Achilles-Leser berichten: Training in der Dusche - DER SPIEGEL
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Achilles-Leser berichten Training in der Dusche

Viele Läufer wechseln im Sommer zum Triathlon. Nach dem Motto: Wer beim Laufen nicht schneller wird, steigt eben ins Wasser und aufs Rad. Achim-Achilles-Leser Knut Knorpel ist so ein Fall - er benutzt dabei sogar ästhetisch höchst fragwürdiges Equipment.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Sommer naht, die Temperaturen steigen - Grund genug, zum Schwimmen in warme Kleidung zu schlüpfen. Jedenfalls dann, wenn man als ambitionierter Läufer sportliche Abwechslung sucht, das erste Mal für einen Triathlon trainiert und sich aufs Freiwasserschwimmen konzentriert. Denn erstens wird bei vielen Triathlons nicht im Freibad, sondern draußen (See, Meer, Teich und Tümpel) geschwommen. Und zweitens ist das dortige Nass auch im Hochsommer ganz schön frisch. Ohne eine geeignete Schwimm-Pelle geht da gar nix.

Triathlon-Training: Auch im Hochsommer manchmal frisch

Triathlon-Training: Auch im Hochsommer manchmal frisch

Foto: DPA

Neulinge kennen die schwarzen Pellen nur aus Surfer-Filmen oder Dokumentationen über Tiefseetaucher in der Arktis. Und nun soll man selbst so ein Ding öffentlich spazieren tragen, am helllichten Tag, ohne Surfbrett und ohne Pressluftflasche? Aber: Es funktioniert, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Vor dem Sprung ins Wasser stand der Kauf der Renn-Pelle.

Da es mir äußerst peinlich war, mich im einzigen Schwimmsportgeschäft meiner Heimatstadt probeweise durch diverse Neoprenhüllen zu quälen, verlegte ich meinen Kauf ins Internet. Nach ausgiebigem Vergleichen und dem intensiven Studium mehrerer Neopren-Foren erstand ich schließlich einen "Shorty"- also einen Neo mit kurzen Armen und kurzen Beinen. Er kam pünktlich per Post, bis zum ersten Triathlon blieb noch eine Woche.

Noch peinlicher als die Anprobe im Geschäft war mir allerdings das Probeschwimmen im neuen Sportgewand. Der Sommer hatte inzwischen seinen Zenit erreicht, und die Temperaturen lagen bereits am späten Vormittag bei knapp 30 Grad im Schatten. Angesichts dieser Wetteraussichten konnte und wollte ich beim besten Willen nicht im Freibad neopreniert von der Liegewiese zum Schwimmerbecken schreiten und dort im Blickfeld leicht bekleideter Bikini-Schönheiten meine vermummten Runden drehen.

Leider hatte das einzige Strandbad am einzigen Baggersee diesen Sommer wegen Renovierung geschlossen. Dort hätte ich zumindest nachts probeschwimmen können. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu Hause in die Pelle zu zwängen, in die Dusche zu steigen und unter laufendem Warmwasserstrahl mit den ersten Kraulübungen zu beginnen. Dass ich dabei diverse Duschbadflaschen, die Seifenschale und schließlich auch die Wandhalterung für den Duschkopf aus der Verankerung riss, war gerade noch zu ertragen. Viel schlimmer war der Blick meiner holden Gattin, die ihren Mann im ganzen Haus suchte und wild rudernd im Gummianzug unter der Brause fand. Ich brauchte viele, viele erklärende Worte, um den häuslichen Frieden wiederherzustellen.

Dann nahte der Tag des Wettkampfs. Ich fühlte mich trotz meiner damals noch unzureichenden Fahrrad-Ausrüstung prächtig. Motto: Besser angezogen im schlecht sitzenden Neoprenanzug als fast nackt in der peinlichen Badehose. Unter mehreren hundert anderen Triathlon-Begeisterten stand ich mitten im Ruhrgebiet in meiner Neo-Pelle am Startplatz neben dem Dortmund-Ems-Kanal. Die Aufregung stieg, mein Blick irrte durch die Neo-Schar.

Durchweg in Lang-Modelle gekleidete Modell-Athleten mit siegessicherem Blick vermittelten mir spontan den Eindruck, dass ich in meinem läppischen Kurzarm-Kurzhosen-Teil niemals zu dieser elitären Sport-Oberschicht gehören würde. Glücklicherweise stand neben mir ein etwa gleichaltriger Mann namens Klaus. Der hatte nicht nur dasselbe Modell an wie ich. Er hatte es ebenfalls im Netz erstanden, und es war für ihn sein erster Triathlon. Wir wurden uns rasch einig, gemeinsam Letzter zu werden und so die Bürde des anderen mitzutragen.

Was ich im Probe-Stehen unter der Dusche nicht bemerkt hatte: Der Anzug, im Schritt viel zu eng geschnitten, zwickte mich beim Schwimmen zwischen den Beinen. Gut, dass beim Kraulen das Gesicht meist unter Wasser liegt. Weil Neoprenanzüge teuer und die Wettkämpfe zeitlich überschaubar sind, habe ich in meinem Schritt-Begrenzungs-Neo noch fünf Wettkämpfe und mindestens drei Mal so viele Probeschwimmen absolviert. Doch irgendwann entschloss ich mich, endlich Geld in einen vernünftigen Langarm-Neo zu investieren.

Im Laden (ja, inzwischen traute ich mich mit meiner Vorliebe für Neopren sogar an die Öffentlichkeit) passte das Ding wie eine Eins. Körper und Neopren waren eine Einheit, nichts zwickte, scheuerte oder warf Falten. Und auch die Wasserlage gestaltete sich mit dem Ganzkörper-Neo sensationell gut: Man brauchte nur halb so viel Kraft zum Schwimmen wie in einer Badehose.

Allerdings merkte ich rasch, dass der Einstieg in die Hülle am inzwischen renovierten Badesee deutlich schwieriger war als im Laden. Will heißen: Ohne fremde Hilfe kam und komme ich in das Ding nicht rein (es sei denn, ich wollte mit offenem Reißverschluss schwimmen und nach zehn Metern untergehen). Deshalb habe ich mir angewöhnt, nur noch bei sehr gutem, also heißem Sommerwetter in meinen Neopren-Anzug zu schlüpfen. Weil dann immer Badegäste da sind, die mir hinten den Reißverschluss zuziehen können.

Bei bewölktem Himmel oder gar Nieselregen verzichte ich komplett aufs Neo-Training. Es ist mir einfach zu blöd, 60 Minuten im Nieselregen mit halb heruntergelassener Pelle herumzustehen und auf einen versprengten Schlechtwetter-Schwimmer zu warten, der mir beim Anziehen hilft. Für einen passenden Neo, in den ich locker hineinschlüpfen kann, fehlen mir (noch) die Preisgelder. Dafür rangiere ich bei Wettkämpfen zu oft unter "ferner schwammen" ...

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