Achilles' Verse Kampf gegen die Aqua-Jogger
Moby Dick im Hallenbad
Dass zwischen Läufern und Walkern knallharte Verdrängungswettkämpfe stattfinden, wussten wir. Doch der Kampf Stock gegen Läufer erreicht nun sogar die Schwimmbäder. Achilles-Leser-Steffen berichtet.
Gestern Abend waren wir im Schwimmbad: Mein Laufpartner und ich wollten während der dunklen Jahreszeit ein paar Bahnen ziehen. Unser kleines Stadtschwimmbad hat ein 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen. Auf vieren kämpften gut 50 Schwimmer tapfer um jeden Quadratzentimeter Platz während auf einer abgesperrten Bahn acht Aqua-walkende Pottwale durchs Wasser stampften.
Gut Gefülltes Schwimmbad: Wenig Platz für sportliche Betätigung
Foto: DPAAchim findet Aqua-Jogging ganz gut, stand mal in einer alten Kolumne, und seit gestern abend war uns klar, warum: Während die Leute Aqua-Jogging machen, können sie nicht mit ihren Stöcken den Wald durchpflügen.
Das Kuriose aber: Ihre Stöcke hatten sie trotzdem dabei. Immer einen, der war rot. Den Zweck des Stocks haben wir genauso wenig erraten wie bei den Nordic-Talkern. Sie haben ihn vor sich hergetragen, dabei angestrengt gekeucht und uns seriösen Sportlern dabei eine ganze Bahn weggenommen. Gut, dass Greenpeace nicht da war, sonst hätte die "Rainbow Warrior" eine weitere Bahn gebraucht, um die Wale zu schützen.
Fast untergegangen vor Lachen sind wir, als die Damen meinten, sie würden jetzt "Skipping" machen. Dann sind sie schön im Gänsemarsch die Bahn entlanggepaddelt, wobei sich die vordere immer hat zurückfallen lassen. Wie beim Windschattenfahren auf dem Rad müssen sie sich gefühlt haben, als sie nach drei Minuten am anderen Ende der Bahn angekommen sind. Das Tolle dabei war, dass die Damen hinterher alle noch trockene Haare hatten.
Ab sofort suchen wir uns einen anderen Wochentag für unseren Besuch im Hallenbad.
Landingstrip am Warzenhof
Die Brustwarzen vor einem Marathon abkleben, das ist gut. Aber wie kriegt man die Pflasterstreifen wieder ab? Die Laufsau protokolliert ein Martyrium.
Dann war da noch diese Geschichte mit dem Leukoplast. Ich, ganz brav, habe klarerweise meine Brustwarzen vor dem Marathonlauf abgeklebt. Will ja nachher nicht aussehen wie Franz von Assisi in Funktionsfaser. Getreu dem Laufsau-Motto "Viel hilft viel!" war die Rolle dann aber auch leer und von meinem Brusthaartoupet nicht mehr viel zu sehen. Der schlaue Marathonläufer denkt zwar voraus, aber nicht weiter als 4:33 Stunden in die Zukunft, quasi direkt bis zum Zieleinlauf. In keinem Laufratgeber steht jedenfalls irgendwas darüber, wie man dieses Tape wieder von den Männertitten abkriegt ohne sich die Brust zu skalpieren.
Wieder zu Hause angekommen (ich will hier nur kurz erwähnen, dass der Fußweg von der S-Bahn-Station Köln Nippes ins Hotel dreimal schmerzhafter war als der ganze Marathon und alle 30-Kilometer-Trainingsläufe zusammen), stehe ich nun also vor dem Badspiegel und gleichzeitig vor der unlösbaren Aufgabe, mich schmerzfrei von meinem Beiersdorfer Exoskelett zu trennen. Zupfe hier an einem Eckchen - Aua! Popele da an einer Bahn herum - Hölle! Öffnet sich die Tür, Gattin guckt herein: "Was machst du denn da? Haha, ist aber'n bisschen viel Tape, findest du nicht?"
