Achilles' Ferse Total von den Socken
Läuferinnen (in Moskau): Richtiges Tempo entscheidend
Foto: AFP
Lieber Achim,
ich bin eine eher gemäßigte Läuferin (ein- bis zweimal pro Woche eine Dreiviertelstunde), plage mich aber mit einem unangenehmen Problem. Jedes Mal bekomme ich Blasen an den Füßen. Und zwar zwischen den Zehen, manchmal auch an der Seite des Ballens. In einem Laden für Laufschuhe hat man mir zu speziellen Socken geraten, die weniger reiben. Das hat aber leider nicht geholfen. Was kann ich tun?
Dankbar für Hilfe, Nina
Hallo Nina,
Schuhgröße gewissenhaft prüfen, nicht zu eng tragen, aber eben auch nicht zu weit! Des Weiteren auf kurz geschnittene Fußnägel achten. Was eine Blase nun eigentlich ist, weiß Doc Dimeo.
Besten Gruß, Jens Karraß
Liebe Nina,
die Blasen entstehen aufgrund eines Reibens der Haut gegen den Schuh oder den Strumpf. Die Haut besteht aus mehreren Schichten. Bei starkem Reiben lösen sich zwei dieser Schichten voneinander, im entstandenen Zwischenraum sammelt sich Flüssigkeit, die aus den verletzten Geweben stammt. Bei sehr starkem oder lang anhaltendem Reiben werden auch kleine Blutgefäße verletzt, so dass Blut in die Blasenflüssigkeit gelangen kann (die so genannten Blutblasen). Es gibt eine Reihe von Rezepten, um Blasen zu vermeiden: spezielle Socken (wie Ihnen empfohlen wurde), Talkumpuder oder Vaseline. Aber in Ihrem Fall würde ich etwas Anderes versuchen. Eine zu starke Belastung führt immer zu einer Überforderung. Bei einigen Menschen ist es die Wade, bei anderen die Hüfte, im Ihrem Fall ist die Haut. Versuchen Sie deswegen, anstatt einmal pro Woche 45 Minuten am Stück häufiger und dafür kürzer zu trainieren, etwa wöchentlich dreimal 25 Minuten. Dadurch wird die Belastung für die Haut deutlich geringer und Sie werden dieser Zeit geben, eine Verdickung zu entwickeln, die gegen weitere Blasen schützen wird.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo
Liebe Nina,
an mir, dem Laien, bleibt es mal wieder hängen, ein wirklich unangenehmes Thema aufzuwerfen, dass der Läufer gern ignoriert: Fußpilz. Machen wir uns nichts vor, im deutschen Zehenzwischenraum wuchert der kleine Schlingel, und zwar nicht zu knapp. Sonst würden die Apotheken nicht schaufensterweise für Gegenmittel werben. Vielleicht sind das also gar keine Belastungsblasen, die dich da quälen, sondern ein Champignonus marathonensis vulgaris, wie wir Humanisten sagen. Die gute Nachricht: Ist nicht gefährlich. Die schlechte: Wenn Du Pech hast, dauert es ewig, das Mistding zu vernichten. Er siedelt nämlich gern in der Socke und soll angeblich auch Hitzeattacken oder Schleuderrunden in der Waschmaschine überleben.
Mach ihn fertig, Achim!
Hallo Achim,
meine Lebensgefährtin hat ein Problem: Wenn sie locker läuft (fünf bis zehn Kilometer), fühlt sie sich anschließend nicht gelöst und besser, sondern hat Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufprobleme. Eine Untersuchung beim Arzt blieb ergebnislos. Er riet, vorher und nachher mehr zu trinken; außerdem soll sie vor dem Lauf Maltodextrin trinken (was sie auch macht, hilft aber nicht). Meine Lebensgefährtin ist schlank und hat laut Arzt keine körperlich auffälligen Symptome. Hast du einen Reim auf dieses Problem? Kann Stress eine Ursache sein?
Danke für eine Einschätzung, Karsten
Lieber Karsten,
bitte macht einen Tempotest: Beginnt am Tag 1 mit (nicht lachen!) Walken. Kopfschmerzen danach? Sicher nein, geht ja auch nicht, die Belastung kommt ja auch gleich nach Liegen. Tag 2 flottes Gehen. Kopfschmerzen? Tag 3 ganz easy auf der Stelle joggen. Und so weiter. Auf diese Art findet ihr das richtige Tempo heraus, denn ich bin mir sicher, dass es daran liegt.
