Achilles' Ferse: Wahn und Wade - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Wahn und Wade

Es ist der Alptraum aller Läufer: Nur noch walken zu können. Aber manchmal lässt der Schmerz eben nur als Schleiche nach, berichtet ein trainierter Leser. Andere müssen sich schon nach ein paar Kilometern hinlegen. Was tun? Achim und sein Team klären auf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ich laufe seit mehreren Jahren regelmäßig etwa anderthalb Stunden im Schnitt zweimal pro Woche. Seit zwei Jahren schnuppere ich in die Berglaufszene rein (Davos, Sierre-Zinal, Zugspitz Extrem, Zermatt Marathon sowie verschiedene lokale Bergläufe im Schwarzwald oder Elsaß). Selbstverständlich werden die Trainingseinheiten in der Hauptsaison erhöht und die Strecken verlängert. Ein Check beim Arzt ergab, dass alles in Ordnung ist. Ich bin 50 Jahre alt und kann einen Marathon mit 1400 Höhenmetern noch in einer Zeit von 3:24 Stunden zurücklegen.

Mein Problem: Ich bekomme beim Laufen nach einigen Kilometern ab und zu ein scharfes Stechen in der Wade. Wenn ich mich dann auf den Rückweg begebe, nimmt der Schmerz nach einigen Kilometern wieder ab, so dass ich dann doch noch zu Ende laufe. Die Bescherung ist jedoch bald spürbar - eine harte und empfindliche Wade - und vor allem am nächsten Tag eine dicke Wade, möglicherweise Wasseransammlung. Nach einer Woche selbstverordneter Laufabstinenz ist meist alles wieder o.k. Was kann das sein? Ein Mikrofaserriss? Wie kann ich das vermeiden?
Läuferische Grüße aus einem der schönsten Berglaufgebiete im Südschwarzwald, Berndt

Lieber Berndt,
ein scharfes Stechen in der Wade und anhaltende Schmerzen und Einschränkung der Gehfähigkeit weisen auf einen Muskelfaserriss hin. Dieses Problem entsteht sehr selten bei gut trainierten Läufern, wenn sie vernünftig trainieren und sich nicht übermäßig belasten. Die Ursache des Problems muss nicht unbedingt mit dem Laufen zu tun haben: Wenn Sie zum Beispiel Fußball spielen oder beruflich sehr lange stehen müssen, kann die zusätzliche Belastung zu einer Ermüdung und Schwäche der Wadenmuskulatur und damit zu einer Neigung zu Verletzungen führen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Berndt,
die Berglauferei ist einfach viel zu anstrengend.
Flachlandfreak Achim

Hallo zusammen!
Ich bin 42 Jahre und laufe seit einem Jahr. Die Halbmarathonstrecke schaffe ich in zwei Stunden. Nach jedem längerem Lauf tun mir jedoch alle Knochen fürchterlich weh. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich so eine Art Obergrenze vor mir herschiebe. Es fing vor einem gutem halben Jahr an, als ich das erste Mal 10 Kilometer am Stück lief. Meine Knie zwickten höllisch und ich musste mich nach dem Duschen erst einmal aufs Sofa legen. Die kleineren Distanzen bis 8 Kilometer laufen viel flüssiger. Bin mal gespannt, ob mir nun beim nächsten Halbmarathon auf den letzten 5 Kilometern immer noch die Puste ausgeht. Gibt es solch eine Obergrenze, oder laufe ich schon unter Wahnvorstellungen?
Gruß, Oliver

Lieber Oliver,
Wahn hin, Wahn her. Wenn es so ist, ist es egal. Glaube mir, der gemeine Homo Jogginienses ist ein sehr kompliziertes Geschöpf. Und das Paradoxe: Je mehr diese Spezies liest, desto weniger weiß sie. Weil ungefilterte Laufliteratur einfach unsicher macht. Für Deinen Halbmarathon reichen im Training 20 Kilometer völlig aus. Wenn Du Schwierigkeiten damit hast, musst Du Dich in kleinen Schritten heranpirschen. Übermäßige Schmerzen weisen fast immer auf Überlastungen hin. Wenn Du die Experimente jedoch satt hast und zu den Edelläufern gehören willst, die mit der Raterei und den Niederschlägen Schluss machen, dann hol Dir den persönlichen Klemmbrett-Trainer für umgerechnet 1,18 Euro am Tag bei jk running .
Viel Glück beim "Halben", Jens Karraß

Lieber Achim und Team,
ich brauch mal eine Beratung - seit dem Köln Marathon Anfang Oktober geht laufmäßig gar nichts mehr. Vier Kilometer, dann sticht es im Knie zum Gotterbarmen und ich kann nur noch heimwalken. Diese Schmerzen waren ansatzweise schon kurz vor dem Marathon und bei Kilometer 33 bis 38 da, und seitdem ist Sense. Ich habe pausiert, innerhalb von fünf Wochen dreimal versucht zu laufen, habe mir neue Schuhe gekauft, weil die anderen hin waren - nichts hilft. Die Stiche hören sofort auf, wenn ich nicht mehr laufe. Ich kann Treppen steigen, auf dem Stepper rumturnen, schnell und weit gehen - aber eben nicht joggen. Was ist das beziehungsweise was könnte es sein?
Danke, Angelika

Liebe Angelika,
im Knie befinden sich zahlreiche Strukturen: Knochen, Knorpel, Menisken, Bänder und noch eine Menge weiterer wichtiger Kleinigkeiten. Bei entsprechender Überbelastung können dort vielerlei Beschwerden entstehen. Das Laufen bedeutet eine andere Bewegungsform und Belastung als zum Beispiel Turnen oder Treppensteigen. Was Ihr Problem ist, kann ich Ihnen aus der Ferne nicht sagen. Wir haben auf diesen Seiten mehrmals erklärt, dass eine Ferndiagnose beim besten Willen nicht möglich ist. Die Ursache des Problems kann nur nach einer direkten Untersuchung des Knies erfolgen. Diese Aufgabe muss Ihr Arzt übernehmen. Trotzdem gute Besserung.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Liebe Angelika,
sicher hast Du ein körperliches Problem. Aber nach einem Marathon kommt ein psychisches hinzu. Gerade Marathon-Debütanten fallen nach ihrem ersten großen Lauf oft in ein tiefes Loch. Das Training, das die Monate zuvor strukturiert hat, fällt weg, ebenso das große Ziel. Plötzlich sind auch Anspannung und Aufregung und Konzentriertheit verschwunden, und auf einmal merkt man Schmerzen, die vorher vielleicht schon da waren, die man aber einfach nicht wahrhaben wollte. Nach dem Marathon sind Kopf und Körper also in einem völlig anderen Zustand als vorher. Das hilft Deinem Knie zwar auch nicht, aber ich wollte einfach mal drüber reden.
Besten Gruß, Achim