Brasiliens Marta: Die Zauberin will Revanche - DER SPIEGEL
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Brasiliens Marta Die Zauberin will Revanche

Fünfmal in Folge wurde sie zur Weltfußballerin gewählt, ihre Torgefahr ist legendär: Schon vor ihrem ersten Auftritt ist die Brasilianerin Marta der Top-Star dieses Turniers. Zur Vollendung ihrer Karriere fehlt jedoch noch etwas Entscheidendes: der WM-Titel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Holt die DFB-Elf den Titel? Schießt Birgit Prinz die meisten Tore? Kann sich eine Nordkoreanerin ein Lächeln abringen? Wie jede Weltmeisterschaft warf auch das Turnier in Deutschland im Vorfeld viele Fragen auf.

Lediglich eine Gewissheit gab es schon lange vor dem Start: Brasiliens Marta ist DER Superstar dieser WM.

Fünfmal in Serie erhielt die 25-Jährige seit 2006 die begehrte Trophäe als Weltfußballerin. Doch bei all dem Ruhm gilt ihre große Karriere noch immer als unvollendet. Schließlich blieb ihr der WM-Pokal bisher verwehrt. Von diesem Makel will sich Marta in den kommenden Wochen befreien: "Mir geht es um den Titel, weniger um individuelle Auszeichnungen."

Das Zeug dazu hat sie, keine Frage. Nach der Weltmeisterschaft 2007 in China hagelte es geradezu individuelle Auszeichnungen: Mit deutlichem Abstand wurde Marta zur besten Spielerin des Turniers gewählt, 51 Prozent der Sportjournalisten gaben ihre Stimme damals für sie ab, auf Platz zwei folgte Birgit Prinz mit 17 Prozent. Sieben Treffer und zwei Vorlagen brachten Marta den "Goldenen Schuh" für die beste Torschützin ein, ins All-Star-Team wurde sie selbstredend auch gewählt.

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Superstar Marta: Brasiliens Fußball-Königin

Foto: ? Marcos Brindicci / Reuters/ REUTERS

Alles super also, gäbe es da nicht diesen Elfmeter-Makel: Im Finale hielt DFB-Keeperin Nadine Angerer Martas unplatzierten Schuss nach gut einer Stunde. Statt 1:1 stand es weiter 1:0 für Deutschland. Kurz vor Schluss machte Simone Laudehr mit ihrem Tor zum 2:0 alles klar - Brasilien blieb erneut nur der zweite Platz. Auch bei den Olympischen Spielen 2004 und 2008 ging jeweils das Endspiel verloren.

"Im Rock kann man nicht Fußball spielen"

"Dass ich damals den Elfmeter verschossen habe, ist kein Thema mehr", sagt Marta vor dem Auftaktspiel gegen Asienmeister Australien (Anpfiff 18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Das ist ein neuer Moment, wieder eine WM. Ich möchte jetzt endlich Weltmeisterin werden", so Marta. "Es ist an der Zeit, dass wir diesen Titel holen, in Brasilien zählt der zweite Platz leider nicht viel."

Den Rummel um ihre Person meistert Marta Vieira da Silva mit ähnlich großer Professionalität wie ihre zauberhaften Auftritte auf dem Rasen. Die vielen Schlagzeilen der vergangenen Tage mit dem Titel "Pelé mit Rock" kommentierte sie mit einem Lächeln. "Diesen Spitznamen habe ich während meiner Zeit in Schweden erhalte. Aber im Rock kann man nicht Fußball spielen", sagte sie.

Doch der Vergleich mit der brasilianischen Fußball-Legende kommt nicht von ungefähr. Großes Talent und viel Wille ebneten ihr den Weg aus einem Armenviertel im brasilianischen Bundesstaat Alagoas zur bestbezahlten Fußballerin der Welt.

Schon im Alter von sieben Jahren kickte sie auf der Straße. Weil sie ihren männlichen Mitspielern später in der Jugend zumeist überlegen war, kamen Zweifel an ihrem Geschlecht auf. So forderte sie ein gegnerische Trainer bei einem Spiel im Nachbarstädtchen Jacaré auf, die Hose auszuziehen. "Das war das totale Chaos. Ich musste den Typen anschreien, damit sie diesen Quatsch nicht machen muss", sagte Marta-Entdecker José Júlio de Freitas, genannt "Tota", der "Welt am Sonntag".

"Tota" ist so etwas wie der Ziehvater Martas. Er war es auch, der sie unterstützte, wenn sie an sich und dem Fußball zweifelte. Der leibliche Vater verließ die Familie als Marta gerade eineinhalb Jahre alt war, die Mutter versuchte lange, ihrer Tochter den Jungensport auszureden.

Von Brasilien nach Schweden, auf Augenhöhe mit Pelé und Beckenbauer

Doch Marta setzte sich durch, mit 18 Jahren fühlte sie sich reif genug für ein Auslandsabenteuer. 2004 wechselte Marta zum schwedischen Club Umea IK. Gleich in ihrer ersten Saison gewann sie mit dem Verein die Champions League, es folgten vier nationale Meistertitel in Folge. Nach ihrem Wechsel in die USA holte Marta 2010 in der US-Profiliga WPS mit dem FC Gold Pride die Meisterschaft.

Nachdem der Verein wegen Finanzproblemen aufgelöst wurde, spielt sie seither für Western New York Flash. Für ihr im Frauenfußball wohl unerreichtes Jahresgehalt in sechsstelliger Höhe bei dem Club kommt ein Hotdog-Hersteller auf. Ihre große Popularität machen sich neuerdings auch die Vereinten Nationen zunutze. Als Botschafterin der internationalen Organisation soll sie sich unter anderem für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzen.

Im Fußball-Tempel Maracaná durfte sie sich mit einem Fußabdruck verewigen - neben Superstars wie Pelé und Franz Beckenbauer. Aus ihrem Stolz macht Marta keinen Hehl: "Es ist ein Privileg, dort als erste Frau aufgenommen worden zu sein. Aber ich hoffe, dass es noch mehr Frauen schaffen."

Marta jedenfalls hat es schon lange geschafft. Und die Chancen, dass es dieses Mal auch mit dem WM-Titel klappt, stehen gut: Die Brasilianerinnen sollen bereits Elfmeterschießen trainiert haben.

Brasilien - Australien
(Mönchengladbach, Anpfiff 18.15 Uhr, voraussichtlichen Aufstellungen)
Brasilien: Andreia - Erika, Daiane, Aline, Ester - Formiga (Francielle), Rosana, Fabiana, Maurine - Marta, Cristiane
Australien: Barbieri - Carroll, Perry, Kellond-Knight, Uzunlar - McCallum, Garriock, van Egmond, Butt - Simon, De Vanna
Schiedsrichterin: Palmqvist (Schweden)

Mit Material von dpa und dapd