Achilles-Leser berichten: Spielplatz für Verrückte - DER SPIEGEL
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Achilles-Leser berichten Spielplatz für Verrückte

Der "Strongmanrun" ist nur etwas für harte Kerle. Logo, sonst würde dieser ja auch "Weicheilauf" oder "Warmduscherrennen" heißen. Die Achim-Achilles-Leser Phillip und Robert jedenfalls haben sich getraut - und überlebt. Trotz eisigen Wassers und tiefen Schlamms.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Strongmanrun in Weeze : 6000 Verrückte am Start - und ich mittendrin. Für diesen Wettkampf ist es nicht notwendig, nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Eine große Hilfe ist es trotzdem. Spätestens am Start, bei Schlager-Schnulzen mit Stroboskoplicht und Nebel aus der Maschine, ahnt man, worauf man sich hier eingelassen hat.

Strongmanrun in Weeze: 6000 Verrückte am Start

Strongmanrun in Weeze: 6000 Verrückte am Start

Foto: Fisherman's Friend

Von den 5925 gestarteten Läufern erreichten nach offiziellen Angaben 4624 das Ziel, 1301 Läufer blieben auf der Strecke. Ich mache niemandem Vorschriften, was man tun und lassen sollte, aber wer sich zu diesem Event anmeldet, sollte zwei Dinge bedenken:

1. Man muss einige Male aus eineinhalb bis zwei Meter Höhe auf harten Untergrund springen. Bei einigen führte das zu Knochenbrüchen.

2. Die Strecke ist 18 Kilometer lang, und weite Teile führen durch Schlamm und Sand. Jeder, der mit dem Gedanken spielt, im nächsten Jahr mitzulaufen, sollte vorher wenigstens einen Halbmarathon zu Ende gebracht haben.

Kommen wir zum Rennen. Erster Kilometer: Wald, schlammiger Untergrund, das Teilnehmerfeld staut sich ständig, es ist schwierig, seinen Rhythmus zu finden. Nach dem ersten Hindernis lichtet sich das Feld. Wieder Wald, die Musik dröhnt durch das Geäst. Es geht zurück Richtung Start-Ziel. Noch zwei Hindernisse, dann ab durch den Zuschauerpulk. Der Applaus tut richtig gut.

Hindernis Spinnennetz: Konzentration ist gefordert. Danach Kriechen, über Altreifen steigen und weiter. Durch eine schiefe Bahn und ab in die Kiesgrube. Fünf Kilometer sind geschafft. Nun geht es durch Matsch und Sand. Wasser staut sich in meinen Schuhen, die Füße frieren. Ich spüre jedes einzelne Sandkorn. Ich erinnere mich, wie sehr ich das Laufen auf Sand hasse.

Es geht raus aus der Sandgrube und zurück auf Waldboden. Als ich mich an den neuen Untergrund gewöhnt habe, wartet schon das nächste Baggerloch. Ich stürze mich in die Fluten und fange an zu schwimmen - es ist eiskalt. Zwei Züge, mehr halte ich nicht aus. Ich beschließe, lieber wie all die Anderen am Ufer entlang zu waten. Ich denke: "Stark sein: ja, lebensmüde: nein."

Die Füße schmerzen bei jedem Schritt, die Oberschenkel fühle ich nicht mehr. Zählt alles nicht, rauf auf den Schlammhügel. Ich komme kaum hoch. Abwärts geht es nur auf dem Hintern. Über meine Klamotten mache ich mir keine Sorgen, denn nach dem nächsten Wasserakt sind sie wieder sauber. Diesmal reicht das Wasser bis zur Hüfte. Das genügt, um sauber und leicht unterkühlt weiterzulaufen. Und noch einmal: rein und wieder raus aus der Kiesgrube. Das letzte Hindernis steht an: Es geht über Strohballen Richtung Start. Die zweite Runde beginnt. Diesmal warten andere Hindernisse. Langsam wird es anstrengend. Leider gibt es vor der Runde keine Verpflegung mehr, und die Wege werden immer schlammiger und schlechter. Immerhin macht sich jetzt meine Kondition bemerkbar und ich überhole viele Läufer. Noch einmal raus aus der Kiesgrube, rauf auf den Flugplatz und ab durchs Ziel. Geschafft!

Erst einmal was essen und trinken und dann raus aus den nassen Sachen. Leider habe ich vergessen, eine warme Jacke einzupacken. Zum Glück habe ich in der Sonne geparkt, und das Auto ist aufgeheizt. Wärme! Endlich! Das war ein toller Lauf und eine klasse Erfahrung. Wie es nächstes Jahr aussieht, weiß ich noch nicht.

Phillip Linke

Grüße vom Spielplatz der Verrückten

Hallo Achim!

In den vergangenen Jahren war ich nicht gerade sportlich. Vor ein paar Wochen habe ich mich auf deiner Seite  registriert und mir einen Trainingsplan ausgedruckt, den ich konsequent inkonsequent abarbeite. Nebenbei habe ich selbstverständlich beim Gewinnspiel für den Strongmanrun mitgemacht - und siehe da: Ich habe die Wildcard für das Rennen 2009 gewonnen!

Doch als ich die Gewinner-Mail im Kasten hatte, dachte ich nur: "Oh Scheiße! Musst du da jetzt wirklich hin?" Und so habe ich drei Tage lang Vor- und Nachteile abgewägt, wohlwissend, dass meine Kondition nicht die beste ist. Schließlich habe ich mich doch für die Teilnahme entschieden. Nur gab es jetzt ein anderes Problem: Die Anmeldefrist für Wildcard-Inhaber war abgelaufen.

Da ich oft das haben will, was ich nicht habe, packte mich der Ehrgeiz. Ich führte lustige Telefongespräche mit den Fischermännern und hatte launigen Mail-Verkehr mit allen möglichen Leuten. Doch endlich habe ich meine Startnummer bekommen.

Ich muss sagen, ich bin ein ziemlich fauler Hund. Bis vor wenigen Wochen habe ich noch wie eine Dampflok geraucht. Und da ich erst eine Woche vor dem Lauf wusste, dass ich starten darf, bin ich 18 Kilometer am Stück gelaufen, um zu testen, ob ich das überhaupt durchhalte. Bislang bin ich nie länger als zehn Kilometer am Stück gelaufen. Aber es lief ganz gut. Ich hatte mir schon Traumzeiten zurecht gelegt. Ich sah mich im Ziel, die Arme triumphierend gen Himmel gestreckt, ein Lorbeerkranz zierte mein Haupt.

Trotz der Euphorie habe ich mir immer wieder dieselbe Frage gestellt: "Was machst du, wenn dir Achim Achilles über den Weg läuft? Bedanken oder Verkloppen?"Als es dann am Sonntag so weit war und ich nach etlichen Staus die erste Runde hinter mich gebracht hatte, wusste ich aber, dass ich dich nicht verkloppen würde.

Der ganze Lauf hat nämlich so viel Spaß gemacht, dass ich jetzt schon ganz heiß auf nächstes Jahr bin. Der Strongmanrun ist ein Spielplatz für Verrückte. Die Quälerei durch das eisige Wasser, der Schlamm, der Sand und die Hindernisse - all das trug zu einer der schönsten Leidenserlebnisse bei, die ich je hatte. Als ich endlich nach gut drei Stunden das Ziel erreicht hatte, war ich ansprechbar. Und ich konnte mich sogar bewegen! Damit hatte ich nicht gerechnet. Also hier noch einmal direkt: Vielen Dank für dieses tolle Ereignis.

Dein ergebener Leser Robert

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