Ärger mit Ecken - DER SPIEGEL
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HOCKEY Ärger mit Ecken

Die bundesdeutschen Hockey-Damen setzten ihren Bundestrainer ab. Sie bangen um ihre Olympia-Chance.
• aus DER SPIEGEL 35/1979
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Vor kurzem sorgte sich die HockeyDamenwartin Helga Donandt noch um ihre allzu braven Nationalspielerinnen: »Gelegentlich muß man doch mal Dampf ablassen.« Als Frau Donandt im August aus dem Spanien-Urlaub zurückkehrte, hatte die Mannschaft Dampf abgelassen und wie eine hartgesottene Fußball-Bundesligatruppe ihren Trainer ins Abseits gestellt.

Lange hatten die Spielerinnen nicht aufgemuckt, weil sie um ihren Platz im bundesdeutschen Aufgebot bangten, dem die Experten für das erste Olympia-Turnier im Damen-Hockey 1980 gute Medaillen-Chancen einräumten. 1978 waren sie noch ins WM-Finale gelangt. Doch mäßige bis miserable Ergebnisse in diesem Jahr gefährdeten sogar die Qualifikation für Moskau. Da meuterte die Equipe gegen Trainer und Verband.

»Das mußte irgendwann mal kommen«, sah sich der frühere Damen-Bundestrainer Ernst Willig bestätigt. Er hatte die bundesdeutschen Hockey-Mädchen 1976 zur Weltmeisterschaft geführt und war anschließend zurückgetreten. Sein Nachfolger, Jugendtrainer Werner Nowak, übernahm das Amt; er kam von der Kölner Trainer-Akademie, vollgestopft mit Theorie.

»Inzwischen wissen wir zwar genau den Pulsschlag beim Mittagessen«, ulkte Verbandsgeschäftsführer Reinhold Borgmann, »aber wie man auf dem Platz eine Strafecke verwandelt, das wissen wir nicht.« Sogenannte Strafecken, bei denen der Ball von der Torauslinie unbehindert ins Feld geschlagen und auf das Tor abgefeuert werden darf, bieten die sichersten Torchancen und entscheiden oft Spiele. Doch die Deutschen wußten sie selten zu nutzen.

Zudem verschwanden unter Nowak die erfahrenen Spielerinnen aus der Mannschaft. In ein Länderspiel schickte er vier Neulinge. Unsicherheit kehrte ein. Die Weitmeisterin Ingrid Bruckert aus Braunschweig sollte links verteidigen, was sie »in 15 Jahren Hockey noch nie gespielt« hatte. Zweimal holte Nowak die erfahrene Hamburgerin Veronika Wolff-Sadoni zurück.

Bei der Saison-Planung für 1979, das Jahr, in dem es durch Glanzresultate die Olympia-Teilnahme zu sichern galt, handelte der Deutsche Hockey-Bund (DHB), als gelte es, die Moskau-Spesen für seine Hockey-Damen zu sparen.

Schon im April schickte er die Mannschaft in zwei Länderspiele, obwohl sie nach Hallensaison und Spielpause noch keinerlei Spielpraxis auf Rasenplätzen gesammelt hatte. Gegen die USA reichte es zum 1:1; Irland, schon zwei Monate länger im Schlag, siegte 2:0.

Nächster Gegner waren die nicht zur ersten Klasse zählenden Kanadierinnen, gegen die ein Sieg nichts nützte, eine Niederlage dagegen den Ruf angekratzt hätte. Gegen den Weltmeister Holland setzte es dann zwei Wochen vor der WM zwei 1:3-Niederlagen.

Trotz jahrelanger Erfolge geriet plötzlich die Olympia-Teilnahme in Gefahr. Seit 13 Jahren hatten die Bundesdeutschen nicht mehr so schlecht getroffen. Der vorolympische Aufwand von mehr als sieben Wochen für Trainingslager, Länderspiele und die Weltmeisterschaft schien den beruflich engagierten Amateurspielerinnen vergeblich zu sein.

Denn nur fünf Mannschaften können sich für Moskau qualifizieren, Gastgeber UdSSR steht als sechste. fest. Zwei rivalisierende Verbände haben noch keine durchschaubaren Qualifikations-Bedingungen erarbeitet. Die von Großbritannien beherrschte, weiblichen Funktionären vorbehaltene IFWHA und der Welthockey-Verband FIH tragen getrennte Titelkämpfe aus und beraten in einem »Obersten Rat« über die Olympia-Qualifikation.

Die »völlig verunsicherten und verärgerten« Hockey-Damen (Nationalspielerin Bruckert) handelten. »Ich bin beauftragt, Ihnen mitzuteilen«, rief ihre zweite Spielführerin Margit Müller den DHB-Präsidenten Jürg Schäfer an, »daß die Mannschaft kein Vertrauen mehr zum Bundestrainer hat.« Schäfer hielt die Einwände für »unzureichend« und entschied: »Nowak fliegt mit.«

Da stimmte die Mannschaft ab, ließ den Nowak mit 14:1 Stimmen über die Kelle springen und setzte sich so unter Erfolgszwang. Der Trainer sah sich »im Interesse aller gezwungen, von einer Begleitung der Mannschaft nach Vancouver Abstand zu nehmen«. Die Verbandsherren beugten sich den Tatsachen. Mannschaftsbetreuerin Greta Blunck aus Hamburg, eine ehemalige Weltklasse-Spielerin' rückte zur Trainerin auf.

»Jetzt kann es eigentlich nur besser werden«, erwartete DHB-Sportwart Hugo Budinger. »Vielleicht wirkt sich die Ablösung des Trainers, wie manchmal im Fußball zu beobachten, kurzfristig sogar positiv aus.«

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