Achilles' Verse: Wider den Geschenketerror! - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Wider den Geschenketerror!

Alle Jahre wieder: Hässlicher Plunder und nutzloser Krempel, getarnt als Weihnachtsgeschenke. Besonders heimtückisch sind die Gaben von Läuferkollegen. Doch unser Held Achim weiß, was zu tun ist - einfach den Geschenkeangriff kontern und zurückschenken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vergangenen Samstag wurde ich Opfer einer heimtückischen Geschenkattacke. Kuddel, mein Lieblingsfeind vom Lauftreff, kam mit debilem Weihnachtsmanngrinsen auf mich zu, mit einer Adventstüte. "Hier Achim, für Dich, zu Weihnachten", sagte Kuddel. Für mich? Warum? Was fällt dem Kerl ein? Will er mich beschämen? Ich käme nicht im Traum darauf, Kuddel zu beschenken. Wofür auch? Dass er dieses Jahr schneller war als ich, trotz notorischen Trainingschwänzens? "Äh, danke", stammelte ich und mühte mich um einen gerührten Blick.

Weihnachtsmarkt: Quelle für peinliche Weihnachtsgaben

Weihnachtsmarkt: Quelle für peinliche Weihnachtsgaben

Foto: Getty Images

Auf dem Weg zum Auto kramte ich durch die Tüte. Ein Tannenzweig, an dem ein Powerbar baumelte. Haha. Darunter ein Paar Laufsocken, mit Krümelmonstern drauf, in Größe 42. Echter Brüller. Zwei Nummern zu klein, dafür doof und hässlich. Platz eins in der diesjährigen Schlechte-Geschenke-Wertung . Werde mein Rad damit wienern.

Kuddels Tüte lieferte mal wieder gute Argumente, warum man am besten gar nichts geschenkt haben wollen sollte. Ich will nicht dankbar sein müssen für Zehenquetscher mit Sesamstraßen-Dekor. Geschenke sind nicht nett, sondern eine perfide Form, Druck auszuüben. Um den Präsenteterror ein für allemal zu beenden, werde ich jeden Schenker mit einer ebenso nutzlosen wie peinlichen Weihnachtsgabe beschämen. Parole: Ab sofort wird zurückgeschenkt.

Kuddel könnte ich zum Beispiel den Blue-Magic-Ball überreichen. Angeblich sorgt die Wunderkugel in der Waschmaschine dafür, dass selbst hochtoxische Läuferhemden wieder erträglich riechen. Klarer kann man seinem Laufkumpan kaum mitteilen, dass er mit den Wildschweinen um die Wette dünstet. Klemmbrett-Karraß, der Lauftrainer der Herzen, bekommt dieses Jahr eine Bundeswehr-Offiziers-Trainingsjacke von Ebay. Mal gucken, ob der Ossi dann immer noch lacht. Alternativ bekommt er einen Ultrabreathe-Atmungstrainer. Trainer können gar nicht lange genug die Luft anhalten. Dann brüllen sie für einen Moment mal nicht am Rand der Tartanbahn herum. Vielleicht lege ich noch Paar UK GEAR PT-03 SC oben drauf, den ersten amtlichen Soldaten-Laufschuh, entwickelt von der britischen Armee. Auch der Trainerfuß muss schließlich Autorität verströmen.

Für Klaus Heinrich, den alten Heimlich-Raucher, habe ich die Oberarm-Zigaretten-Tasche vorgesehen. Wenn da noch eine Packung Roth Händle rauslugt, wird er sich vor neuen Bekanntschaften kaum retten können. Dazu könnte ich bei Ebay ein Paar getragener Laufschuhe ersteigern, mit reichlich Pilzsporen vom Vorbesitzer drin und undefinierbaren Krümeln. Unter die Zwischensohle würde ich eine Schicht Teewurst streichen, damit auch garantiert jeder Köter nach seinen Wabbelwaden schnappt.

Doc Dimeo, der Sportarzt meines Vertrauens, würde eine Packung Amazonas Maca erhalten. Das Pulver aus den Anden soll angeblich zur Leistungssteigerung nicht nur beim Laufen dienen. Mit derlei perfiden Präsenten bringt man einen heißblütigen Argentinier allemal auf die Palme.

Für Mona gibt es ganz was Exklusives: pures Gold. Sie wird es trotzdem nicht mögen. Der Kettenanhänger "42195" entspricht ästhetisch eher dem Kulturkreis von Atze Schröder. Dazu würden die Turnschuhe mit Svarovsky-Steinen passen, aber die waren mir entschieden zu teuer. Für meine Marzipangattin packe ich stattdessen die Vita-Beach-Gesundheitsmatte dazu, angeblich der "Kiesstrand für Zuhause". Mobilisiert angeblich in wenigen Minuten den gesamten Energiehaushalt, gleichsam der allerletzte Versuch, aus dem Läuferpartner doch noch ein Rennpferd zu machen. Wenn sie es dennoch wieder nicht schafft, sich zu regelmäßiger Bewegung aufzuraffen, gibt's zu Ostern die Knaller-CD "Nordic Walking" von Peter Sandbichler, dem Howard Carpendale der Walkrock-Szene. Lieblingstextstelle: "Fast wie Schweben - nimm' Dir Zeit zum Leben." Da steppt die Stockschleiche im Kettenhemd.

Und was schenke ich mir selbst? Einen Pokal natürlich. Die mit Abstand missratenste Lauf-Trophäe, zusammengenietet aus Hufnägeln, gibt es im Internet-Versandhandel, zum Spottpreis von 120 Euro. Damit kann man bestimmt auch prima Hunde bewerfen.

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