Natürlich lasse ich nicht meine Marathon-Vorbereitungskompetenz in Zweifel ziehen. Hastdunichgesehn schnappe ich mir ein halbloses Schnipselchen und reiße mir mit einem Ruck die komplette Matte vom Oberkörper. Oh, oh. Nicht gut. Männer sind ja Uschis; anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich die nächsten Minuten wie ein wildgewordenes Karnickel im Bad umherhüpfe. Schwer vorzustellen, dass sich brasilianische Pornodarstellerinnen wöchentlich dieser Prozedur an ganz anderen Stellen des Körpers unterziehen sollen. Die rechteckige, nun komplett haarfreie Zone auf meinem Busen sieht nicht wirklich erotisch aus, aber wenigstens muss ich mich hier lange nicht rasieren.
Die Gattin kommentiert lakonisch: "Wenn man sich vorher unter die heiße Dusche stellt, geht's ganz leicht ab." Danke für den Tipp.
Ein Mann gibt sich der Lächerlichkeit preis
Gestern Abend war die Motivation einfach zu stark: Ich mußte unbedingt laufen. Doch unmittelbar nach dem Anlegen der Abendgarderobe nahm das Unheil seinen Lauf.
Draußen ist es kalt und dunkel, doch in der Wohnung ist kein Platz für mich und meine überschäumende Motivation. Klare Sache, ich gehe Laufen. Erster Schritt: Auswahl der passenden Klamotten. Gegen weitere Erkältungskrankheiten kommt die lange Funktionsunterwäsche an den Mann und darüber die Winterkombi. Damit es am Hals nicht kalt wird, schnell ein Halstuch um. Der Kopf muss natürlich auch geschützt sein, also die Idiotenhaube mit dem Ritterhelm-Schnitt auf den Schädel. Dunkel ist es auch schon, daher flink das Deppenlicht an die Stirn geklemmt und die blinkenden Erstklässler-Reflektoren angelegt. Ach ja, Schuhe an die Füße, die Hände und los kann es gehen.
Meine Güte: Sehe ich bescheuert aus. Kaum gestartet, ahne ich Unangenehmes. Irgendwas passt nicht. Egal, heute wird's ein geiler Lauf. Wenn nicht die vielen Lagen meine Hand-Auge-Koordination beeinträchtigen würde. Jedenfalls muss ich die Pulsuhr neu starten. Jetzt spüre ich langsam, was nicht stimmt: die Unterhose rutscht. So ein Mist. Ich brauche eine ruhige Ecke, um die Dessous neu zu ordnen. Leider stehe ich gerade an einer Ampel an einer stark befahrenen Straße. Weniger Meter entfernt gab es einen Unfall, das Blaulicht scheint die Leute zu hypnotisieren. Hier kann ich jedenfalls nicht an mir herumzupfen.
Durchhalten, bald erreiche ich meinen geliebten Park. Es geht bergab und mit jedem Schritt habe ich das Gefühl, die Hose sackt von den Kniekehlen auf die Knöchel. Endlich, mein Park. Völlig egal, ob die Jungs vom Fußballverein zu mir rüberspannen. Beherzte Griffe führen zu wohltuender Neuordnung. Ah, herrliche Entspannung. Alles sitzt perfekt. Dafür hat sich die Pulsuhr wieder aufgehängt. Egal. Muss ich eben zu Hause herumrechnen. Weiter geht's.
Leider macht sich nun die fast abgeklungene Erkältung bemerkbar. Wie ein Lama speie ich alle zwei Meter ins Gebüsch. Dafür ist es inzwischen so dunkel geworden, dass ich das Deppenlicht tatsächlich anschalten muss. Und dieses mistige LED-Lämpchen muß natürlich so taghell sein, dass aber auch jeder sieht: "Da rennt schon wieder so ein Idiot im Dunkeln im Park herum!" Eigentlich wollte ich nur trainieren. Stattdessen schlage ich mich unentwegt mit dem Material herum. Ich betrachte diese Einheit als Mentaltraining. Laufen erfordert eben unbändige Leidensbereitschaft.