Deutsches Doppel - DER SPIEGEL
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TENNIS Deutsches Doppel

Jahrelang spielten nur Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke Tennis für Deutschland. Jetzt überließen sie das Daviscup-Doppel dem Nachwuchs.
• aus DER SPIEGEL 22/1971
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»Lieber spiele ich Fußball«, rebellierte Tennisspieler Jürgen Faßbender gegen den Bundestrainer. Statt wie befohlen täglich sechs Stunden Bälle zu schlagen, meldete er sich bei Eintracht Braunschweig an und trainierte im letzten Winter regelmäßig mit der Bundesligamannschaft.

Die Winterhilfe zahlte sich aus. Der Deutsche Tennismeister von 1969, Faßbender, 23, verlor vier Kilo Körpergewicht und gewann wieder mehr Tennisspiele. Im König-Gustav-Pokal schnitt er besser ab als ein Jahr zuvor die besten Bundesdeutschen, Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke.

Selbst gegen Ungarns Daviscup-Star István Gulyas verlor er nur knapp. »Früher fertigte der mich in drei Sätzen ab, jetzt erst in fünf«, frohlockte Faßbender. Am vorletzten Wochenende gewann er mit Hans-Jürgen Pohmann, 24. das Daviscup-Doppel gegen Österreich.

Schon oft hatte das Doppel die als inoffizielle Weltmeisterschaft für Nationalequipen zählenden Daviscup-Kämpfe entschieden. Durch die Ansetzung nach den beiden ersten und vor den beiden letzten Einzeln wurde es zum Mittelpunkt. 1962 gewannen Bungert und Kuhnke beim Stande von 1:1 gegen Spanien das Doppel und schließlich mit 3:2 den ganzen Wettkampf. Fünf Jahre später gegen die UDSSR verloren die Deutschen nach dem 1:1 das Doppel und den Länderkampf.

Im erfolgreichsten Daviscup-Wettbewerb für die Deutschen 1970 -- siegte ihr Doppel sechsmal. Die Bundesspieler drangen ins Finale gegen die USA vor. Dann freilich verlor das Zweimann-Team Bungert und Kuhnke entkräftet Doppel und alle Einzel.

»Im nächsten Jahr müssen im Doppel endlich andere ran. forderte Bungert, wie Kuhnke mittlerweile 32 Jahre alt. Bungert vermag als Sportartikelhändler (Jahresumsatz: mehr als eine Million Mark) nicht mehr ausreichend zu trainieren. Auch Kuhnke, der eine Doktorarbeit über griechische und römische Domänen in Ägypten schrieb und summa cum laude promovierte, wünschte nur noch Einzel zu spielen.

»Ihr seid die Richtigen«, ermutigte Bungert unlängst Faßbender und Pohmann, nachdem sie im Königs-Cup den dritten Platz belegt hatten. Doch Bundestrainer Richard Schönborn riet ab. »Zwölf Jahre wurde zuwenig getan. Beide hätten schon viel weiter sein müssen.« Faßbender warf er sogar »Faulheit« vor.

In einem Artikel für das Fachblatt »Tennis« schilderte der ehemalige CSSR-Auswahlspieler« was er von der Bundeselite hält: »Jeder Spieler ist nur so stark wie sein schlechtester Schlag.« Die besten Bundesspieler rügte er, noch nicht einmal Aufschlag, Volley und Return zu beherrschen.

So viel Kritik vergraulte die Jungstars. Das Tennis-Leistungszentrum in Hannover (Baukosten: 1,18 Millionen Mark) wurde zum Kindergarten. Dort pauken nur noch Volksschüler unter Schönborn das Tennis-Abc. Meist läßt Aer Lehrmeister aus Prag sie mit Holzkeilen (Fachjargon: »Speckbrett") Bälle löffeln. Die Elite zieht Privattrainer vor. Bei Daviscupspielen ist der Bundestrainer nur Zuschauer. Seinen Platz als Mannschaftskapitän nimmt der von den Stars besser gelittene Jungfunktionär Wolfgang Hofer aus Berlin ein.

»In vier bis fünf Jahren haben wir wieder gute Daviscupspieler«, lobte Tennis-Präsident Fritz Kütemeyer den Jugendstil. »Hätten wir zehn Jahre früher damit begonnen, hätten wir die Lücke hinter Bungert und Kuhnke sicher besser geschlossen.«

Doch Faßbender und Pohmann fühlen sich nicht als Lückenbüßer. Pohmann, der als Dunlop-Vertreter Tennisbälle verkauft, verbesserte seine Rückhand. Statt wie bisher beidarmig, schlägt er sie nun einarmig und schneller. »Mit der zweihändigen Rückhand«, erkannte Tennislehrer-Sohn Pohmann »kann man in der Spitze nicht mithalten.« Faßbenders Braunschweiger Trimm-Aktion lockte sogar Sportwart Ferdinand Henkel an. Fußball-Lehrer Otto Knefler beruhigte: »Kraft und Ausdauer fehlen ihm bestimmt nicht mehr.«

Zwei Tage vor dem Daviscup-Kampf gegen Österreich räumten Bungert und Kuhnke endgültig den Doppel-Posten. Bungert: »Ich bin froh, daß ich nun einen Ruhetag zwischen den Einzeln habe.«

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