Achilles' Ferse Vorsicht, wenn es heiß wird
Lieber Dr. Dimeo,
liebe Sportfreunde,
mein Bruder (42 Jahre alt, guter Marathonläufer, Bestzeit 3:11 Stunden) ist Mitte Juni während eines Rennens (zehn Kilometer) kurz vor dem Ziel zusammengebrochen und hat sich ein mittelschweres Schädelhirntrauma (Orbital- und Kalottenfraktur, Hirnrindenblutungen) zugezogen. Zum Glück hat er alles gut überstanden, ohne neurologische Schäden. Er hat aber einen leichten Tinnitus. Die Ursache für diese plötzliche Bewusstlosigkeit und den Sturz bleibt unklar; er war gut trainiert, nicht unterzuckert, gut hydriert, keine kardiologischen Erkrankungen. Da er ein Laufsüchtiger ist, hat er nach nur drei Wochen Pause wieder mit dem Laufen begonnen - angeblich nur ganz locker (jeden Tag und jetzt schon über 15 Kilometer). Und er spekuliert darauf, im Oktober einen Marathon zu laufen. Ich bin selber Ärztin und passionierte Marathonläuferin, aber ich finde, er sollte sich noch schonen. Ich bitte Euch, ihn zu stoppen! Auf mich will er nicht hören und ich weiß, er liest Eure Kolumne mit Begeisterung (ich auch!).
Vielen Dank und herzliche Grüße, eine besorgte Schwester (Jacqueline)
Liebe Frau Kollegin,
ich kann Ihre Sorgen gut verstehen, aber bei Ihrem Bruder konnte man keine Ursache der Synkope (Bewusstseinsverlust) feststellen. Eine plötzliche Bewusstlosigkeit beim Laufen kann sicherlich schlimme Folgen haben, aber umso gefährlicher wäre ein Anfall, wenn Ihr Bruder Auto fährt, die Rolltreppe benutzt oder, Gott behüte, mit der Kettensäge im Garten tätig ist. Und ich glaube nicht, dass Sie ihm auch diese Tätigkeiten verbieten möchten. Das Hauptproblem ist nicht das Training, auch nicht die Knochenbrüche, die er ohne Folgen überstanden hat, sondern das Risiko, wieder eine Synkope zu erleiden. Wenn die eingehende kardiologische und neurologische Abklärung keinen Zusammenhang zwischen der körperlichen Belastung und der Synkope feststellt, fehlen mir die Gründe, Ihrem Bruder eine Laufpause zu empfehlen. Anders gesagt: Es ist mir nicht klar, ob man durch ein Laufverbot das Risiko eines erneuten Anfalls bei Ihrem Bruder verringert. Noch weniger klar ist, wie lange und auf welche Tätigkeiten (Training, intensives Training, Wettkampfteilnahme, Marathonläufe) sich dieses Verbot erstrecken sollte. Ich kann nur endgültig Stellung dazu nehmen, wenn die Ursache des Problems geklärt worden ist.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo
Liebe Jacqueline,
wie es der Zufall will, habe ich vor wenigen Tagen von einem sehr ähnlichen Fall gehört: Mann, Mitte 40, erfahrener Läufer, kein Stress-Typ, prima trainiert, bricht 20 Meter vor dem Ziel zusammen. Ursache völlig unklar, eventuell Dehydrierung. Er läuft natürlich wieder. Bislang ist nichts passiert. Zufall? Mysterium? Handy-Strahlung? Man weiß es nicht. Jedenfalls wirst du, liebe Jacqueline, einen begeisterten Läufer kaum von der Ausübung seines Hobbys abhalten können, fürchte ich.
