Die Narbe des Eisenmanns - DER SPIEGEL
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TRIATHLON Die Narbe des Eisenmanns

Andreas Niedrig zählt zu den weltbesten Triathleten. Was bisher kaum einer ahnte: Der Asket aus dem Ruhrgebiet braucht die körperliche Herausforderung als Ersatzdroge. Früher war er rauschgiftsüchtig: Hasch, Kokain, Heroin. Was, wenn er zu alt ist für seinen Sport?
• aus DER SPIEGEL 22/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seine Beine sehen aus, wie Beine eben aussehen, die an einem Tag 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Fahrrad fahren und 42,195 Kilometer laufen können. Er ist ein »Ironman«, wie das in der Fachsprache des Triathlon heißt, ein Mann aus Eisen. Seine Beine sind gesund.

An der Innenseite der rechten Wade hat er eine Narbe, die so groß ist wie eine Gewürzgurke. Er hat nie über sie geredet. Denn die Narbe erzählt seine Geschichte.

Andreas Niedrig weiß nicht mehr, an welchem Tag es war, seine Erinnerung an die Vergangenheit ist manchmal verschwommen. Es muss irgendwann 1989 gewesen sein, denn das war das Jahr, in dem ihn der Stoff fast in den Tod getrieben hätte. An diesem Tag sagten ihm die Ärzte in einem Krankenhaus im westfälischen Herten, das rechte Bein müsse womöglich amputiert werden. Als er das hörte, dachte er: »Ist auch egal.«

Vormittags hatte er in seinem Ford Fiesta gesessen und über sein Leben nachgedacht. Weil er das nicht ertragen konnte, zog er eine Spritze mit Heroin auf, setzte sich einen Schuss und schlief ein. Als er wach wurde, sagte er zu sich: »Weg jetzt, ich will nicht mehr.« Er startete den Wagen und fuhr mit Vollgas gegen einen Baum.

Der Aufprall war zu schwach, um Andreas Niedrig aus dem Leben zu reißen. Ihm tat nur das Bein weh. Es war so dick angeschwollen, dass er nicht mehr auftreten konnte. Das Bein war entzündet, nicht vom Unfall, sondern von den vielen Spritzen, die er danebengesetzt hatte.

Im Hospital wollte ihn die Anästhesistin in den künstlichen Schlaf bringen. Aber die Dosis wirkte nicht, weil er noch voll war mit Drogen. Er bekam deshalb eine Äthermaske. Dann setzten die Ärzte einen Schnitt, tief bis auf den Knochen, an der Innenseite der rechten Wade, so lang wie eine Gewürzgurke. Und aus seinem Bein flossen eineinhalb Liter Eiter.

Heute ist Andreas Niedrig, 32, einer der besten Triathleten der Welt. Er betreibt seinen Sport noch nicht einmal sieben Jahre, aber er treibt es, als sei er nach diesem Sport süchtig. Immer schneller, immer härter, immer besser: Schon nach zwei Jahren gehörte er zur Nationalmannschaft, nach drei Jahren war er bester Ironman-Neuling aller Zeiten, seitdem immer nur vorn.

Den Menschen von den Medien tischt er eine Lebenslüge auf: Niedrig erzählt, er sei in seinem ersten Leben nikotinabhängig gewesen. Die Zigaretten habe er für den Sport drangegeben. Und jeder schreibt es. Die »FAZ« bestaunt ein »Märchen«, und weiß nicht, wie Recht sie hat.

Es gibt Typen wie den Fußballspieler Lothar Matthäus, inzwischen 39 Jahre alt und immer noch in Turnhosen unterwegs, die den Sport brauchen, um ihr Geltungsbedürfnis zu stillen. Andreas Niedrig betreibt Triathlon, als säße ihm Luzifer im Nacken, weil er eine neue Droge braucht. Er war acht Jahre lang rauschgiftabhängig. Im klassischen Crescendo: Alkohol, Hasch, Kokain, Heroin. Immer mehr, immer härter, immer auswegloser.

