Training auf der Dachterrasse. Benjamin Mburu arbeitet an seiner Technik. Da es in Kenia landesweit nur eine einzige Kunsteisbahn gibt, muss der 28-jährige Eishockeyspieler improvisieren. Rollerblades ersetzen Schlittschuhe.
Benjamin Mburu, Kenia Eislöwen
»Als Eishockeyspieler habe ich nicht genügend Zeit für das Training auf Eis. Und ich weiß, dass das Umfeld nicht so gut ist wie im Ausland. Ich erhalte Hilfe von unseren Trainern, die alle Freiwillige sind, also Ausländer, die in Nairobi leben und dort arbeiten. Aber wir lernen auch von Online-Seiten, es gibt Online-Trainings-Tutorials. Zum Trainieren haben wir uns für Inline-Hockey entschieden. Das ist so ähnlich wie Eishockey. Dadurch lernen wir, besser mit dem Schläger umzugehen, wie man den Puck bewegt und wie man sich positioniert«
Nur am Wochenende können die Löwen auch auf Eis trainieren. Ein Hotel in Nairobi stellt dafür seine Eisbahn zur Verfügung – manchmal gibt es sogar Freundschaftsspiele. Eishockey in Kenia – das weckt Erinnerungen an die ähnlich exotischen Bobfahrer aus Jamaika im Film »Cool Runnings«. Architekt Benjamin Mburu hatte allerdings nicht gezielt nach einem außergewöhnlichen Hobby gesucht, seine Begeisterung für die Sportart auf dem Eis kam eher zufällig.
Benjamin Mburu, Kenia Eislöwen
»Meine Eishockeyreise begann, als ich aufs College ging. Zuerst fuhr ich Rollschuh. Dann habe ich Inline-Hockey gespielt. Und eines Tages luden mich ein paar Freunde ein, Eishockey zu spielen. Das war der Beginn dieser schönen Reise.«
Die »Eislöwen« sind das einzige Team in Kenia. Helme, Handschuhe und weitere Schutzkleidung müssen aus dem Ausland importiert werden – und sind dementsprechend teuer.
Professionelle Trainer gibt es ebenfalls nicht. Ein kanadischer UN-Mitarbeiter coacht das Amateurteam in seiner Freizeit. Jeder, der Lust hat, ist willkommen.
Tim Colby, Trainer Kenia Eislöwen
»Im Training merke ich, dass die Kids schneller lernen. Sie sind hungrig, wollen Erfolg haben und diesen neuen Sport ausprobieren. Wenn wir 40, 50 Leute haben, die Eishockey spielen, dann sind das 40, 50 Menschen von 40 Millionen. Das ist schon einzigartig.«
Dank Colby kam es bereits zu einigen Freundschaftsspielen gegen Mannschaften aus dem Ausland. Wie hier gegen das Cheetah-Eishockeyteam aus Nordamerika.
Michael Baitinger, Cheetah Eishockeyteam
»Sie sind wirklich schnell. Und durch das Training hier in der Höhe von Nairobi sind sie sehr ausdauernd. Unser Matchplan war, in der ersten Hälfte viele Tore zu machen und sehr viel anzugreifen. Denn in der zweiten Hälfte werden wir müde, aber sie können noch laufen. «
Das Spiel endete für die Kenianer mit einer Niederlage. Allerdings konnten Mburu und die Eislöwen in der Vergangenheit bereits einige Erfolge feiern. Für die Zukunft hoffen sie auf bessere Trainingsbedingungen. Das große Ziel ist, irgendwann vom Internationalen Eishockeyverband aufgenommen zu werden – und an Olympischen Winterspielen teilnehmen zu können. Wie das legendäre Bobteam aus Jamaika.