Gruß, Achim
Moin, Experten-Team,
ich habe Probleme mit der Hitze (ja, die kann auch in Hamburg zuschlagen!). Selbst vor einem Jahrzehnt, als ich noch gut trainiert und einiges leichter war, lief ich zu Beginn einer Sporteinheit schnell puterrot an, schwitzte nur wenig, hielt dann aber auch locker 2,5 Stunden Basketball durch. Inzwischen bin ich längst nicht mehr so fit und versuche, mich hauptsächlich mittels Laufens wieder in Form zu bringen. An warmen Tagen (ab circa 24 Grad Celsius) habe ich das Problem, dass ich innerhalb kurzer Zeit überhitze und Kreislaufprobleme bekomme. Flüssigkeitszufuhr hilft wenig, auch kann ich meine Trainingseinheiten nicht immer in die frühen oder späten Stunden oder in einen schattigen Wald verlegen. Habt Ihr einen Tipp?
Beste Grüße, Silke
Hallo Silke,
außer den Hinweisen, die du nicht hören willst (Trainiere vorsichtiger! Laufe langsamer!), kann vielleicht auch eine medizinische Abklärung hilfreich sein, wie du unter erschwerten Bedingungen reagierst. Denn vielleicht ist es nicht die Hitze an sich, sondern die durch die Hitze erzeugten schwereren Bedingungen für das Laufen. Hast du diese Probleme eventuell auch beim Bergauflaufen? Dann wären entweder trainingsbedingte Gründe zu erwägen oder tatsächlich organische Probleme vorhanden. Wenn dir die Prolematik während deiner Läufe auch nur ein bisschen ernst vorkommt, kläre es doch mit einem Arzt ab.
Viele Grüße, Jens Karraß
Liebe Silke,
vielleicht hast du auch noch einen Uhren-Problem, ohne es zu merken. 150 Minuten Basketball spielt kein Mensch, ohne umzufallen. Oder warst du die Trainerin?
Besten Gruß, Achim
Liebes Achilles-Team,
mit großer Begeisterung und nicht endenden Lachsalven habe ich im Urlaub den Laufberater gelesen (in Südschweden, perfektes Laufrevier: keine Walker und keine Hunde!) und bin von meinem Vater angesprochen worden, dass Gehen und Walken ja wohl sicher das Gleiche sei. Mein erster Gedanke: Gehen - schon lange Olympische Disziplin, Walken - bei Olympia noch nie gesehen. Ich wollte erst protestieren, musste dann aber zugegeben, dass ich keine Ahnung habe und versprechen, euch, die Experten, zu fragen. Gibt es einen Unterschied? Machen die Geh-Profis irgendwas existenziell anders als die Walker? Eine Antwort würde mich und meinen Vater sehr freuen,
Nina
Liebe Nina,
im Mai war ich mit einer kleinen Gruppe im Trainingslager in Kienbaum. Da hat sich für einige der Horizont erweitert und zugleich noch verschoben: Auf der 2,5-Kilometer-Runde kreiste ein Geher (kein Walker, da wir uns in deutschsprachigem Raum bewegen). Er trainierte dort etwa 90 Minuten lang und überholte meine Schäfchen auf deren relativ flotten zehn Kilometer in 50 Minuten, als wenn sie stehen würden. Er "ging" ein Tempo von unter vier Minuten pro Kilometer. Und das sauber, heißt, dass er zu jedem Zeitpunkt mit einem Bein Bodenkontakt behielt. In dieser Region ist die Sportart Gehen angesiedelt. Der diesjährige Deutsche Meister im 50 Kilometer Gehen, Maik Berger (SC Potsdam) benötigte dafür am 21. April weniger, als viele stolze Marathonläufer: 3:54:24 Stunden. Hut ab!
Viele Grüße, Jens Karraß
Hallo Nina,
Räusper ... ich sage mal: Peter Frenkel, Roland Wieser, Hans Reimann, Ronald Weigel, Christoph Höhne, Bernd Kannenberg, Hartwig Gauder. Jede vermutete Nähe dieser Top-Athleten zum Walking wäre ein Witz, und zwar ein schlechter.
Respektvollen Gruß, Achim