Achilles' Ferse: Scheidung vom Schweinehund - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Scheidung vom Schweinehund

Wenn der innere Schweinehund mal wieder aus seiner Hütte hervorkriecht, wissen Achim und sein Team, was zu tun ist. Und auch sonst hat das Trio für jede Lebenslage einen guten Rat: Scheidung, Mord - für die Bestzeit sollte man nichts unversucht lassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ich bin Laufnovize und trainiere seit sechs Monaten ziemlich strikt nach Steffny für mein Marathon-Debüt im Oktober in Frankfurt am Main. Pünktlich zum Trainingsbergfest kam jetzt das große Motivationsloch, in das ich immer tiefer hineinrutsche. Meine Frage: Wie komme ich besser da raus? a) Einfach mal zwei Wochen pausieren und dann mit Lust und Laune weitermachen oder b) den inneren Schweinehund um jeden Preis überwinden, um ihn schon mal ans Marathon-Gassi-Gehen im Oktober zu gewöhnen? Bitte sag ja!
Jan

Ja.
Achim

Hallo Jan,
wenn Sie jetzt sechs Monate fleißig waren, und der Herbert hat Ihnen bestimmt gute Sachen aufgegeben, dann können Sie jetzt eine Pause einlegen. Machen Sie ruhig die zwei Wochen Pause, aber in der zweiten Woche etwas Radfahren einbauen, damit Sie Ihre gute Herz-Kreislauf-Verfassung nicht schmälern. Wäre ja schade drum. Machen Sie dann Ausdauersachen mit Beinschonung und als Abwechslung für den Kopf. Dann kommen Lust und Motivation schnell wieder.
Viel Erfolg weiterhin, Jens Karraß

Hallo Achim,
ich laufe bald meinen ersten Halbmarathon. Ich bin nun schon länger im Lauftraining und ernähre mich durchweg ausgewogen (Fleisch, Nudeln etc.), verzichte aber auch nicht auf Kaffee und Rotwein. Meine Frau hat mich nun überredet, ab heute für eine Woche Basenfasten mitzumachen. Ich darf nur basenhaltige Speisen (Rohkost, gedämpftes Gemüse und pflanzliche Fette) essen. Unterstützt wird das Ganze von Schüsslersalzen und Glaubersalzanwendungen. Eine Nahrungsmittelreduktion findet nicht statt. Das Ganze wird als Frischzellenkur mit anschließender Vitalität verkauft. Ist es sinnvoll, seinen Körper vier Wochen vor einem Halbmarathon einer solchen Kur zu unterziehen, oder schwäche ich mich damit nur?
Danke, Wolfgang

Lieber Wolfgang,
wenn Sie den Durchfall und die Blähungen überstanden haben, empfehle ich Ihnen die Scheidung. Ein Mord käme nur in Frage, wenn Ihre Frau darauf pocht, dass Sie einen solchen Quatsch länger als eine Woche mitmachen müssen. Der Fraß im Knast ist gewiss gesünder.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Wolfgang,
der Argentinier ist ja bekanntlich etwas hitzig. Dies war also keine Aufforderung zu einer Gewalttat, sondern allenfalls eine Anregung.
Gruß auch von Mona, Achim

Lieber Wolfgang,
kommt darauf an, was bei Ihrem Halbmarathon auf dem Spiel steht? Deutsche Meisterschaft, Bestzeit, Wette mit Kumpels, Lieblingsgegner plattmachen? Wenn es ein mittlerer Spaß sein soll, spricht nichts gegen das Erlebnis, mal eine Woche was anderes auszuprobieren. Das Leben ist zu kurz, um nicht offen für Neues zu sein. Schaden wird es Ihnen nicht.
Viel Spaß dabei, Jens Karraß

Liebes Achilles-Team,
mich treibt folgende physiologische Frage um: Was unterscheidet einen untrainierten von einem trainierten Läufer? Läuft man durch Training effizienter, oder hat man einen leistungsfähigeren Motor?
These eins: Wenn man die Laufeffizienz durch Training steigern kann, bedeutet das, dass man im selben Pulsbereich - bei höherem Tempo - gleich viel Energie, sprich Kalorien, verbraucht.
These zwei: Trainiert man sich einen leistungsfähigeren Motor an, so würde man bei höherem Tempo mehr Kalorien verbrauchen.
Angenommen, zwei Läufer, einer untrainiert, einer trainiert (sonst alle Eigenschaften der Läufer gleich), laufen jeweils eine Stunde im Grundlagenbereich, die Kilometerleistung ist natürlich unterschiedlich: bei These eins (Effizienz): Beide verbrauchen rund 600 Kalorien. Bei These zwei: (Motor): Läufer eins verbraucht zum Beispiel 500 Kalorien, Läufer zwei zum Beispiel 900 Kalorien. Wie ist des Rätsels Lösung?
Herzliche Grüße, Michael

Lieber Michael,
Sie berücksichtigen nur einen Teil der Gleichung. Die Leistungsfähigkeit besteht aus viel mehr als nur dem Kalorienverbrauch. Ausschlaggebend ist die Fähigkeit, die gleiche Menge an Energie in einer kürzeren Zeit bereitzustellen. Dies ermöglicht mehrere Muskelkontraktionen pro Zeiteinheit. Auf Deutsch: Man bewegt Beine und Arme schneller, das Schritttempo wird höher. Der Kalorienverbrauch hängt fast nur von Körpergewicht und Strecke ab. Die beiden Läufer in Ihrem Beispiel laufen eine unterschiedliche Strecke. Läufer 1 verbraucht deswegen mehr Kalorien als Läufer 2. Aber nur hypothetisch, denn er hat eine bessere Koordination und läuft deswegen effektiver. Die Antwort auf Ihre Frage lautet deswegen: sowohl einen besseren Motor als auch eine höhere Effizienz.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Michael,
zwei Leute – zwei Meinungen. Ein fitterer Läufer kann in einer Stunde definitiv mehr Kalorien verbrennen, weil er in der Lage ist, 60 Minuten konstant hohe Leistung zu bringen (Wattzahl beim Radergometer zum Beispiel). Abnehmen funktioniert nur über ein hohes Leistungsvermögen. Für den Laufsport bedeutet das ein hohes koordinatives und muskuläres sowie Herz-Kreislauf-Niveau. Anderes Beispiel: Bergarbeiter verbrannten mit ihrer Spitzhacke unendlich viele Kalorien. Ein Arbeitstag kam locker einer Pyrenäen-Etappe bei der Tour gleich. Wer hat mehr Energie dabei verbrannt: Der, der 20 Kiepen in sechs Stunden gefüllt hat, oder der, der 40 voll gemacht hat?
Viele Grüße, Jens Karraß

Lieber Klemmbrett,
das wüsste ich auch gern.
Kalorienhaltig, Achim