Achilles' Ferse: Gönn' Dir mal 'ne Pause - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Gönn' Dir mal 'ne Pause

Die Segen der modernen Motivation können sich bei einer Verletzung schnell zum Fluch entwickeln. Viel zu früh will der Läufer wieder auf die Strecke, dabei lauern dabei so viele Gefahren. Das Team um Doc Dimeo weiß Rat.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lieber Achim und Team,
gern komme ich (1,83 Meter, 79 Kilogramm) auf Euer Angebot zurück (Beratung vom 20. Oktober 2006) und rühre mich jetzt, nachdem ich nach überstandener Arthroskopie die Krücken in die Ecke geworfen habe. Dies allerdings nur im übertragenen Sinne, da ich nach der Operation gleich zu 100 Prozent belasten durfte. Inzwischen hat mir mein Orthopäde wieder die uneingeschränkte Lauffähigkeit (natürlich in Maßen) attestiert. Ich will jetzt wieder anfangen. Nur, wie beginne ich am besten nach der zehnwöchigen Zwangspause? Ich möchte mich auf keinen Fall überlasten. Übrigens: Ich bin bisher keinen Marathon gelaufen, habe acht Halbmarathonläufe hinter mir, den ersten im Frühjahr 2003 (Bestzeit: 1:33 Stunden). Ich bin im letzten Winter dreimal pro Woche gelaufen, davon einmal länger (20 Kilometer, in der Marathonvorbereitung 30 Kilometer), sonst zwölf bis 15 Kilometer. Mein Ziel in diesem Jahr: der Berlin-Marathon.
Für Eure Mühe vielen Dank, Uwe

Lieber Uwe,
dass die Untersuchung keine anhaltenden Schäden gezeigt hat, freut mich sehr. Nach einer Pause von zehn Wochen müssen Sie sich als Anfänger betrachten. Die Operation und die anschließende Ruhigstellung des Knies führen zu einer Einschränkung der Koordination, so dass man zuerst das saubere Laufen wieder lernen muss. Die ersten Wochen sind deswegen nur kurze Belastungen von beginnend zwei- oder dreimal fünf Minuten zunehmend bis zwei- bis dreimal zehn Minuten gegen Ende der zweiten Woche angesagt. Man kann das Pensum um etwa zehn Prozent pro Woche erhöhen. Jede dritte Woche sollte eine Trainingsreduktion stattfinden, um die Anpassung zu vereinfachen. In der Regel braucht man ungefähr dieselbe Zeit nach einer Verletzung, um wieder den alten Trainingszustand zu erreichen. Das bedeutet, dass Sie mit mindestens drei Monaten rechnen müssen, bevor sie ein normales Training durchführen können.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Hallo lieber Achim,
ich habe als Ausgleich zum Bürosport das Joggen für mich entdeckt. Sicherlich ringen meine zwei- bis dreimal pro Woche gelaufenen sieben bis zehn Kilometer jedem richtigen Läufer ein müdes Lächeln ab, aber es macht trotzdem Spaß. Meine Frage zielt nun auf etwas mir Unangenehmes: mein Gewicht. Ich wiege derzeit 98 Kilogramm bei einer Körperlänge von 1,90 Meter und einem Alter von 29 Jahren. Ich bin kein unsportlicher Typ, aber dennoch jenseits eines BMI von 20 bis 25. Daher die Frage: Kann das Übergewicht auf Dauer und bei steigender Kilometerzahl (Ziel ist schon der Halbmarathon) dauerhafte Schädigungen meines Prachtkörpers nach sich ziehen? Ist also eine Gewichtsreduktion zwingend notwendig oder eher eine ästhetische Angelegenheit?
Mit besten Grüßen aus Dresden, Rüdiger

Hallo Rüdiger,
alles gut. Du läufst. Bleib gesund, aber mache konsequent drei Einheiten die Woche. Und freunde Dich mal damit an, dass Du bei 90 Kilo landen solltest. Dann ist alles okay. Du bist nicht spindeldürr und der BMI kommt so langsam in die richtige Bahn.
Viel Erfolg, Jens Karraß

Lieber Rüdiger,
ich habe ein sehr ähnlich gelagertes Problem. Ab vier Läufen die Woche bleibt das Gewicht konstant, mit der fünften Einheit sinkt es. Abgesehen von den Gelenken bist Du leichter einfach schneller. Wenn Du Dir ein Kilogramm Körpergewicht als vier Butterpäckchen vorstellst, dann sind fünf Kilo schon eine satte Einkaufstüte voll. Ob Du die mitschleppst oder nicht, ist schon ein Unterschied, oder? Und noch was: Muskeln sind schwerer als Fett. Wenn Du in den letzten Monaten also kaum ab-, sondern eher zugenommen hast, dann wundere Dich nicht. Ein Letztes: Zu dünn oder leicht ist auch schlecht. Wenn ich unter 90 Kilogramm komme, dann haut mich der kleinste Infekt für Wochen um.
Gruß, Teletubbie Achilles

Hallo Achim,
vor einiger Zeit entstand bei mir ein kleiner, gutartiger Nerventumor auf dem linken Fußrücken. Mir wurde gesagt, dass er sich wahrscheinlich nicht wieder zurückbilden würde. Seitdem kann ich keine Laufschuhe mehr für längere Strecken tragen, da sonst eine unangenehme Taubheit in den Zehen entsteht. Seit einigen Monaten laufe ich nun drei- bis viermal pro Woche barfuß fünf bis sechs Kilometer auf einem eigens angeschafften Laufband. Ich bin 60 Jahre alt, und abgesehen von der Fitness möchte ich der Osteoporose vorbeugen. Nun die Frage: Wie schädlich ist auf die Dauer Laufen ohne Laufschuhe? Denn ab und zu fühle ich ein leichtes Ziehen in einem Knie, das ich vorher nicht hatte. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen,
Marianne

Liebe Marianne,
ich weiß von Menschen mittleren Alters, die beim Training längere Strecken barfuß laufen, wohlgemerkt auf weichem Boden, und keine Beschwerden haben. Andere können nicht länger als 200 Meter barfuß laufen, ohne erhebliche Probleme zu bekommen. Ich glaube persönlich nicht, dass ein regelmäßiges Training ohne Schuhe auf Dauer gut geht. Barfuß laufen auf dem Laufband finde ich wegen der harten Fläche besonders problematisch. Die Laufbänder der Firma Woodway sind mit Gummilamellen ausgestattet und deswegen weicher, aber bei den Modellen aller anderen Hersteller, die ich kenne, würde ich von einem längerfristigen Training ohne Schuhe abraten.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo