Achilles' Ferse Hacken, Hassen, Hanteln
Hallo Achim,
ich habe festgestellt, dass das Lauf- und Radtraining bei mir etwas besser (einfacher und schneller) abläuft, wenn ich aggressive Gedanken habe (z.B. irgendwelche Personen, die böse zu meinen Kindern sind). Wenn ich dann nach Hause komme, bin ich total ausgepowert und friedlich und trotzdem heiß auf meine Frau. Gibt es dafür eine Erklärung? Wenn nicht - ist auch nicht schlimm.
Adrenalin-Grüße von Sascha
Lieber Sascha,
vor einiger Zeit zogen wir in ein Haus ein, das mehrere Jahre leer stand. Der Garten war völlig verwildert und ich musste mehrere Bäume fällen und zerlegen. Ich stellte fest, dass die Arbeit mir viel leichter fiel und umso mehr Spaß machte, wenn ich beim Schwingen der Axt an meinen alten Chef dachte. Ob es mit Ihrer Frage zu tun hat, weiß ich nicht, aber ich finde die Anekdote trotzdem gut. Zusammenfassung: beim Sport baut man Aggressionen ab, man kann sich aber auch durch Aggressionen motivieren.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo
Heißa, ein Testosteron-Thema!
Eure Aggressions-Storys würden natürlich erklären, warum der Dalai Lama immer so schleicht. Wer jede Ameise liebt, der macht natürlich niemals einen schnellen Kilometer. Ich frage mich gerade, ob ich schneller werde, wenn ich Walker sehe. Die machen mich nämlich wirklich aggressiv. Eher bei Hunden und ihren Haltern. Da ist es aber nicht Hass, sondern Angst. Vielleicht sollte mich Mona vorm nächsten Wettkampf an meine Hantelbank fesseln und mal so richtig mit dem Nudelholz traktieren. Mit Handschellen und dem roten Bällchen im Mund läuft es sich allerdings schlecht. Vielleicht gibt es ja noch weitere sachdienliche Hinweise zu läuferischen Psychotricks. Immer her damit.
Neugierig, Achim
Hallo Achim, hallo Klemmbrett, hallo Doc,
ich war zwar nicht beim Berlin-Marathon, dafür aber in Karlsruhe. Leider hatte ich eine miserable Tagesform (was sich in den Tagen zuvor schon angedeutet hatte), sodass ab Kilometer 30 nur noch Gehen angesagt war. Dabei bin ich im Training mehrmals und teilweise extrem leicht knapp 30 Kilometer gelaufen. Diesmal war der Puls kurz nach dem Start schon fast an der Decke. Gibt es eine Möglichkeit, so einen Fehlschlag zu vermeiden? Oder muss man halt vor jedem Marathon etwas pokern und hoffen, dass es klappt? Vielleicht hat mir ja auch doch noch der ein oder andere Trainingsmonat gefehlt.
Marathonische Grüße, Tobias
Hallo Tobias,
nein, Marathon hat nichts mit Pokern oder Glück zu tun. Du wirst immer nur aus der Mischung der folgenden Dinge einen guten Marathon ernten: fleißiges, aber wohl dosiertes Training; der richtige, auf Dich und Deine Ziele abgestimmter Trainingsplan, ausreichende Regeneration in den Tagen vor dem Marathon, gute Ernährung und Hydrierung vor und im Wettkampf, entspannte private Situation (keine seelischen Tiefschläge) und nicht zuletzt der Renntag selbst mit Wetterbedingungen, Renneinteilung, Profil der Strecke. Bei Dir sind zumindest zwei Faktoren nicht optimal gewesen: Deine miserable Tagesform kündigte sich schon in den Tagen zuvor an, das hört sich nach fehlender Erholung an. Und am Berlin-Marathon-Wochende war es überall in Deutschland, also auch in Karlsruhe, viel zu heiß für einen wirklich tollen Marathon. Ich vermute, dass Du einfach nur das Anfangstempo nicht dem warmen Sommerwetter angepasst hast. Da ist ein Einbruch leider oft nicht vermeidbar.
Alles Gute,
Jens Karraß
Lesermail der Woche
Achim, Sie fauler Sack,
was lese ich denn da dauernd für miese Ausreden? Schönen Gruß aus Indien (Bangalore), wo ich mäßig talentierter, übergewichtiger (BMI: 31 - "primär durch sehr kräftigen Muskelbau"), aber hochmotivierter Freizeitläufer sitze und über SPIEGEL ONLINE täglich deutsche Temperaturen sehe. Kann ja sein, dass man bei minus 20 Grad Celsius mal einen Lauf von 15 Kilometer auf 12 verkürzt, aber Motivationsprobleme schon im Herbst - das kann nicht sein! Da es von Dieter Baumanns olympischen Großtaten keine Wortmannesken Motivationsfilme gibt, empfehle ich auf die kleinen Gruppe der Laufkosmopoliten zu schauen, die unter weit dramatischeren Umständen dem Laufsport treu bleiben: In heißen staubigen indischen Großstädten, bei über 30 Grad und auf fragwürdigen Streckenprofilen. Und haben wir uns jemals beschwert? Mit einem respektvollen "Lauf, Du Sau" (in Erinnerung an den sehr motivierten Jan-Ullrich-Helfer Udo Bölts).
Jochen (37)
Lieber Jochen,
Respekt: mit BMI 31 jeden Tag 31 Kilometer bei 31 Grad in Flipflops. Kein Wunder, dass wir vor den Indern so eine Angst haben.
Namaste, Achim