Achilles' Ferse Schock auf der Waage
Personenwaage: Gewichtsstillstand nach anfänglichem Abnehm-Erfolg
Foto: A3528 Armin Weigel/ dpa
Liebe Frau Dr. Gola,
ich habe vor ein paar Wochen 108,3 Kilogramm auf die Waage gebracht und war so erschrocken, dass ich kurz darauf mit der Ernährungsumstellung nach Weight Watchers begonnen habe. Ich laufe auch regelmäßig, etwa 30 bis 50 Minuten, und mache etwas Krafttraining, um meine sehr schlaffen Muskeln aufzubauen. Zunächst lief auch alles gut, ich habe drei Kilogramm abgenommen. Seit über 14 Tagen nehme ich gar nichts mehr ab und bin verzweifelt. Was mache ich nur falsch? Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Weight Watchers gemacht und sogar 18 Kilogramm dabei verloren. Auch zu dieser Zeit bin ich regelmäßig gelaufen. Ich bin 170 Zentimeter groß und 33 Jahre alt. Mein heutiges Gewicht: 105,9 Kilogramm. Ich hoffe, Sie können mir helfen und wissen einen Rat.
Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße, Stefanie
Hallo Stefanie,
Weight Watchers hin oder her, versuche es doch mal mit
diesen Lebensmitteln . Manche schmecken sogar. Und noch was: 30 bis 50 Minuten sind nicht wirklich viel, um richtig abzunehmen.
Hier kannst du ausrechnen , wie viel Kilogramm du von einer guten Laufzeit entfernt bist.
Gruß, Achim
Hallo Stefanie,
für den Gewichtsstillstand nach den anfänglich optimistischen drei Kilogramm kann man mehrere Erklärungen heranziehen: Da Sie offenbar vorher nicht trainiert und etwas weniger gegessen haben, kann es durchaus sein, dass Sie bei gleichzeitiger Fettreduktion Muskeln aufgebaut haben. Diesen "Austausch der Masse" zeigt die Waage natürlich nicht an. Ich empfehle Ihnen, zum Abnehmen eher die Taille zu messen, denn eine Reduktion an Körperfett lässt sich dort fast immer gut nachvollziehen. Dann sind Sie nicht so auf die Waage fixiert. Eine andere Erklärung ist etwas simpler: Es könnte nämlich sein, dass Sie nach der anfänglichen Energiereduktion doch wieder unbewusst dem normal üblichen Maß an Kalorien verfallen sind. Eine weitere Erklärung könnte auch sein, dass Sie sehr wenig essen und ihr Stoffwechsel deswegen erst mal mauert. Mein Vorschlag: Checken Sie noch mal die Mengen durch, die Sie sich bei Weight Watchers gönnen - ist es zu wenig oder nicht? Haben Sie auch noch etwas Geduld und machen Sie weiter, denn der anfängliche Muskelaufbau geht ja nicht unendlich weiter, und die Fettreduktion tritt bei regelmäßigem Training dann auch zuverlässig ein.
Viel Erfolg wünscht Dr. Ute Gola
Hallo Achim,
ich würde gern meine Ernährungsgewohnheiten umstellen, aber mir fehlt dazu der richtige Plan. Ich bin 50 Jahre alt, 180 Zentimeter groß, schlank (60 Kilogramm) und habe vor rund sechs Jahren mit dem Laufen angefangen. Meine Marathon-Zielzeit liegt um die 3:00 Stunden. Was das Essen betrifft, mache ich wahrscheinlich alles falsch. Ich trinke jeden Abend meine zwei Bier (auch vor Marathonläufen), esse mittags gar nichts und haue mir Abends Chips und Pommes rein. Obst und Gemüse Fehlanzeige. Nudeln, Reis, Müsli nur im äußersten Notfall. Ich weiß, das ist alles total ungesund. Gibt es vielleicht ein paar Tipps, um ansatzweise etwas gesünder zu leben?
Vielen Dank für eine Antwort, Uwe
Lieber Uwe,
bei deinem Alter und deiner Größe und deinem Gewicht und deinen Lebensgewohnheiten und deiner Marathon-Zeit hier nur ein einziger Tipp: auf gar keinen Fall irgendwas ändern. Du bist der glücklichste Mensch der Welt - Du weißt es nur nicht.