Er wird ein Süchtiger sein, solange er lebt. »Ohne den körperlichen Kick«, sagt er, »geht es bei mir nicht mehr.« Früher hat er sich seine Glücksgefühle auf dem Schwarzmarkt gekauft, heute braucht er dafür acht Stunden Sport am Tag.

Niedrig ist seit über neun Jahren clean, aber er ist noch lange nicht fertig mit seiner Geschichte. Er neigte bisher dazu, vor ihr wegzuschwimmen, wegzuradeln, wegzulaufen. Jetzt hat er sich gestellt. Er hat ein Buch über sein Leben schreiben lassen, das in dieser Woche auf den Markt kommt*. Der Autor, Jörg Schmitt-Kilian, war zehn Jahre lang Drogenfahnder bei der Polizei, heute kümmert er sich als Hauptkommissar um Kriminalprävention. »Niedrigs Drogenkarriere«, sagt Schmitt-Kilian, »ist klassisch und klischeebehaftet, aber so ist die Realität nun mal.«

Seit der Extremsportler beschlossen hat, sich zu erinnern, schläft er schlecht ein. Er liegt auf dem Kopfkissen und sieht die abgefuckten Typen von damals wieder; er fühlt die Angst noch einmal, die er hatte, als er sich auf Schrottplätzen versteckte, weil sie ihn suchten, um die Schulden einzutreiben; er denkt an die Zeit, als er sich im Karstadt von Recklinghausen mit einem Blaumann tarnte und auf einer Sackkarre unbehelligt Fernseher, Mikrowellen und Videorekorder nach draußen schaffte. Wenn er eingeschlafen ist, träumt er oft, dass ihm ein Dealer Heroin gibt und dass er es nicht schafft, sich die Spritze zu setzen.

Oer-Erkenschwick, im Februar 1993. Andreas Niedrig ist 25 Jahre alt, als er zum ersten Mal nach der Entlassung aus seiner Drogentherapie Sport treibt. Er läuft mit schweren Beinen durch den Wald und folgt einem Mann, der viel älter ist als er und viel besser beim Joggen. Der Alte hatte ihm zuvor gesagt, er sei eine jämmerliche Gestalt und solle mitkommen in den Wald.

Jetzt hechelt er seinem Vater hinterher und fühlt sich »wie ein erschöpfter, fettleibiger Hund«, der seinem Herrchen folgen muss. Er hat das Gefühl, als bohre »ein

Presslufthammer in meinem Kopf«, und erinnert sich an einen Zustand, den er kennt. Aber es ist kein fremder Stoff, der ihn so weit bringt, sondern sein eigener Körper. Er sieht seinen Vater davonlaufen und denkt: Schon wieder etwas, was ich nicht erreichen kann. Er beschließt, dass er »endlich mal was ohne Papa machen« wird.

Andreas Niedrig beginnt, jeden Tag zu laufen. Er merkt, dass sich sein Körper an das Training fast so schnell gewöhnt, wie er sich damals an die Drogen gewöhnt hat. Er raucht weniger, manchmal versteckt er sich mit der Zigarette hinter einem Baum, damit ihn keiner sieht. Er möchte immer weniger rauchen und immer schneller laufen, so lange, bis »Papa stolz ist auf mich«.

Papa ist sein wunder Punkt. Die Verhältnisse, in denen er aufwuchs, waren besser als die Verhältnisse von Christiane F. Der Vater arbeitete bei der Polizei, die Mutter war meistens zu Hause. Der Vater trank allerdings regelmäßig sehr viel Bier. Gelegentlich nahm Hans-Werner Niedrig den Sohn mit in die Kneipen. Der Kleine durfte Bierflaschen durch die Gegend tragen, »das war toll«.

Der Vater war immer dann zur Stelle, wenn es darum ging, die Dinge des täglichen Lebens zu organisieren. Für Gefühle war er nicht zuständig. »Er ist keiner, der einen in den Arm nimmt.« Je mehr sich der Junge von seiner Mutter »emotional erdrückt« fühlte, desto stärker suchte er die Zuwendung des Vaters. Gefunden hat er sie nie.

