Achilles' Ferse Gefahr durch Blähungen
Hallo Achim,
ich bin kürzlich einen Halbmarathon gelaufen, Zielzeit war 1:27 Stunden (zehn Kilometer schaffe ich in 39:16 Minuten). In der Vorbereitung lief alles prima, das Training habe ich nach dem Plan
Herbert Steffnys durchgezogen. Auch die Bedingungen an dem Tag waren gut. Eigentlich passte alles. Bis Kilometer 15 war ich genau in meinem Tempo drin (4:07 Minuten pro Kilometer). Doch dann bekam ich schlagartig Stiche am rechten Lungenflügel unten, musste ein paar Meter gehen. Dann waren die Stiche weg, ich bin aus dem Rhythmus gekommen, hatte keine Kraft mehr und bin mit einer Zeit von 1:32 Stunden ins Ziel geschlurft. Die Enttäuschung war groß, der dritte Platz in meiner Altersklasse (AK) war weg. Was konnte das sein? Bitte tröste mich!
Schluchzend, Tim
Lieber Tim,
ich hätte mir für deine Superzeit einen Zeh abgehackt.
Neidisch, Achim
Hey Tim,
das war ganz normal. So was kommt vor, wenn man im Grenzbereich läuft. Da tut mal was weh. Aber einmal ist kein Mal. Deshalb, vergiss es einfach. Und werde lockerer, was Platzierungen angeht. Dein AK-Denken verrät schon sehr viel über dich. Bereite Dich weiter gut vor und Du wirst das ernten, was in Dir ist. Ich habe vollstes Vertrauen in Dich.
Grüße, Jens Karraß
Lieber Tim,
die Ursachen des Seitenstechens sind unterschiedlich. Häufig haben sie mit der Nahrungsaufnahme zu tun: Ein zu kurzer Abstand zwischen den Essen und dem Laufen zum Beispiel kann zu einer Verkrampfung der Bauchmuskulatur führen. Lebensmittel, die Blähungen verursachen, können auch der Grund der Seitenstiche sein. Neue Studien haben belegt, dass Seitenstechen häufig als Folge einer Durchblutungsstörung der Bauchorgane entstehen kann. Jeder Läufer, der lange genug dabei ist, hat schon Bekanntschaft mit dem Problem gemacht. So frustrierend wie das Seitenstechen sein kann, gibt es trotzdem noch gute Nachrichten: Häufig bleibt es bei einer einmaligen Episode.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo
Hallo Achim,
ich lese immer wieder mit großem Erstaunen, wie viel Zeit selbst berufstätige Familienmenschen zum Laufen zu haben scheinen. Ich komme leider selten mehr als ein Mal pro Woche 90 Minuten dazu (viel auf und ab, rund 12,5 Kilometer). Im Dezember 2006 bin ich in Tübingen meinen ersten Halbmarathon gelaufen, in 2:05 Stunden. Demnächst will ich bei meinem zweiten starten und zehn Minuten schneller sein. In den nächsten vier Wochen habe ich etwas mehr Zeit, so dass ich vielleicht zwei bis drei Mal pro Woche laufen könnte. Was wäre ein vernünftiger Trainingsplan für mich? Ich bin 33 Jahre alt, 53 Kilogramm schwer und 1,69 Meter groß.
Vielen Dank, Antje
Hallo Antje,
Deinen Sonntagslauf etwas flotter gestalten, da Du im Halbmarathon schon unter 6:00 Minuten pro Kilometer gelaufen bist. Deshalb bei den 12,5 Kilometern mit bergigem Kurs auf 1:18 Stunden, statt 1:30 Stunden, was 6:15 Minuten pro Kilometer entspricht. Dazu einmal ein "Ein-Kilometer-Training", bei dem Du anfänglich vier bis sechs Mal 1000 Meter in 5:30 Minuten absolvierst mit drei Minuten Pause dazwischen. Mit einigen Wochen wirst Du die in 5:00 Minuten schaffen. Das ist das Tempotraining, dass Dir die 2:00-Stunden-Marke eröffnet. Dazu den dritten Lauf der Woche anfänglich acht Kilometer, später 12,5 in mindestens 6:00 Minuten pro Kilometer, die Du im Laufe einiger Wochen bis auf 5:40 bringst, dann klappt es mit den 1:59 Stunden garantiert. Wenn Du es noch genauer haben möchtest, dann melde Dich zur
persönlichen Betreuung bei mir an.
Gruß, Jens Karraß
Sehr geschätzte Truppe,
als engagierter Amateur (Berlin-Marathon in 2:42 Stunden) sehe ich mich diesen Sommer in der Marathonvorbereitung ziemlichen Zeitproblemen gegenüber. Ich frage mich - und nun auch Jens Karraß - wie empfehlenswert Trainingseinheiten zu für mich exotischen Zeiten, nämlich morgens vor acht Uhr und abends nach 20 Uhr, sind. Gibt es da eventuell negativen Einfluss auf Schlafqualität (nachts und im Büro) und Verdauung? Ich möchte auf rund sechs Trainingseinheiten pro Woche kommen, habe aber mitunter ausgerechnet am Wochenende wenig Zeit. Wäre es zudem sinnvoll, an freien Tagen zwei Einheiten zu machen? Ich kenne so etwas aus unseren Trainingslagern.
Ich danke herzlich für Euren Rat, Dirk
Lieber Dirk,
interessante Probleme, die mir allesamt völlig unbekannt sind. Soll Klemmbrett klären.
Gruß, Achim
Lieber Dirk,
Du bist ein flotter Hirsch, hast Lust und stellst gute Fragen. Morgens kannst Du alles machen, das ist ohne Einschränkung möglich. Abends nach 20 Uhr würde ich Dir nur von intensivem Training abraten, wenn es öfter vorkommen sollte. Generell ist nach hartem Training der Körper noch einige Stunden in Wallung, aber so extrem, dass Du keinen guten Schlaf finden wirst, sollst Du es übertreiben. Falls es nicht schon so ist, eine gute Nachricht für Deine Zeiteinteilung: Lange Läufe sollten nur vier bis fünf Mal vorkommen und der längste wird 2:10 Stunden sein. Neugierig? Dann melde Dich doch einfach
bei mir.
Gruß, Jens Karraß