Neidisch, Achim
Hallo Uwe,
super, dass du regelmäßig trainierst und dich um deine Gesundheit sorgst. Wer regelmäßig viel trainiert und so wie du Marathon läuft, der braucht nicht nur viele Kalorien, sondern vor allem auch ausreichend
Vitamine und Mineralstoffe . Und die sind in deiner Ernährung wahrscheinlich nicht ausreichend enthalten. Versuch doch mal zum Frühstück einen Frühstücksdrink, den du dir schnell selbst machen kannst. Dazu brauchst du Milch, Joghurt, Haferflocken und etwas frisches Obst, zum Beispiel eine Banane oder Erdbeeren. Alles mit dem Pürierstab oder im Mixer zerkleinern und mit Honig süßen. Fertig ist ein schnelles Frühstück. Oder versuch doch mal Vollkornbrot zu toasten, in Streifen zu schneiden und dann mit Kräuterquark zu essen. Der schmeckt auch super zu Paprikastreifen oder grüner Gurke. Um den Körper gut mit allen Nährstoffen zu versorgen, ist es wichtig, regelmäßig zu essen. Vielleicht gibt es in deiner Nähe ja eine Suppenbar, wo du mittags verschiedene Suppen probieren kannst. Aber auch Gerichte vom Asiaten sind ganz gut geeignet.
Viel Spaß beim Ausprobieren, Dr. Ute Gola
Sehr geehrte Frau Dr. Gola,
ich laufe nun seit etwa zwei Monaten und lege im Training Distanzen zwischen fünf und zehn Kilometern zurück. Für zehn Kilometer brauche ich im Durchschnitt 58 Minuten. Das Problem, was ich in letzter Zeit verstärkt hatte, ist der "Hungerast". Ich merke nach etwa 20 bis 25 Minuten Laufen, dass mir etwas flau im Magen wird. Wenn ich dann weiterlaufe, weitet sich das in eine Unterzuckerung mit Kaltschweiß, Zittern und leichtem Schwindel aus. Nach dem Ende des Laufs nehme ich dann etwas Nahrung zu mir und es geht mir meist innerhalb weniger Minuten wieder gut. Ich habe schon verschiedene Strategien der Nahrungsaufnahme ausprobiert, zum Beispiel ein paar Stunden vor dem Lauf eine kohlenhydratreiche Mahlzeit wie Nudeln. Auch eine Banane oder ein Schokoriegel vor dem Training halfen nicht. Eine kürzlich durchgeführte Blutuntersuchung zeigte keine Auffälligkeiten. Ansonsten ernähre ich mich normal. Scheinbar habe ich aber die Veranlagung, nicht zuzunehmen. Ich kann auch große Mengen an Kalorien zu mir nehmen, ohne dass ein Effekt auf der Waage zu sehen ist (meine Schilddrüse ist in Ordnung). Ich bin 189 Zentimeter groß und wiege 80 Kilogramm. Ich frage mich, ob es ihrer Erfahrung nach Menschen gibt, die einen Hang zur Unterzuckerung haben oder was noch dahinter stecken könnte, beziehungsweise wie man durch gezielte Ernährung dagegen vorgehen kann.
Vielen Dank, mit freundlichem Gruß, Markus
Hallo Markus,
Sie scheinen einen sehr aktiven Stoffwechsel zu haben. Ihr Körper verbrennt die ihm zugedachten Kalorien offenbar sehr schnell. Leider schreiben Sie nicht, wie häufig Sie laufen und wie viele Kohlenhydrate sie normalerweise täglich nicht nur vor dem Laufen essen. Eventuell empfinden sie die Menge zwar als groß, doch sie brauchen vielleicht mehr. Ohne Training können sie bei ihrer Größe und ihrem Gewicht über den Daumen gepeilt ungefähr 250 Gramm Kohlenhydrate täglich einplanen, mit Training erhöht sich der Bedarf noch. Zwei Scheiben Brot enthalten etwa 40 Gramm Kohlenhydrate, eine Banane ungefähr 20 Gramm. Da kommt also einiges zusammen. Um größere Glykogenreserven für lange Belastungen anzulegen, muss die entsprechende Kohlenhydratzufuhr auch regelmäßig erfolgen, nur vor dem Lauf reicht nicht aus. Die Idee, Banane oder Riegel vor dem Training zu essen, finde ich gut, probieren Sie doch mal beides zusammen. Trinken Sie ausreichend? Schlafen Sie genug? Vielleicht wäre es sinnvoll, nicht nur die Kohlenhydrate zu erhöhen, sondern auch die Trainingsintensität erst mal zu reduzieren (weniger, aber öfter) und dann langsam wieder zu steigern. Unter einem "Hungerast" zu laufen, schadet mehr als es nutzt. Wenn das Unterzuckerungsgefühl bleibt, würde ich mich mit meinem Arzt über weitere Diagnostik abstimmen.
Viele Grüße, Dr. Ute Gola