Er geriet in eine Clique, die ihm das Gefühl gab, »etwas wert zu sein«. Sie trafen sich zweimal pro Woche in einem verrauchten Kellerraum und trieben mit Alkohol die Stimmung in die Höhe. Andreas Niedrig war 14 Jahre alt, als er hier zum ersten Mal Haschisch rauchte.

Über Monate wartete er darauf, dass dabei irgendetwas mit ihm passiert. Dass die Farben anders werden, dass die Bässe geiler klingen. Aber die Joints blieben stumpf. Er kiffte, weil alle kifften. Bis zu dem Tag, an dem er einen tiefen Zug nahm und plötzlich auf die Straße rannte. Er hatte die Kontrolle über sich verloren. Von dem Tag an kiffte er auch in den Schulpausen.

Selm, im Oktober 1993. Andreas Niedrig raucht nicht mehr. Er läuft 160 Kilometer in der Woche. Ein Freund, der Triathlon betreibt, hat sich für einen Wettkampf angemeldet und wird kurz vor dem Start krank. Niedrig tritt an seiner Stelle an, er sucht »bewusst den Grad, an meine Grenzen zu gehen«.

Er kauft sich ein Fahrrad, leiht sich einen Neoprenanzug und wird in einem Feld, in dem Westdeutschlands Spitze vertreten ist, Neunter. Von jetzt an ist er Triathlet. Er trainiert so hart, dass der Rahmen seines Fahrrads bricht.

Den Zwang, immer mehr haben zu müssen, trägt Andreas Niedrig in sich. So wie Laufen für ihn die Einstiegsdroge in den Sport ist, so war Hasch sein Appetizer auf dem Weg zum ganz großen Turn.

Es war ein Wochenende, an dem er mit den Kumpels nach Arnheim in den Niederlanden fuhr. »Endlich so richtig die Birne zumachen« - er wusste nicht, dass die Jungs unterwegs waren, um Kokain zu besorgen. Als er das weiße Pulver zum ersten Mal in die Nase zog, fühlte er sich »groß und sicher«. Beim Tischfußball glaubte er, alles schneller zu sehen und besser zu reagieren.

Andreas Niedrig brach eine Ausbildung zum Elektriker ab, weil er keinen Druck aushielt. Alles, was er wollte, war »dicht sein und Spaß haben«. Er wurde Zeitsoldat und verdiente 1000 Mark im Monat, was nicht viel war für einen, der Kokain und Amphetamine nun täglich brauchte.

Der Kreislauf wurde unterbrochen, als er Sabine kennen lernte. Er meinte, mit ihr auch ohne Drogen glücklich sein zu können. Er blieb fast clean, bis seine Tochter Jana geboren wurde. Zum ersten Mal im Leben spürte Andreas Niedrig Verantwortung - und lief vor ihr davon. In der Mittagspause fuhr er von seiner Kaserne in Unna nach Dortmund und kaufte Drogen.

Die Szene in Dortmund war auf einem Platz vor der Reinoldikirche zu Hause. Er traf sich hier jetzt regelmäßig mit dem harten Kern, man zog gern an einer kreisenden Haschischpfeife. Irgendwann saugte Andreas an dem Gemeinschaftsspender, und plötzlich glaubte er, sein ganzes Leben sei »vollkommen okay«. Ein Zug, und alle Ängste waren weg. In der Haschischpfeife war auch Heroin.

Hawaii, im Oktober 1999. Andreas Niedrig startet zum zweiten Mal beim schwersten Triathlon der Welt. Er hat Probleme mit dem Magen und erlebt einen Einbruch. Er muss den Wettkampf mehrfach unterbrechen, um den Darm zu entleeren. Er denkt ans Aufgeben - und an die Qualen, die er beim Entzug hatte. Er glaubt, das hier sei noch viel schlimmer. Das Wasser schießt durch den Körper, fast so wie damals, als er den Affen schob. Dann kommt er doch ins Ziel, als 14. von 1500 Teilnehmern; am Ende ist er high: weil er »die Spritze im Kopf« überwunden hat, wie er das nennt.

