Achilles' Ferse: Expeditionen ins Tierreich - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Expeditionen ins Tierreich

Walker sind nicht die einzige Plage, mit denen sich Läufer herumschlagen müssen. Auch die Fauna bietet zuweilen einige unangenehme Überraschungen. Achim weiß, wie man Bussarde, Wildsäue und die allgegenwärtigen Hunde abschreckt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ich brauche Unterstützung bei der Abwehr von Greifvögeln. Ich bin ganz entspannt meine Trainingstrecke gelaufen, da fliegt doch ein Greifvogel ganz knapp über mich hinweg. Als ich auf dem Rückweg wieder an der Stelle vorbei komme, greift mich der Greifvogel von hinten an – Feigling! Es war ein Rammstoß des Vogel-Bauchs und ein Greifversuch mit den Krallen. Ich bin glücklicherweise mit einem Kratzer in der Kopfhaut davongekommen. Muss ich jetzt zur Tollwutschutzimpfung? Da das die einzige gute Strecke in der Nähe ist, stellt sich jetzt die Frage, wie ich diesem Vieh seine Marotten austreibe. Irgendwelche Vorschläge?
Bis bald, Sven (Ja, das ist wirklich passiert!)

Lieber Sven,
das ist mal ein wirklich neuartiges Problem. Trägst Du eventuell Rasta-Locken, in denen Kleintiere wohnen? Hattest Du provozierende Farben am Leib? Hat es was mit der Klimakatastrophe zu tun? Gibt es Falkner unter den Lesern, die den Spinnvogel erklären können?
Nicht ganz ohne Amusement, Achim

Lieber Achim,
letzten Samstag im Wald: Zwei Hunde wittern meinen Mann und mich, stellen ihre Ohren auf und machen sich bereit zum Angriff! Auf unsere Aufforderung an die Besitzer, die Hunde bitte festzuhalten, ging ein Pfeifen und Schreien nach den Hunden los, das diese aber nicht interessierte. Der Schäferhund sprang an meinem Mann hoch, der andere stand hechelnd und geifernd vor mir. Mein Mann und ich warteten nicht vergeblich auf den Satz: "Die tun nix!" Aufmerksam gemacht auf den Angriff des Schäferhundes, wurden die Hundebesitzer rabiat und meinten, wir sollten uns so verhalten, wie es sich gehört.
Goda

Liebe Goda,
kann es sein, dass ihr zum ersten Mal im Wald laufen wart? Sowas passiert mir jedes Wochenende, wobei mich der vorwurfsvolle Blick der Hundehalter ganz besonders irritiert. So als ob der Wald allein den Hunden gehört. Hundehalter und Walker sind nun mal wie Kleidermotten –man muss mit ihnen leben.
Mitleid, Achim

Hallo Achilles,
Berlin ist langweilig. Komm zu uns nach Burkina Faso. Zwar hast Du den Ouagadougou-Marathon verpasst, aber die Trainingsbedingungen sind einmalig. Um fünf Uhr morgens ist es noch unter 35 Grad! Gelaufen wird im Busch. Die Rinderherden durchquerst Du, indem Du einer Kuh einfach fest in die Augen schaust. Sie hält dann wahrscheinlich an. Das Verhalten bei Elefantenherden muss noch besprochen werden. Ich sage mal, trotz Trainingsfleißes ist anhalten und nicht bewegen angesagt. Hügelläufe sind wegen der Schlangen allerdings nicht angeraten.
Das Abenteuer wartet, Christian

Lieber Christian,
tolle Sache, schon klar. Und für den Heimflug gibt es so praktische schwarze Plastiksäcke mit Reißverschluss. Froh, dass er ohne Tiere über zehn Kilometer kommt.
Achim

Lieber Achim,
ich laufe jeden Tag im nahe gelegenen Wald. Ärgerlich sind vor allem die Pferde auf dem Laufweg und das damit verbundene Zickzack-Ausweichen vor dem liegengelassenen Kot, um die Schuhe nicht komplett zu ruinieren, was mir bereits passiert ist. Manchmal spritzt es auch so übel, dass die ganze Kleidung betroffen ist. Kennst Du das?
Nico

Lieber Nico,
die Berliner Pferde äpfeln in recht fester Konsequenz und auch in einer derart beeindruckenden Menge, dass man die Haufen gut sieht und, bei entsprechender Kondition, drumherum laufen kann. Wie Du es schaffst, den Pferdemist zum Spritzen zu kriegen, würde mich schon interessieren. Springst Du absichtlich rein? Dann sind die Schuhe tatsächlich ruiniert. Muss doch nicht sein, oder?
Gruß, Achim

Lieber Achim,
neulich kam eine echte Wildsau mit Nachwuchs hinter mir her. War weniger komisch als man meinen könnte. Macht jedenfalls Sprinttraining überflüssig und Du wirst sauschnell, wenn auch nur temporär.
Grüße aus dem Frankfurter Stadtwald, Walter

Lieber Walter,
Wildsäue, in Fachkreisen auch Bachen genannt, die ihren Nachwuchs dabei haben, sind ausgesprochen unberechenbar. Manche verfügen sogar über bemerkenswerte Kondition. Nur klettern können sie nicht so gut. Das könnte nächstes Mal Deine Rettung sein.
Besten Grunz, Achim

Sehr geehrter Herr Achilles,
als ich neulich an der Elbe entlang rannte, walkten vor mir zwei zarte 140-Kilo-Rehe. Auf einmal brach eine der beiden schnaubend über ihren Designerstöcken zusammen und schrie ihrer weiter walkenden Freundin hinterher: "Heike, meine Cola ist schon wieder alle!" Als ich ein wenig versetzt neben ihr mit Lachkrampf zum Stehen kam, verging mir selbiger sofort. Ein wütender, durchdringender Blick zerfetzte mich förmlich. So entschloss ich mich, schleunigst weiterzurennen, um nicht aus ihr einen Terroristen mit Blut am Stock zu machen.
Viele Grüße, Christian

Lieber Christian,
keine Angst. Nach der Weinbergschnecke ist der gemeine Walker das langsamste Wesen im Tierreich.
Gruß, Achim

Lesermail der Woche

Lieber Achim,
seit ich Dein Buch gelesen hab, bin ich ein wirklicher Fan Deiner Sticheleien und Kolumnen - man muss auch mal über sich selbst lachen können, und da habe ich ja viele gute Gründe, da ich selbst Läufer, Walker, Hundebesitzer und Frau bin!
Katja

Katja,
ich finde Dich auch total toll!
Herzlichst, Dein Achim