Viele Grüße (bis zu acht Kilometer pro Stunde), Jens Karraß
Lieber Karsten,
Stress kann eine Ursache von fast allem sein, aber eine solche Erklärung hilft Ihrer Lebensgefährtin sicherlich nicht weiter. Um eine Lösung vorzuschlagen, muss man zuerst die genaue Ursache der Beschwerden herausfinden. Wenn sie nicht offensichtlich ist, etwa eine hormonelle Störung oder eine kardiale Erkrankung, ist der beste Weg dafür ein Belastungstest, bei dem man die Verhältnisse zwischen Blutdruck, Herzfrequenz und eventuell Blutzucker evaluieren kann. Diese Frage kann logischerweise nur bei einer ärztlichen Konsultation geklärt werden.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. med. Fernando Dimeo
Lieber Karsten,
wenn wir mal davon absehen, dass Partnerinnen generell zum Schwächeln neigen, dann glaube ich an ein, medizinisch wahrscheinlich unbewiesenes Phänomen, das ich "Läufer-Migräne" nennen würde. Tatsächlich melden sich immer mal wieder Leute, denen es beim Laufen und danach einfach nicht gut geht, meist sind es Kopfschmerzen. Ich würde aus der Ferne eine Verspannung in Nacken, Schultern oder Rücken diagnostizieren, vielleicht von zu langem, falschen Sitzen am Schreibtisch oder sonst woher. Kann gut sein, dass das Laufen diese Verspannung nicht löst, sondern noch verstärkt. Also: jede Menge Lockerungsübungen vor und nachher. Muss ja nicht immer im Wald sein.
Viel Spaß, Achim
Hallo Achim,
ich möchte am 15. Oktober meinen fünften Marathon in möglichst 3:45 Stunden zu laufen. Das Training lief bisher gut, so dass ich vier lange Läufe zwischen 30 und 33 Kilometer mit einem Tempo von sechs Minuten pro Kilometer zusammenbekommen habe. Aufgrund von privaten Verpflichtungen werde ich außer einem Halbmarathon am 24. September keine längeren Läufe mehr schaffen. Ich werde in der Woche wie bisher drei- bis viermal viermal trainieren, aber maximal anderthalb Stunden pro Einheit Zeit haben. Wie sollte ich diese Einheiten am sinnvollsten gestalten? Kann ich die erarbeitete Ausdauer auch ohne lange Läufe über die verbleibenden viereinhalb Wochen retten?
Viele Grüße, Thomas
Hallo Thomas,
Marathon soll Spaß machen! Und das Training davor auch. Eine Stresssituation ist dem abträglich. Das gilt es zu verhindern. Gib zuerst deine Zeitvorstellung auf. Der Monat vor dem Marathon lässt dir einfach nicht die Zeit, ihn gut vorzubereiten. Deine langen Läufe waren jedoch ganz in Ordnung. Nun gilt es, mindestens viermal in der Woche zu laufen, um die Form einigermaßen zu halten. Verteile diese vier Einheiten folgendermaßen:
1) intensiver Tag - zwei bis vier Kilometer Wiederholungen mit 20 bis 30 Sekunden unter Marathonzielzeit, also bei dir zwischen 4:50 und 5:00 Minuten pro Kilometer,
2) nach einem Ruhetag anderthalb Stunden in 5:30 Minuten pro Kilometer,
3) nach einem Ruhetag die erste Stunde in 5:10 Minuten pro Kilometer, die letzte halbe Stunde schneller werden (das ist eine intensivere Laufgestaltung, darf anstrengen!),
4) direkt am nächsten Tag anderthalb Stunden in 5:30 Minuten pro Kilometer.
Das sollte dich auf Trab halten, wobei du schon noch bedenken musst, dass du für eine 3:45 Stunden im Marathon durchschnittlich 5:20 Minuten auf jedem Kilometer laufen musst.
Alles Gute, Jens Karraß
Lieber Thomas,
ich muss dem Klemmbrett widersprechen: Marathon macht keinen Spaß.
Halbmarathonist Achim
P.S.: Mein Volkslauf-Tipp der Woche ist der Schorfheide-Lauf am kommenden Sonntag (17. September).