Achilles' Verse: Hart, härter, 2009 - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Hart, härter, 2009

Große Herausforderungen, großer Ruhm. Für richtige Athleten gibt es auch 2009 ordentlich was zu tun. Wunderläufer Achim Achilles weiß schon jetzt, was die härtesten Pflichttermine des kommenden Jahres sind.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gute Vorsätze halten meist nicht lange. Manche schicken sich an, bereits am dritten Januartag wieder zu verschwinden. Wenn es draußen schneeregnet zum Beispiel. Und sich der Muskelkater vom Vortag noch nicht einmal richtig entfaltet hat. Na gut, wir wollten jeden Tag laufen gehen, so lautete der Lauf-Vorsatz. Sein Geschwisterchen, der Trink-Vorsatz, hieß: Kein Alkohol bis zu Monas Geburtstag. Und wie war der Ess-Vorsatz noch gleich? Ach ja: Nulldiät nach 18 Uhr.

Matsch-Aktivist: Kein Weg zu weit, keine Pfütze zu tief

Matsch-Aktivist: Kein Weg zu weit, keine Pfütze zu tief

Foto: REUTERS

Seit dem 1. Januar um etwa 7.30 Uhr morgens verhandele ich meine eigenen Vorsätze allerdings schon wieder nach: Zum Beispiel könnte "täglich" ja auch "werktäglich" heißen. "Alkohol" schließt "Bier" nicht zwingend ein. Und "nach 18 Uhr" bedeutet ja nicht automatisch auch "nach Mitternacht".

Um 23.59 Uhr schleiche ich Richtung Kühlschrank: Ein millimetergroßes Stück Käse wird ja wohl erlaubt sein. Das Problem mit den Vorsätzen: Es kontrolliert keiner. Und sofortige Strafe droht auch nicht, später allerdings Formprobleme aller Art.

Wie aber verhilft man dem guten Vorsatz zum ewigen Leben? Ganz einfach: mit Angst. Am besten mit nackter Panik. Und die erzeugt man mit der sofortigen Anmeldung zu einem möglichst gemeinen Wettbewerb. Die Furcht davor, als letzter durchs Ziel zu schleichen oder auf der zweiten Hälfte der Strecke von Walkern überholt zu werden, reicht gemeinhin aus, um mehrmonatlichen Trainingsfleiß hervorzurufen.

Hier ist die Liste aller üblen Wettbewerbe 2009, die den guten Vorsatz möglichst lange am Leben erhalten. Noch mehr brutalstmögliche Wettkämpfe finden Sie auf Achim-Achilles.de .

Anfang Februar zum Beispiel lauert der Badwater-Ultramarathon im Death Valley. Bei 50 Grad löst sich der Läufer praktisch von selbst in Dampf auf. Das Gegenteil, nämlich Schockfrostung, droht auf King George Island, beim Antarktis-Marathon. Start und Ziel liegen an einer russischen Forschungsstation. Der Urlaub ist großzügig zu planen, denn der Termin kann sich je nach Wetter um einige Tage verschieben. Die schlechte Nachricht: leider schon ausgebucht.

Restplätze bietet Ende März dagegen der Marathon des Sable, ein Etappen-Ultra unter kärglichsten Bedingungen durch die Sahara. Experten trainieren den Wüstenlauf mit schweren Wanderstiefeln bei zackigen 30-Kilometer-Tempoläufen im Mittelgebirge.

Für Survival-Anfänger bietet sich zeitgleich Ende März der dritte Strongman-Run an, in ähnlich unwirtlicher Gegend, am Niederrhein, in Weeze. Auf dem Truppenübungsplatz wird systematisch für brennende Waden gesorgt, spätestens auf der zweiten Runde über die Brennnesselbunker. Das Martyrium erfreut sich auch in der mittleren Leistungsklasse wachsender Beliebtheit. Die Startnummern sind leider schon verteilt. Aber auf Ebay soll es noch Restplätze geben.

Wer die Qual will, hat im Mai die Wahl: Entweder der Radebeuler Mt.-Everest-Treppen-Marathon, der netterweise über die doppelte Distanz (84,4 Kilometer) führt, weil die Strecke etwa der zehnfachen Höhe des welthöchsten Berges entspricht und am sächsischen Elbhang himalayagleich simuliert wird.

Ähnlich laktatfördernd dürfte auch der Internationale Läuferzehnkampf in Saalfeld wirken: In vier Tagen sind zu absolvieren: 60 Meter, 1500, 400, 100, 3000, 800, 200, 5000, 1000 und 10.000. Vergleichsweise ein Kindergeburtstag.

Dann doch lieber zum Schlammmarathon in den Niederlanden, der durch 45 Gräben führt, die eines gemeinsam haben: Keiner ist trockenen Fußes zu überwinden. Alter Ultra-Trick: Die Blasen mit einer Nähnadel vorsichtig anstechen, einen Zwirn durch das Wundwasser ziehen und auf der anderen Seite wieder herausführen. Angeblich ist die Blase in 24 Stunden verschwunden. Eine Garantie wird allerdings nicht übernommen.

Der Vorteil am Fidelitas-Nachtlauf: Es ist dunkel, man sieht also nicht, wenn der Läufer auf den 80 Kilometern bleich wird oder sich zwischendrin mal herzhaft übergibt. Zweite gute Nachricht: Staffel möglich. Zielschluss übrigens nach 16 Stunden.

Für Feinschmecker empfiehlt sich im Juni das Wettrennen Mann gegen Pferd (mit Reiter) in Wales, das über 22 Meilen führt. Profis erkennt man an den taktisch klug plazierten Karottenbündeln, die die vierbeinigen Gegner zu längeren Pausen verleiten können.

Vielleicht üben wir bizarre Läufe aber erst einmal beim Berliner Bierpaarlauf. Erstens: Heimspiel. Zweitens: Überschaubare 9000 Meter. Drittens: Bei jedem Wechsel müssen 0,3 Liter Bier getrunken werden. Damit wird dann auch der vierte gute Vorsatz dieses Jahres realisiert: Immer der gefürchteten Dehydrierung vorbeugen.


Bilder von den übelsten Wettkämpfen 2009 gibt es auf achim-achilles.de 

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