Achilles' Ferse: Ran an die Paella - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Ran an die Paella

Viele Läufer plagt in den angeblich schönsten Wochen des Jahres ein Problem: Wie verbinde ich die ausgetüftelten Trainingspläne mit dem vollgepackten Urlaubsprogramm der Familie? Und wohin mit dem schlechten Gewissen nach leckerem Essen? Achim Achilles weiß Rat.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lieber Achim,
ich fahre für drei Wochen nach Spanien. Letztes Jahr, vor meinem Erstmarathon, bin ich im Urlaub frühmorgens jeden Tag, außer Sonntag, etwa elf Kilometer in zügigem Tempo gelaufen, anschließend noch 45 Minuten im Pool geschwommen. Reicht das aus, um im Marathontraining für September nicht wieder zurückzufallen? Oder empfiehlst du auch dort vielleicht einen langen Lauf? Wegen der Hitze müsste ich dann aber noch eine Stunde früher aufstehen. Über einen kompetenten Rat würde ich mich riesig freuen,
Michael

Lieber Michael,
Du wirst um einen langen Lauf nicht herumkommen. Morgens früh ist es in Spanien am schönsten. Und dann ran an die Paella.
Hasta la vista, Achim

Hallo Achim,
ich bestreite demnächst meinen ersten Marathon (Halbmarathonbestzeit 1:44,28 Stunden) und habe eine Zielzeit von 3:59,59 angepeilt, was ja einer Kilometerzeit von knapp über 5:30 entsprechen würde. Nun liegt mein entspanntes Lauftempo aktuell aber unter 5:20 Minuten pro Kilometer. Was empfehlt ihr: Soll ich auf die Bremse treten oder laufen lassen? Und beim Marathon selbst: gleichmäßiges Tempo über die ganze Strecke oder den ersten Teil langsamer als den zweiten?
Danke und beste Grüße aus Worms, Uland

Hallo Uland,
von der Geschwindigkeit her bist Du gut im Training. Hältst Du denn dieses Tempo auch bei den ganz langen Läufen? Denn dann kannst Du es beruhigt angehen. Bis zur Hälfte dabei gut fühlen. Ab da musst Du dann sicher immer mehr Konzentration und Biss aufbringen, um das Tempo bis zum Ende halten zu können. Aber genau das würde ich Dir empfehlen: Entspannt, aber im Wunschzeitbereich angehen, dann ab der Hälfte viel im mentalen Bereich investieren, um keinen Abfall zu haben. Vielleicht kannst Du sogar zwei gleichschnelle Hälften laufen.
Viel Erfolg, Jens Karraß

Lieber Uland,
Vorsicht: Selbstbetrug droht. Läufst Du im Training tatsächlich 20 Kilometer locker in 1:50 Stunden, oder 30 Kilometer in 2:45 Stunden? Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch. Wenn nicht, dann Vorsicht beim Marathon. Wenn doch, dann peile die 3:45 Stunden an.
Neidisch, Achim

Lieber Achim, sehr geehrtes Beraterteam,
mein persönlicher Triathlonsaisonstart war in Iserlohn. Das Thermometer schaffte wie üblich bei solchen Veranstaltungen den Sprung in den zweistelligen Bereich nicht ganz und zum Trost gab es noch einen Schauer. Auf dem Fahrrad habe ich die ersten drei Kilometer extrem gefroren. Ich betreibe den Sport eigentlich als Gesundheitssport. Ist ein Wettkampf bei so kalten Bedingungen noch förderlich für die Gesundheit? Alles in allem hat es wieder viel Spaß gemacht, weshalb ich nur ungern drauf verzichten würde.
Gruß von Carsten aus Schermbeck

Lieber Carsten,
Wettkämpfe, wenn man sie ernst nimmt, sind prinzipiell ungesund. Der Körper wird dabei bis zur Grenze und manchmal darüber hinaus getrieben. Dabei entstehen Blessuren, Verletzungen und Überbelastungen. Die Wettkämpfe übersteht deswegen nur derjenige, der sich gründlich darauf vorbereitet hat. Dadurch hält sich die körperliche Belastung in Grenzen. Gleichzeitig können sich gut trainierte LäuferInnen schneller und vollständiger nach einem Wettkampf erholen. Aber Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: der Spaßfaktor. Wettkämpfe haben eine wichtige Wirkung auf die Motivation und helfen, auf Dauer beim Training zu bleiben. Jedoch sind Wettkämpfe unter extremen Wetterbedingungen einfach zu viel des Guten und machen nur für ambitionierte SportlerInnen Sinn. Deswegen ist bei der Teilnahme an solchen Veranstaltungen immer gesunder Menschenverstand angesagt: wenn es Ihnen Spaß macht, machen Sie weiter so, aber ohne Übertreibung. Wenn die Teilnahme nur eine lange Qual war, lassen Sie es sein.
Mit besten Grüßen, Dr. Fernando Dimeo

Aber nicht doch Doc!
Ich glaube, dass es vor allem die Profis oft übertreiben, mit dem Training, mit dem Wetter, den Medikamenten und den Anforderungen gegen sich selbst. Wenn Carsten über das Wetter so schimpft, hat es vielleicht 90 Prozent der Teilnehmer gar nichts ausgemacht. Ein bisschen Regen auf dem Rad – oder unmenschlicher Wolkenbruch von oben, Ansichtssache. So lange sich alle weiter bewegen und kämpfen, jeder auf seinem Niveau, ist alles in Ordnung! Es gibt eben Gott sei Dank noch Triathlons, die zu wahren Prüfungen in einer Welt der Fahrstühle und Automatikwagen und Kantinenessen werden! Immer drauf!
Jens Karraß

Lieber Carsten,
wer jemals den Spreewald-Triathlon am Briesensee mitgemacht hat, der weiß, was Kälte ist. Da sind viele ausgestiegen im letzten Jahr, weil es wirklich säuisch war. Ich bin in vierlagigen Klamotten durchgekommen. War nicht schön, war nicht schnell, aber es fühlt sich sehr besonders an, etwa so wie Everest-Besteigung. Zum Glück hatte ich hinterher keine Erkältung. Aber das Risiko erscheint mir doch sehr hoch. Und das ist es wiederum nicht wert.
Hatschi, Achim