Noch heute ist Andreas Niedrig unfähig, das Gefühl zu beschreiben, das er hatte, als er Heroin nahm. »Einzigartig«, fällt ihm dazu ein. Auch Triathlon gibt ihm Gefühle, die er nicht ausdrücken kann. Aber sie seien nicht zu vergleichen mit dem, was er damals immer wieder haben wollte.

Mit dem Heroin wechselten die Menschen, mit denen er noch zu tun hatte. Heroinabhängige reden nicht mehr mit denen, die kein Heroin brauchen.

Schon bald reichte es ihm nicht mehr, den Stoff nur zu inhalieren. Aber er hatte Angst vor der Nadel. Er beobachtete eine Frau, die sich eine Spritze in den Unterarm jagte, der mit einem blutverschmutzten Tuch abgebunden war. Immer wieder stach sie zu, das Blut tropfte auf den Boden. »Scheiß Fixe«, schrie sie.

Er weiß nicht mehr, wann es war, wo und warum. Aber irgendwann führte er die Nadel durch die Haut. Und fühlte sich belohnt: »Logisch. Das ist es.« Nach der Bundeswehr nahm er einen Job als Lkw-Fahrer an. Es gab Tage, an denen saß er bis zu zehn Stunden auf dem Bock, »absolut dicht«. Er kiffte, kokste und spritzte. Alles gleichzeitig. Gegen rote Augen nahm er Tropfen.

Seine Frau Sabine arbeitete in einem Restaurant, er musste am Wochenende auf die Tochter aufpassen. Dann schob er den Kinderwagen durch Dortmund und kaufte sich die Drogen im Vorübergehen. Er war froh, dass Jana immer gleich einschlief, wenn sie im Kinderwagen lag.

In Holland kannte er einen Farbigen, bei dem er so guten und so billigen Stoff bekam, dass er ihn in Deutschland weiterverkaufen konnte. Während einer Fahrt nach Hause setzte er sich mit einem Bekannten einen Druck auf dem Parkplatz. Gleich nach dem Schuss sackte der andere zusammen und verlor das Bewusstsein. Andreas Niedrig geriet in Panik und raste über rote Ampeln ins nächste Krankenhaus. Er zog den Kollegen aus dem Auto und schleppte ihn zum Eingang. Kurz vor der Anmeldung öffnete der Kumpel die Augen, grinste wirr und flüsterte: »Geiles Zeug.« Dann taumelten sie zurück zum Auto.

Es gab auch Freunde, die hatten weniger Glück. Ulf zum Beispiel. Mit Ulf hatte er oft gekifft und gemeinsam Heroin gekauft. Ulf war der erste Freund, der starb. Oder Armin. Armin setzte sich zusammen mit seiner Freundin Susanne einen Schuss. Sie lagen im Bett und schliefen ein. Als Susanne aufwachte, war Armin tot. Susanne landete in der geschlossenen Abteilung.

Solche Geschichten ließen ihn kalt, solange er an seinen Stoff kam. Fixer brauchen etwa ein Gramm Heroin am Tag, Andreas Niedrig brauchte in seiner harten Phase fünf Gramm. Machte je nach Marktpreis bis zu 1000 Mark am Tag. Er drückte sich so viel Heroin, dass er nach dem Schuss regelmäßig das Bewusstsein verlor. Seine Frau fand ihn im Badezimmer ohnmächtig mit einer Spritze im Arm.

Sein Leben war jetzt auf die vier Bedürfnisse zurückgefahren, die ihm noch geblieben waren: Entweder besorgte er Geld oder Stoff, oder er drückte, oder er schlief. Er wog noch 60 Kilogramm, aß nicht mehr, wusch sich nicht mehr. Er sah so fertig aus, dass die Kaufhausdetektive wach geworden waren. Immer häufiger wurde er erwischt, und als die Polizei eine Pistole bei ihm fand, musste er in Gewahrsam.

In der Zelle war er auf kaltem Entzug. Er schrie, weil er Medikamente haben wollte, aber er kriegte nur Toast mit Marmelade. Nach der Entlassung gestand er sich zum ersten Mal ein, dass er krank war.

