Achilles' Ferse: Sündige Toskana - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Sündige Toskana

Haben Sie Ihren Urlaub gut überstanden? Vielleicht sogar zu gut? Kennen wir alles. Das Laufen will nicht so recht klappen, die Hosen passten auch schon besser. Wie gut, dass es Achim Achilles und seine Mitstreiter gibt. Die sensiblen Schleifer machen Sie wieder fit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Läufer beim Training: Systematischer Aufbau notwendig

Läufer beim Training: Systematischer Aufbau notwendig

Foto: DPA

Hallo Achim,
ein Fahrradsturz beendete für mich die gemeinsame Radtour mit Freunden. Ergebnis dieses Sturzes war ein zweifacher Schlüsselbeinbruch, der mit Rucksackverband stabilisiert wurde. Inzwischen ist der Verband wieder ab. Die Schulter schmerzt noch ein wenig. Kann ich den Berlin-Marathon jetzt abschreiben? Davor habe ich gut trainiert und mehrere Läufe über 25 Kilometer absolviert.
Danke für den Rat, Steffen


Lieber Steffen,
für mich besteht der Reiz des Marathons nicht darin, irgendwie anzukommen, sondern erschöpft, aber weder verletzt oder auf allen Vieren über die Ziellinie. Für ein vernünftiges Marathon-Training bleiben Ihnen nur noch drei bis vier Wochen. Deswegen hängt die Teilnahme stark davon ab, wie lange Sie mit dem Lauftraining pausieren mussten, seit wann Sie wieder trainieren und ob Sie im Moment im Stande sind, länger als 25 Kilometer ohne Pause zu laufen. Wenn Sie in der Vorbereitung eine gute Grundlagenausdauer entwickelt hatten, in den kommenden vier Wochen das Training wieder aufnehmen können und ohne große Probleme fortsetzen und ihre Ansprüche am Marathontag nicht zu hoch stecken, ist eine Teilnahme wohl möglich. Aber in diesem Fall sollten Sie den Marathon nur als Erlebnis und nicht als Wettkampf gegen sich selbst nehmen: Erwarten Sie bloß keine Bestzeit.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Steffen,
am 5. November ist der Wuhlheide-Marathon  eh viel sympathischer als die freudlose Massenabfertigung vom Berlin-Marathon. Und sechs Wochen mehr zur Vorbereitung. Vielleicht sehen wir uns, ich will in einer Samba-Band anheuern.
Besten Gruß, Achim

Lieber Achim,
ich, 44 Jahre alt, 1,95 Meter groß und wiege 100 Kilogramm, laufe seit vielen Jahren mehr oder minder regelmäßig und ohne besonderen Ehrgeiz. Angeregt von Beiträgen in "Achilles' Verse" habe ich seit April die Strecke erhöht und bin zwischen 1:15 und 1:30 Stunden gelaufen, bei sonst gleichem Tempo, gleicher Herzfrequenz. Vor allem dachte ich mir, ich sei konditionsmäßig ganz gut gerüstet für einen zweiwöchigen Toskana-Urlaub, bei dem zugegebenermaßen von Anfang an klar war, dass dort wenig gelaufen, dafür viel geschlemmt werden würde. So geschah es auch. Ich bekenne, es hat Spaß gemacht. Jawohl, eine substanzielle Menge italienischen Rotweins wurde auch entsorgt. Jeden Abend. Gestern also war ich das erste Mal wieder Laufen. Ich frage mich, und auch Dich: Kann es wirklich sein, dass eine dreiwöchige Trainingspause, erschwert durch gutes Leben, ein derartiges Desaster in der Grundkondition auslösen kann? Ich kam mir vor wie ein Wal, habe kaum 35 Minuten durchgehalten, bei sehr reduziertem Tempo natürlich. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe im Urlaub nicht viel zugelegt, vielleicht ein Kilogramm, aber nicht mehr. Ist das gerecht? Kann das überhaupt sein?
Dein Wolfram

Lieber Wolfram,
das erste Mal nach einem faulen Urlaub tut immer weh. Wenn es beim dritten und vierten Mal nicht besser geworden ist, dann solltest Du Deine Ess- und Trinkgewohnheiten umstellen. Ich persönlich ruiniere meine Form am effektivsten mit einer Woche Dauerzechen. Für den nächsten Urlaub würde ich empfehlen, dass Du jeden zweiten Tag ein paar Kilometer läufst. Die kleinen Straßen durch die Weinberge sind ideales Terrain für Bergläufe. Und die Schlemmerei die Belohnung. Und jetzt ab in den Wald mit Dir.
Besten Gruß, Achim

Lieber Achim,
wie würdest Du eine Trainingswoche gestalten? Wie machen es die Profis?
Gruß, Marijo

Hi Marijo,
Be- und Entlastung müssen sich ergänzen. Ein Reiz in Anstrengung, einer in Erholung. Dazu den systematischen Aufbau der Grundlagenausdauer. Schon ist das Grundgerüst fertig. Nun ist jeder Mensch verschieden und dieselbe Person im April 2006 anders in Form als im November. Ein guter Plan passt sich ständig der momentanen Verfassung des Sportlers an. Die Belastungsreize müssen vorhanden, dürfen aber nicht zu scharf sein. Zu wenig kommt gleich nach Auf-der-Couch-sitzen, zu viel reißt die Fitness ein. Es ist sehr wichtig, mit Verstand und Information an den Plan des individuellen Lauftrainings zu gehen. Also jeden zweiten Tag 30 bis 45 Minuten im gleichen Tempo, davon zweimal zum Lauftreff, um das zu laufen was die anderen machen – schon bist Du im Mittelfeld angekommen. Nicht, dass das Mittelfeld nicht gesund wäre, aber richtiges Laufen zu erleben, ist dabei schwierig. Die Laufbelastungen zu erbringen, die Dich schneller und (wirklich) glücklicher machen, bekommst Du nur mit ganz eigenem, auf Dich speziell geschnittenem Programm hin.
Sportsgrüße, Jens Karraß

Liebe Achilles-Leser,
Doc Dimeo, ein Muster an Zuverlässigkeit, ist tief zerknirscht. Er hat am vergangenen Mittwoch "Kreatin" und "Karnithin" verwechselt. Viele aufmerksame Leser haben es gemerkt; die anderen werden sich jetzt womöglich über rätselhafte, aber harmlose Körpervorgänge wundern, wenn sie das Zeug eimerweise futtern. Doc Dimeo legt Wert auf die Feststellung, dass die Verwechslung immerhin zeigt, wie wenig Wert er auf die ganzen Pulver legt. Alsbald gibt es einen Sonderteil Kreatin und Karnithin, um alle Missverständnissse aufzuklären.
Sorry, wir geloben Besserung, Achim