaum zu glauben, aber wahr: Wer die Liebe zum Dauerlauf entdeckt, sollte am Anfang kürzer treten. Das richtige Training verhindert Muskelkater. Wer das weiß, kommt gut über die Runden. Effektives Joggen ist eben auch Kopfsache.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ein mir bekannter Lauf-Trainer brachte letztens den Spruch: "Ein dummer Sportler ist ein guter Sportler!" Dies passierte nach Rückfragen zum Sinn oder Unsinn seiner Trainingsmethoden. Ist es richtig, dass weniger Wissen (Puls, Ernährung, Training etc.) zu besseren Leistungen führt?
Norbert

Lieber Norbert,
zu besseren Leistungen führt nur ein gescheites Training, ausreichende Regeneration und ein intaktes Umfeld. Für eine sinnvolle Trainingsgestaltung sind selbstverständlich einige Kenntnisse erforderlich. Ansonsten ist es wie mit den Aktien: manchmal gehen sie drauf, manchmal gehen sie unter, und man fragt sich, wieso man nicht reich wird. Wenn man einen tollen Berater hat, braucht man sich selber mit dem Thema nicht zu beschäftigen. Es gibt in der Tat einige Leute, die alles instinktiv richtig machen, aber leider nur fünf auf der ganzen Welt. Wenn Sie dazu gehören, brauchen Sie keine weiteren Kenntnisse. Ansonsten sind Sie gut beraten, sich mindestens ein wenig zu informieren.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Hallo Norbert,
solltest Du mit diesem Trainer zusammengearbeitet haben, hoffe ich, dass Du Dich sofort von ihm getrennt hast. Beide Komponenten, Angst vor der zeitlichen Mehrbelastung in Theoriefragen und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Individuum Läufer, sind für einen guten Trainer selbstverständlich kein Tabu. Es gilt genau das Gegenteil: Eine bestimmte Trainingsübung wird durch den Läufer viel exakter und bewusster durchgeführt, wenn er den Sinn und das Ziel dieser Trainingseinheit verstanden hat. Du kannst es auch noch fortsetzen, denn das Wissen dieser einen Trainingseinheit verbindet sich auch mit der Ausführung der nächsten Trainingseinheit. Ein guter Läufer weiß, wie die nächsten drei Trainingseinheiten im Zusammenhang stehen, wie die gesamte nächste Woche wirkt und was beim nächsten großen Wettkampf abgefordert werden wird.

Es ist sehr schwierig, das Individuum Läufer zu trainieren, wenn der Plan des Trainers nicht mit vollstem Vertrauen umgesetzt wird. Erstens kann der Trainer damit nicht die längerfristig geplanten Ziele angehen, denn sie setzen ja einen kontinuierlichen Trainingsprozess voraus. Ein guter Trainer kann die Leistung seines Schützlings eigentlich auf die Sekunde voraussagen. Mir ist das schon hundert Mal gelungen, aber vielleicht auch nur, weil meine Schützlinge es mir recht machen wollten.
Trainer Karraß

Hallo Norbert,
Dein Trainer hat völlig recht. Frauen sagen dämlichen Kerlen ja auch bessere Leistungen beim Liebesspiel nach. Blöde Läufer sind nun mal besser. Leider sind wir alle klug.
Gruß, Achim

Hallo Achim,
nachdem ich seit Jahren nicht gelaufen bin, wollte ich jetzt mal wieder anfangen. Ich bin gesund bei 1,77 Meter und 85 Kilogramm und habe dazu passende Schuhe gekauft. So bin ich dann losgelaufen - fünf Kilometer in 45 Minuten inklusive zwei Gehpausen. Danach hatte ich leichte Schmerzen in der Hüfte, die aber am nächsten Morgen weg waren. Dafür zwei Tage lang Muskelkater in der gesamten Rückenmuskulatur. Was mache ich falsch? Wie sollte ich anfangen?
Laurenz

Lieber Laurenz,
die Schmerzen und der Muskelkater zeigen Ihnen eindeutig, dass Sie sich zu viel zugemutet haben. Im Durchschnitt benötigt man vier bis sechs Wochen, bis ein Training über 45 Minuten ohne Pausen möglich ist. Fangen Sie deswegen mit kurzen Belastungen von maximal fünf Minuten Laufen mit Gehpausen von zwei bis drei Minuten dazwischen und halten Sie die gesamte Belastungszeit bei maximal 30 Minuten. Erhöhen Sie allmählich die Dauer der Belastungen auf acht, zehn und 15 Minuten, und die gesamte Trainingszeit auf 35, 40 und 45 Minuten. Wenn Sie am Tag nach dem Training Beschwerden haben, werden Sie die Dauer der Belastung reduzieren müssen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Laurenz,
Wenn du allerdings dreimal in der Woche mit diesem Laufprogramm anfängst, wird es höchstens drei Wochen dauern, bis Du deine 45 Minuten am Stück laufen kannst. Das haben wir bei unserem samstäglichen AOK-Frühstückslauf hundertfach gemacht, gesehen und durchgezogen. Viel Erfolg bei Deiner neuen Laufkarriere,
Jens Karraß

Lieber Achim,
Schuld an allem ist mein Hausarzt. Schaut sich so meine Blutwerte an, wiegt bedenklich den Kopf, faselt was von metabolischem Syndrom, Leberwerten und Patientenverfügung, kurz: Macht einem ein ganz, ganz schlechtes Gewissen. Die Ausrede, dass ich mit jeder Schwangerschaft mindestens drei Kilo zugenommen habe, zieht nicht so richtig – meine Frau habe die Kilos schließlich auch wieder runter bekommen. Ich solle Sport machen, und zwar rechtzeitig, bevor eh alles zu spät sei, und Laufen könne nun wirklich jeder Vollidiot. Vier Monate ist das her. Seitdem laufe ich (40, 79 Kilogramm, 176 Zentimeter). Anfangs zehn Minuten, dann immer länger und ernsthafter, drei- bis viermal die Woche, bis ich schließlich länger als eine Stunde durchhielt (acht Kilometer). Toll, dachte ich – bis mich neulich der erste 80-jährige Walker überholte. Mir war vorher schon aufgefallen, dass ich ziemlich langsam laufe, denn oft liefen Ameisen minutenlang neben mir her. Wie kann ich schneller werden? Schaffe ich jemals bescheidene zehn Kilometer in einer Stunde?
Lahmer Gruß, Patrik

Hallo Patrik,
ganz einfach. Packe neben Deiner Acht-Kilometer-in-der-Stunde-Runde auch zwei flottere Tage in Deine Trainingswoche hinein. 1.) zehn Minuten locker laufen, Pause mit Dehnung, dann Ein-Minuten oder Zwei-Minuten-Läufe, die Du deutlich schneller machst, als Dein bisheriges Tempo. Dazwischen gehst Du solange, bis Du den nächsten Lauf flott hinbekommst. 2.) Nach lockerem Tempo erhöhst du für zehn bis 15 Minuten das Tempo, aber nicht so sehr wie bei den Läufen unter 1.). Damit wirst Du die Ameisen hinter Dir lassen.
Viel Spaß beim Geschwindigkeitsrausch, Jens Karraß