Achilles' Verse: Der Duft des Dschungels - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Der Duft des Dschungels

Bei arktischen Außentemperaturen bleibt dem gewillten Läufer oft nur der Gang ins Fitnessstudio. Dort geht es zu wie im Dschungelcamp, urteilt Achim Achilles und bestaunt die unterschiedlichen Charaktere - vom Sicherheitsbeamten bis zur Hantel-Tante.
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Vorbild Dschungelcamp: Buntes Treiben im Fitnessstudio

Vorbild Dschungelcamp: Buntes Treiben im Fitnessstudio

Foto: DPA

Meine Dschungelkönigin heißt Mona und nicht Ingrid. Sie ist unerschrocken. Sie ist cool. Sie macht Wassergymnastik. Sie mag keine Maden, aber immerhin Waden, meine jedenfalls.

Das Prinzip Dschungelcamp ist ideal für die wettkampfbegeisterte Hobby-Sportler-Natur. Wer es eher kalt mag, geht zur Arctic Challenge bei minus 40 Grad, irgendwo im Großraum Yukon:  Joey Kelly, Susi Erdmann, Magdalena Brzeka sind auch schon da. Der Kufen-Kalli Norbert Schramm hätte es bestimmt auch noch zum Start geschafft, so früh wie er den Urwald verlassen musste.

Das Dschungelcamp des kleinen Mannes ist das Fitness-Studio. Nach zwei Schonwintern habe ich mich diesen November wieder angemeldet. Es war alles wie immer, zum Beispiel der Aufzug.

Nicht zu fassen, aber wahr: Der Eingang liegt im Erdgeschoss und die Studiobesucher haben die Wahl: Entweder zwei Dutzend Wendeltreppenstufen erklimmen, was für Sportinteressierte eine lösbare Aufgabe bedeutet. Die meisten aber drücken einen Knopf, warten ewig auf den Aufzug, lassen frischgeduschte Athleten aussteigen, steigen ein und lassen sich sechs Meter emporliften. Interessante Fitnessvariante, wenn man den Kalorienverbrauch auf das Level von Dirk Bach runterfährt.

Studiobesucher und Laufsportler leben auf völlig verschiedenen Planeten. Die einen wollen gucken und sich begucken lassen; die anderen wollen sich bewegen und ihre Ruhe haben. Im Grunewald gibt's eben nicht viel zu gucken: Bäume halt, Laubhaufen, bisweilen ein streunender Köter oder zwei Hausfrauen an Stöcken, allemal genügend optische Reize.

Im Studio wird ununterbrochen geguckt, sofern sich die Augen an den Dunst aus tausend Deo-Dosen gewöhnt haben, der in der Umkleide hängt. Wer nicht mindestens einen Quadratmeter Bauernmalerei auf dem Körper trägt, komplett enthaart ist oder aus acht Tiegeln Haar- und Körperpflegeprodukte aufträgt, fühlt sich schrecklich nackt. Ich wollte doch eigentlich nur aufs Laufband und kein Wellness-Wochenende.

Besonders lästig sind die Bodybuilder. Bestimmt alles nette Jungs. Sicherheitsdienste und Inkasso-Unternehmen brauchen ja auch Fachpersonal. Es ist nur so anstrengend, den ganzen Weg um die Fleischberge herum zu marschieren, die vor dem Spiegel ihren Bizeps hüpfen lassen. Woher die Muskeln kommen, bleibt allerdings ein Rätsel. Die Kerle stolzieren unablässig im Studio auf und ab, streichen das ölige Haupthaar glatt und zupfen an ihren bis zum Nabel ausgeschnittenen Unterhemd-Fragmenten herum, die von der Textilmenge nicht mal einen Tanga hergeben. Wahrscheinlich nehmen sie nicht nur Selbstbräuner, sondern auch Selbstmuskler.

Ich fühle mich von tausend Augen beobachtet beim Erklimmen des Laufbandes. Von 15 Tretmühlen sind zwölf besetzt. Aber nur einer läuft. Die anderen wandern vor sich hin, im gemäßigten Shopping-Tempo. Eine engagierte Lady hält Bonsai-Hanteln in den Händen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mit zehn Kilometern pro Stunde starte. Lieber runter auf 9,6. Sonst kriege ich noch Studio-Keile wegen Strebertums.

Schwitzen ist ohnehin nicht angesagt hier. Jede Form von Transpiration würde bei den Damen dachpfannengroße Farbbrocken aus dem Gesicht sprengen. Und bei den Jungs verschmierte die Körperbemalung. Wie lange brauchen Tattoos eigentlich zum Trocknen?

Fitnessstudios machen mir Angst. Sie sind auf gespenstische Weise clean, Atmosphäre wie ein iPod von innen. Laufen ist nie clean, sondern eine permanente Sauerei. Ich vermisse das Pfund Talg zwischen den Beinen, das verhindert, dass sich die Oberschenkelinnenflächen in Scheuerlappen verwandeln. Ich vermisse die Fliegen im Gesicht, Matsche am Schuh und die Möglichkeit, meine Kehle vom Auswurf zu befreien.

Was ich nicht vermisse, sind Walker. Ausgerechnet davon gibt es Heerscharen hier. Ich habe noch nicht mal den ersten Schweißtropfen auf der Stirn, da schnuppert die Hantel-Tante schon demonstrativ rüber. Mir doch egal. Das Gesetz des Dschungels lautet: Wer so riecht wie ich, der lebt wenigstens noch.

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