Achilles' Ferse Oh weh, die Sehne!
Sehr geehrte Herren,
ich (59) bin in einiger Laufnot und bitte um Ihren Rat. Ich laufe seit mehr als 30 Jahren und seit knapp 20 Jahren morgens nahezu täglich zwischen sechs und zwölf Kilometer, des Seelenbalsams wegen. Die nach Zeit und Lust (und Zeckenaktivität) sehr variierenden Strecken sind unbefestigte oder geschotterte Wald- und Feldwege. Einen Achillessehnenabriss links vor 15 Jahren habe ich läuferisch nur schwer und langwierig in den Griff bekommen, die linke Wade ist verschmächtigt geblieben. Die rechte Achillessehne muckt chronisch, blieb aber mit Dehnen im Toleranzbereich. Nach einer viertägigen Wanderung mit hohen Wanderschuhen habe ich jetzt den Salat: Die rechte Achillessehne tut richtig weh. Jetzt gehe ich zum Schmerztherapeuten, der mich spritzt und nadelt und laufe langsam und mit kleinen Schritten. Wenn's weh tut, meist bei Kilometer 4 bis 5, gehe ich ein Stück, aber auch manchmal den ganzen Weg heim. Ist einem alten Sack noch Hoffnung zu machen? Mein braver Hund und ich setzen alle Hoffnung auf das Achilles-Team,
Hans
Lieber Hans,
leider erzählen Sie uns nicht, seit wann Sie die Beschwerden haben. Bei akuten Verletzungen empfehlen wir die ersten drei Tage eine Behandlung nach dem PECH-Prinzip, dass wir auf diesen Seiten bereits mehrmals vorgestellt haben. Sie erklären uns auch leider nicht, was ein Schmerztherapeut ist: Ist er ein Arzt oder ein Heilpraktiker? Lokale Spritzen sind bei akuten Verletzungen der Achillessehne nicht unbedingt erforderlich, wenn die Beschwerden chronisch sind, vermisse ich mehrere andere Anwendungen der Physiotherapie. Was Sie vor allem benötigen, ist ein schlüssiges Behandlungskonzept sowie eine klare Vorgabe, wie oft und wie lange Sie trainieren können. An der Stelle herumzudoktern wird auf Dauer nichts bringen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo
Hallo Hans,
Nachsatz von mir: Kräftige unbedingt Deine linke Wade. Lerne unbedingt, mit dem linken Bein in die volle Belastung zu gehen. Und wenn es zuerst auf der Stelle gehen ist, lerne es. Deine rechte Seite ist nun völlig überlastet und fängt gerade an, zu kapitulieren. Die musst Du ruhigstellen. Also lockerstes Gehen mit links lernen. Dazu Radfahren. Schmerzbehandlung okay. Spritzen nein. Sei klug,
Jens Karraß
Liebes Achilles-Team,
ich (45 Jahre, 1,92 Meter, 96 Kilogramm) laufe seit etwas mehr als einem Jahr 30 Kilometer in der Woche in Einheiten zwischen sechs und zwölf Kilometer. Etwa acht Monate nachdem ich angefangen hatte, bekam ich zunehmend Probleme mit den Sehnen auf der Fußsohlen-Innenseite. Per Selbstdiagnose habe ich eine Plantar Fasciitis diagnostiziert (Belastungsschmerz kurz nach dem Aufstehen, Abklingen der Schmerzen nach dem Einlaufen). Ich habe eine sechswöchige Laufpause eingelegt und vorsichtig wieder angefangen (maximal 30 Minuten; Eiskühlung direkt nach dem Laufen, Voltaren). Längere Strecken von mehr als 45 Minuten kann ich nach wie vor nur mit MBT-Schuhen laufen (grauenhafte Dinger!), völlig beschwerdefrei bin ich nie. Was kann ich tun, um die Situation systematisch zu verbessern, ohne ganz auf das Laufen zu verzichten?
Danke für Eure Hilfe, Alex
Lieber Alex,
es wäre schön, wenn die Medizin so einfach wäre, wie Sie sich das vorstellen. Ohne genau zu wissen, was die Ursache der Beschwerden ist, sind alle Empfehlungen in Bezug auf die Behandlung nur Kappes. Möglicherweise besteht ein strukturelles Problem des Fußes, dass man durch Einlagen korrigieren kann. Eventuell haben sie einen Überknochen, vielleicht trainieren Sie doch mit den falschen Schuhen. Wir müssen uns wiederholen: Beschwerden, die länger als ein paar Tage anhalten und auf die konservative Behandlung (Pause, Kompression, Kühlung) nicht ansprechen, bedürfen immer einer Abklärung durch einen Arzt.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo
Lieber Achim, lieber Doc,
nach Knieschmerzen wurde bei mir vor drei Jahren ein Patellaspitzensyndrom diagnostiziert. Nach einer längeren Laufpause hatte ich es bis vor kurzem so weit im Griff, dass ich wieder einigermaßen Sport treiben konnte (einmal eine Stunde laufen, dann zwei bis drei Tage Pause). Nun sind die Schmerzen wieder aufgetaucht. Meine Frage: Gibt es, außer gar keinen Sport zu treiben, eine Therapie, die hilft?
Vielen Dank für die Hilfe, Dirk
Lieber Dirk,
es gibt selbstverständlich eine Reihe von Therapien, die helfen. Das Repertoire geht von lokaler Kühlung bei akuten Beschwerden, Ultraschallbehandlung, Querfriktion, Entzündungsthema als Salbe, Tabletten oder in schwierigen Fällen Spritze, Physiotherapie zur Kräftigung der Patella-Sehne, Entfernung des Schleimbeutels, Bandage, Korrektur des Sehnenwinkels und andere, die ich aus Platzgründen nicht erwähnen kann. Viele Kollegen würden die Akupunktur, Homöopathie und energetische Medizin dazuzählen, wobei ich damit keine Erfahrung habe. Mein Freund Toribio (2:15 Stunden beim Marathon) hat sich nach der Empfehlung eines Heilers sogar mal von einer Biene am Knie stechen lassen (es half aber nicht). Außer für die traditionellen konservativen Behandlungen (Pause, Eis, Trainingsumstellung) brauchen Sie ein Rezept vom Arzt (oder einen Besuch beim Imker). Machen Sie deswegen bitte einen Termin mit einem Orthopäden aus.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo