Achilles' Ferse: Schöner laufen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Achilles' Ferse Schöner laufen

Beim Laufen kommt es vor allem darauf an, etwas für die Gesundheit zu tun. Das denken jedenfalls die meisten. Sie irren sich. Wichtig ist vor allem, toll auszusehen. Unser Achim, Charité-Arzt Dimeo und Coach Karraß führen über die Styling-Strecke.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sehr geehrter Achim Achilles,
seit einiger Zeit laufe ich regelmäßig mit meiner Laufgruppe. Es macht mir viel Spaß und befreit mich von meinem Alltag. Nur jedes Mal, wenn ich eine neue Laufhose kaufe, stelle ich mir die Frage, was für Unterwäsche zieht man drunter. Welche Boxershorts zum Beispiel, die den ablaufenden Schweiß vom Rücken absorbieren und gleichzeitig durch die Hose herauslassen, oder auch weiter schwerwiegende Probleme. Perfekte Shorts habe ich noch nicht gefunden, aber vielleicht könnten Sie mir ja behilflich sein und ein paar kleine Tipps geben, damit die Suche nach den perfekten Shorts endlich aufhört?
Danke, René

Hey René,
unter kurze Laufhosen kommt keine Unterhose, die ist als Innenslip schon eingesetzt. Vielleicht erklärt das schon Deine vermehrte Schweißbildung. Bei langen Laufhosen wählst Du einen bequemen (und trotzdem sehr kleinen) Slip, der dann in empfindsamen Körperregionen die winterlichen Temperaturen angenehm gestaltet. Die Suche nach den perfekten Shorts sollte in jedem guten Laufgeschäft nicht länger als fünf Minuten dauern und danach endgültig Deiner Vergangenheit angehören.
Good Buy, Jens Karraß

René, alter Genießer.
Klemmbrett hat Recht: Let him swing. Mit Boxershorts unter der Laufhose raspelst Du Dir garantiert sehr unschöne blutunterlaufene Muster ins Schenkelfleisch, am sichersten mit den Polyacrylbeuteln von H&M. Da kannst Du auch gleich die Schafwollene nehmen, die kratzt noch schön dazu und Du denkst kaum noch ans Laufen.
Viel Spaß bei der breitbeinigen vierwöchigen Laufpause, Achim

Lieber Achim,
ich gehöre zu den über 40-jährigen Jecken, die täglich laufen. Vernünftigerweise besitze ich daher drei Paar Laufschuhe, die in der Regel 10 bis 12 Monate halten. Nun steht mal wieder ein neues Paar an. Da lese ich in dem vermeintlichen Läuferfachblatt "motion", es sei eine von der Schuhindustrie verbreitete Legende, dass man Laufschuhe nach einer gewissen Anzahl von Kilometern in die Tonne kloppen soll. Man könne die Schlappen vielmehr bedenkenlos tragen, bis sie entweder schief getreten oder abgenutzt sind. Da Laufschuhe ja ein kleines Vermögen kosten, wüsste ich jetzt gerne, ob ich die meinigen noch ein Jahr tragen kann ohne meine Knie zu Brei zu laufen?
Grüße aus Darmstadt von Oliver

Lieber Oliver,
wir haben das Thema auf diesen Seiten schon mehrfach kommentiert. Nach Angaben der Hersteller halten die besten Laufschuhe nicht mehr als 1000 Kilometer aus. Ein Trainingsprogramm von dreimal pro Woche 8 Kilometern bedeutet deswegen das Aus für alle drei Paar nach maximal zweieinhalb Jahren. Was nicht heißt, dass es nicht auch anders geht. Früher pflegte ich die Außensohle meiner Lieblingsschuhe mit einem Stück Gummi aus Autoreifen zu ersetzen, so dass ich sie länger als ein Jahr tragen konnte (wohl gemerkt, bei einem Trainingsumfang von 150 Kilometern pro Woche). Ich war zu dem Zeitpunkt etwa 20 Jahre alt, wog unter 60 Kilogramm und war so gut wie nie verletzt. Für ältere oder schwerere Menschen ist der zusätzliche Schutz durch die Mittelsohle eher wichtig, um Überbelastungen zu vermeiden. Sie sollten deswegen spätestens neue Schuhe kaufen, wenn die Mittelsohle auseinander bricht.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Oliver,entweder ich sehe Gespenster oder die Sportartikel-Industrie verwendet wirklich viel Energie darauf, Sohlen zu entwickeln, die nach dreimaligem Tragen völlig abgeranzt aussehen und bei jedem Daumendruck besorgniserregend nachgeben. Ich höre, mag es auch unvernünftig sein, auf meine Beine. Wenn ein lange bewährter Schuh plötzlich Schmerzen verursacht, ist es Zeit Abschied zu nehmen - immer wieder ein Schicksalsschlag.
In tiefer Dauertrauer, Achim

Lieber Achim,mein Hauptproblem sind Steinchen im Schuh. Kiesbestreute Wege - wie jetzt neuerdings immer mehr im Berliner Tiergarten - sind mir ein Graus, denn bereits nach wenigen Metern trage ich Tonnen des teuren Granulats in meinen Schuhen. Im Wald geht gleich gar nichts, wegen Nadeln oder Ähnlichem. Selbst auf blank gefegten Asphaltstrecken nehme ich mit Sicherheit das einzige Steinchen weit und breit in meine Laufschuhe auf. Sind Gummi- oder Reitstiefel die Lösung? Oder produzieren meine Füße womöglich diese Steinchen ganz von selbst, in der Hoffnung, ihr Martyrium damit abkürzen zu können? Ich bitte um Ratschläge, Andreas

Lieber Andreas,
das ist in der Tat eine steinige Angelegenheit. Nur zu gut, dass Sie nicht über Kuhweiden laufen. Es könnte daran liegen, dass Ihre gewählten Schuhe zu groß um den Spann herum sind, so dass sich bei jedem Schritt eine relativ große Öffnung ergibt. Zwei Arten der Abhilfe: Enger schnüren oder enger kaufen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie das in den Griff bekommen und warne vorsorglich schon mal vor Bananenschalen.
Viel Glück, Jens Karraß

Lieber Andreas,
mit diesen weißen Bändern, die bei Dir wohl links und rechts herabhängen und die man "S-c-h-n-ü-r-s-e-n-k-e-l" nennt, kann man die Schuhe sehr gut verschließen. Deine Mutti zeigt Dir bestimmt, wie man einen Doppelknoten macht. Ansonsten: Bücken und Steinchen rauspulen, aber mit durchgedrückten Knien. Und schon hast Du auch das Stretchen erledigt. Mitfühlend, Achim