Achilles' Ferse: Wenn der Chip zum Klotz wird - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Wenn der Chip zum Klotz wird

Vor einem Marathon sind wichtige Fragen zu klären. Welchen Laufschuh sollte man tragen? Wie kann man den Stau am Start umgehen? Vor allem aber: Wie gleicht man das zusätzliche Gewicht durch den Zeitchip am Schuh aus? Gottseidank weiß das Achilles-Team Rat.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lieber Achim,
ich stehe kurz vor meinem ersten großen Laufereignis. Da ich in den wenigen verbleibenden Tagen nicht mehr viel an meiner Form ändern kann, beschäftigt mich jetzt die Frage nach den richtigen Schuhen. Nehme ich lieber die etwas weicher gepolsterten (Saucony Hurricane 7: gemütlich, aber bremst das nicht irgendwie?) oder geben mir als Pronatrice die härteren (Asics Gel-Cumulus) den besseren Kick auf der Straße? Ich wechsle normalerweise ab und habe mit beiden Paaren keine Probleme.
Vertrauensvoll, Kerstin (167 Zentimeter, 57 Kilogramm)

Hallo Kerstin,
Schuhkauf ist Vertrauenssache und zugleich im tiefsten Inneren nicht wirklich durch Ratgeber beeinflussbar, oder? Wir Läufer wissen es doch immer besser. Ist ja auch logisch. Wer außer uns selbst weiß, wie sich ein Schuh bei uns anfühlt? Oft ist es so, dass der Bestzeiten-Schuh (auch wenn es ein Zufall war) ewig lange unsere Marke wird. Völlig unlogisch. Aber auch wieder das Schöne daran. Für Deine Frage ein zaghafter Antwortversuch: Je länger die Strecke im Rennen, desto gedämpfter sollte der Schuh sein, zu dem Normalverbraucher-Läufer greift. Jenseits der 32-Kilometer-Marke braucht der Mensch Hilfe, da die Muskulatur müde geworden ist, die Aufprallkräfte höher werden und die Koordination des Schrittes deutlich nachlässt.
Beste Grüße, Jens Karraß

Ähm, Kerstin,
meines Wissens sind die Gel Cumulus auch ziemliche Weichtreter. Nimm einfach die, die Du lieber magst, so ganz echt, von Mensch zu Schuh.
Gruß, Achim

Lieber Achim,
auf welcher Seite des Laufschuhs befestige ich idealerweise den ChampionChip? Als starker Rechtsfüßer am linken Schuh, um noch beim Sprung ins Ziel die letzte Millisekunde herauszuholen (falls die Kraft noch für einen Sprung reicht) oder wenn ich ihn links trage, dann als verlängertes Gegengewicht am rechten Schuh?
Martin

Hallo Martin,
links und rechts zu unterscheiden ist schon mal das erste, was ich Dir zu üben empfehle. Mich jedenfalls bringt Dein links, links und dann verlängert rechts ganz schön ins Trudeln. Aber ist ja auch egal, Du hast Dir viele Gedanken gemacht, und das muss belohnt werden. So ein ChampionChip wiegt etwa zwei Gramm. Und Du kannst mir glauben, dieses Gewicht spielt keine Rolle. Wenn Du aber ein psychologisches Problem haben solltest, dann kauf Dir noch einen zweiten Chip und befestige ihn am anderen Schuh. Oder gib Deinen Chip einem deutlich schnelleren Läufer mit, dann hast Du auch noch eine tolle Endzeit.
Gruß, Jens Karraß

Lieber Achim,
seit dem Berlin-Marathon beschäftigt mich eine Frage: Wo aufstellen bei einem großen Stadtmarathon? Startaufstellung respektieren oder sich nach vorne durchschleichen? Ich bin ein mittelmäßiger Läufer und habe mich entsprechend meiner Referenzzeit eingeordnet. In Berlin durfte ich im Riesenblock 3:30 bis 4:00 Stunden starten und habe mich 15 Kilometer nur damit beschäftigt, langsamere Läufer zu umkurven. Aber wirklich langsame Läufer, die es, bei allem Respekt, kaum in vier Stunden ins Ziel geschafft haben können. Erst nach Kilometer 15 war das Feld für einen durchschnittlichen Läufer wie mich soweit entzerrt, dass ein Überholen und Überholt-werden ohne Laufrythmuswechsel möglich war. Das kann doch nicht der Sinn der Startaufstellung nach Referenzzeiten sein? Ein entzerrter Lauf sollte doch im Interesse jedes Läufers sein, oder habe ich als Laufanfänger etwas noch nicht richtig kapiert?
Grüße, Pit

Hallo Pit,
was würdest Du denn sagen, wenn Du vier Jahre auf einen Startplatz in Berlin warten müsstest? Na? Okay – also die Veranstalter geben sich mit Wellenstarts schon die beste Mühe, und ehrlich: Dass es bei Kilometer sechs noch Umkurvungen gab, glaube ich nicht. Schon bis zum Ernst-Reuter-Platz hat sich das Feld gut auseinander gezogen. Ich verstehe den gefühlten Frust, habe aber festgestellt, dass gerade der Stau zu Beginn schon viele Marathonläufer davor gerettet hat, zu schnell anzufangen. Da muss man durch.
Jens Karraß

Hallo Pit,
Du hast völlig recht. Die Aufstellungsdisziplin ist eine Katastrophe. Weil jeder weiß, dass jeder schummelt, kann man etwa eine halbe Stunde von der Zielzeit abziehen und dann einen geeigneten Block suchen. Irgendwann kommt der Tag, an dem alle nebeneinander an einer 29 Kilometer langen Startlinie stehen.
Gruß, Achim

Lieber Achim,
Du hast nach Erfahrungswerten zur Ernährung beim Marathon gefragt. Hier sind sie: Wenn ich schnell (also 3:30 Stunden) laufen will, esse ich morgens nur frisches Obst, Orangen, Ananas, Weintrauben, aber keine Bananen. Beim Rennen trinke ich nur Wasser und nehme ab und zu eine Salztablette. Geht es ins Gelände (Brockenmarathon, Harzquerung etc.), dann ist mir die Zeit recht egal. Ich liebe Haferschleim und Schmalzbrote. Morgens ein Käsebrot ist auch angenehm. Generell mag ich das ganze süße Pappzeug nicht. In der Regel äußert sich der Körper recht klar und deutlich, was er von der aufgenommenen Nahrung hält.
Grüße aus Hamburg, Martin

Hallo Martin,
zum Glück sind die Geschmäcker verschieden. Und Du scheinst dazu noch einen Pferdemagen zu haben. Haferschleim und Schmalzbrote – schäm' Dich was, möchte ich sagen.
Dennoch respektvoll, Jens Karraß

Lieber Martin,
Schmalzbrote sind der Hit, aber nur mit ordentlich Salz drauf.
Gourmet Achim