Sein Vater brachte ihn zur Entgiftung. Kurz vor der Klinik setzte sich der Sohn noch einen Schuss und warf die Spritze und den Rest Heroin in einen Mülleimer. Als er die anderen Junkies sah, die gerade neu aufgenommen waren, dachte er: »So kaputt siehst du nicht aus.« Und: »Ich muss weg, ich muss raus.« Er lief aus dem Aufnahmezimmer über einen langen Flur und sprang durch das geöffnete Fenster, ohne zu wissen, in welchem Stockwerk er war. Es war Parterre. Er rannte zu dem Mülleimer, in dem er vorhin sein Besteck gelassen hatte, und jagte die Spritze in die Vene.

Die Angst, seine Familie zu verlieren, war nach der Flucht aus der Klinik so stark, dass er beschloss, sich von der Drogenszene fern zu halten. Andererseits wusste er: »Die Spritze sitzt im Kopf, sie wird beim körperlichen Entzug nicht zerstört, sondern steckt tief und fest in dir drin und lässt dich nicht los.« Hätte Andreas Niedrig noch zwei Monate weiter so gelebt, dann, glaubt er, »wäre ich dran gestorben«.

Holthausen, im Januar 1992. Die letzten 14 Monate hat Andreas Niedrig in der Fachklinik Fredeburg verbracht, einer Anstalt für Drogentherapie. Alles, was er hier machte, machte er exzessiv. Die Ärzte bescheinigten ihm »Suchtverlagerungstendenzen": Er guckte zu viel Fernsehen, er trieb zu viel Sport, er spielte zu viel.

Aber er war der Einzige seiner Gruppe, der durchhielt. Am 17. Januar wurde er »mangels Therapiemotivation« aus der Klinik entlassen. Andreas Niedrig wollte in seinem Leben keine Drogen mehr sehen und keine Psychologen: »Ich habe 14 Monate geheult, das reicht.«

Er ist sich heute ziemlich sicher, dass er der bleiben wird, den der Sport aus ihm gemacht hat. Er sagt, er wisse jetzt, was sein Körper wert sei. Früher hat der Körper getan, was der Kopf wollte. Heute macht der Kopf, was dem Körper gut tut. Er wird deshalb auch kein besserer Triathlet mehr werden, selbst wenn er das vielleicht könnte. Um besser zu werden, sagt er, müsse er die Grenzen seines Körpers überschreiten. Wie sich das anfühlt, weiß er. Aber er will es nicht mehr.

Es gibt deshalb immer mal wieder Kollegen, die vor ihm ins Ziel laufen. Einigen davon wird er nie die Hand geben, weil er weiß, dass sie gedopt sind. Epo und Wachstumshormone helfen im Triathlon über den kritischen Punkt; Andreas Niedrig möchte kein körperliches Glück mehr erfahren, das von außen kommt. »Es ist so schön, klar im Kopf zu sein«, sagt er.

Zwei Jahre wird er seinen Sport noch machen können, vielleicht drei, dann ist es vorbei. Und dann? Wenn der Körper kein Glück mehr produziert? Er arbeitet als Orthopädiemechaniker und stellt Prothesen für behinderte Menschen her. Er will sich nach dem Sport auf den Job stürzen und sich mehr um seinen kleinen Sohn kümmern, sagt er. »Ich weiß, dass es schwer wird, es wird unendlich schwer.«

Zwischen 80 und 90 Prozent der Menschen, die eine Drogengeschichte haben wie er, werden, wie er weiß, rückfällig. In dem Therapiebericht, den er von der Fachklinik Fredeburg bekommen hat, steht: »Prognostisch ist es durchaus denkbar, dass der Patient etwa mittelfristig clean bleiben kann.«

Manchmal, sagt Andreas Niedrig, hat er Lust, noch mal einen Joint zu rauchen. MATTHIAS GEYER

* Jörg Schmitt-Kilian: »Vom Junkie zum Ironman. Das zweiteLeben des Andreas Niedrig«. Kreuz Verlag, Stuttgart; 170 Seiten;26,90 Mark.

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