Achilles' Ferse: Nikotin bis in die Lungenspitzen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Achilles' Ferse Nikotin bis in die Lungenspitzen

Manche Läufer können trotz der befreienden Wirkung ihres Hobbys von den alten Lastern nicht lassen - das Rauchen etwa. Achim Achilles gibt Tipps, wie man es los wird und sich wieder allein auf den nächsten Wettkampf konzentrieren kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Ihr Experten,
heute will ich Euch doch auch mal zu Rate ziehen: Ich habe mich im letzten Jahr in der Vorbereitung auf meinen ersten Marathon durchchecken lassen. Das Ergebnis war für einen 50-Jährigen bekennenden Weizenbier-Fetischisten soweit okay. Bis auf die Feststellung, dass ich einen hypertonen Belastungsblutdruck mit mir rumschleppe. Konkret heißt das 223/111 Hg bei 250 Watt Belastung; nach sechs Minuten Erholung 150/108 Hg. Was ist Eure Empfehlung: Pillen schlucken? Die Trainingsrunde Richtung Friedhof verlegen? Oder kann man das tolerieren?
Gerhard

Lieber Gerhard,
der Blutdruck kann in der Tat nicht nur in Ruhe, sondern auch unter Belastung erhöht sein. In diesem zweiten Fall ist eine Behandlung je nach Ausprägung der Blutdrucksteigerung erforderlich. Denn es ist nicht klar, ob eine belastungsbedingte Hypertonie auf Dauer zu einer Zunahme des Blutdrucks in Ruhe führt. Bei einer Belastung von 250 Watt sind Blutdruckwerte von 220/110 mm Hg allerdings sogar bei einem gesunden Sportler zu erwarten. Diese Werte sind in Ihrem Fall auch nicht relevant, denn bei einem normalen Training würden Sie nie eine solche Intensität erreichen. Viel wichtiger ist deswegen der Blutdruck bei einer Belastung von 75 bis 150 Watt, was eher der Anstrengung beim Laufen entspricht. Wenn diese Werte nicht über 200 mm Hg liegen, ist in der Regel keine Behandlung erforderlich. Besprechen Sie bitte das Thema mit Ihrem Arzt.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
Ihre Kolumne verfolge ich jetzt schon eine Weile. Vielleicht habe ich es verpasst, aber aus mir unverständlichen Gründen haben Sie Ihrem Publikum bisher noch nicht versucht, die eigentliche Perle des Laufsports näherzubringen: den Berglauf. Gibt es in Ihrer Nähe keine Berge, oder lässt der Trainingszustand noch keine persönlichen Erfahrungen beim Berglauf zu?
Mit sportlichen Grüßen, Hans

Lieber Hans,
ich bin der einzige Argentinier auf der Welt, der sich Baden-Würtembergischer Berglaufmeister 1994 nennen darf. Als ich noch am Fuße des Schwarzwalds gewohnt habe, gehörten Bergläufe einfach dazu. Aber in Berlin ist nicht nur die Politik flach, sondern auch das Gelände. Teufelsberg-Kletterer können den Bobbelen in Freiburg, welche die acht Kilometer und 800 Meter Höhe des Toten-Mann-Laufes in weniger als 35 Minuten bewältigen, nicht mal das Wasser reichen. Vielleicht überreden wir Achim Achilles dazu, die Steigung auf seinem Laufband bei zehn Prozent zu stellen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Ihr blöden Angeber,
Menschen wegen der Topographie ihrer Wohngegend zu diskrimieren, das ist ein Fall für Claudia Roth, meine liebste Minderheitenbeauftragte. Noch ein falsches Wort über Eure blöden Berge, und ich hetze sie Euch auf den Hals.
Mit Höhenangst, Achim

Hallo lieber Achim,
ich habe aus einer Depression heraus angefangen zu laufen, zunächst fünf Minuten, inzwischen bin ich bei einer 1:20 Stunden (13 Kilometer). Leider konnte ich immer noch nicht aufhören zu rauchen (zirka 20 am Tag) und trinke ab und an Wein und Sekt. Schadet es dann eher, wenn ich laufe? Worauf sollte ich achten?
Mustafa

Lieber Mustafa,
ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrem Schritt, ein Lauftraining aufzunehmen. Es ist jedoch ein großes Problem, dass Sie mit dem Rauchen nicht aufhören können. Die Statistik belegt, dass mehr als die Hälfte der Raucher, die aufhören wollen, es nicht schaffen. Alle Daten zeigen so eindeutig die Gefahren des Nikotinkonsums, dass ich über die Entscheidung der Bundesregierung entsetzt bin, ein absolutes Werbeverbot für Tabakprodukte nicht durchsetzen zu wollen. Das Rauchen führt zu einer deutlichen Erhöhung des Risikos von Herz- und Kreislaufkrankheiten und von Tumorerkrankungen. Durch ein regelmäßiges Trainingsprogramm kann man teilweise dieses Risiko reduzieren. Seien Sie beruhigt: Trotz unseriöser Behauptungen, die immer wieder in der Presse erscheinen, erhöhen Raucher durch regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko von Durchblutungsstörungen nicht. Das mittelfristige Ziel müsste bei Ihnen eine Einstellung des Rauchens sein. Informieren Sie sich bei ihren Hausarzt über Möglichkeiten, die Ihnen helfen können, von der Nikotinsucht los zu werden. Mittlerweile bieten mehrere Krankenkassen Kurse und Programme in diese Richtung.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Mustafa,
solltest du gläubiger Moslem sein, darfst du eh nichts Alkoholisches trinken. So geht's schon mal los. Höchstens Rotwein, denn auch der Prophet kann nichts dagegen haben, dass du mit den gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen deine Konstitution verbesserst. Bleibt das Rauchen: Ich kenne einige Leute, die durch das regelmäßige Laufen mit dem Rauchen aufgehört oder es zumindest deutlich eingeschränkt haben. Weil sie schneller werden wollten, weil ihre Lunge schmerzte, weil sie einfach keine Lust mehr hatten. Es gibt aber auch Typen wie diesen jungen Knaben, der nach dem Stuttgarter Halbmarathon neben mir vor der Duschen saß und sich genüsslich eine Zigarette bis in die letzte Lungenspitze sog. Wenn es bei einer Kippe am Tag bleibt, dann dürfte das Qualmen kein Problem sein. Ich schnorre ja auch gern mal eine.
Röchelnd, Achim

Lesertipp

Moinmoin,
bei mir entstehen Knieprobleme weniger beim Laufen, eher im Alltag. Um dem vorzubeugen, versuche ich, meine Knie immer ein wenig eingeknickt zu lassen, helfe beim Aufstehen vom Stuhl mit den Armen nach, nehme immer nur eine Treppenstufe und ziehe mich mit den Armen am Geländer hoch. Auch habe ich das Gefühl, dass kleine Bewegungen – Beine-Wippen, wenn man sitzt, was andere wahnsinnig macht - die Regeneration fördern (vermehrte Durchblutung und so).
Jan