EM 2024: Englands Rumpelfußball - Eine Hommage an die deutschen Panzer - DER SPIEGEL
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Andreas Möller nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen England im EM-Halbfinale 1996

Andreas Möller nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen England im EM-Halbfinale 1996

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sportfotodienst / imago images / Pressefoto Baumann

Ron Ulrich

meinung •Englische Nationalmannschaft God save the Rumpelfußball!

Ron Ulrich
Eine Glosse von Ron Ulrich
Jahrelang hassten die Engländer die Deutschen, weil die wie Panzer spielten und im Elferschießen siegten. Jetzt kommt raus: Die Briten haben das Rezept ihres schlimmsten Feindes mit großem Aufwand kopiert!

Früher, in längst vergangenen Zeiten, gab es noch Gewissheiten: England verliert im Elfmeterschießen, vorrangig gegen Deutschland, so wie 1990, so wie 1996. England scheidet unglücklich aus, während die »German Panzer« bis ins Finale kommen.

Doch irgendwann schienen es die Inselbewohner sattzuhaben und entschieden sich zur Mutation. Um den Feind zu besiegen, mussten sie denken wie er, essen und schlafen wie er.

Deutschland gegen England bei der WM 1990

Deutschland gegen England bei der WM 1990

Foto: Juha Tamminen / Aflosport / IMAGO

Im englischen Sprachgebrauch tauchten immer mehr deutsche Lehnwörter auf, neben »Zeitgeist« und »German Angst« sprachen die Wissenschaftler des Landes ehrfürchtig von der Lehre des »German Rumpelfußball«.

Aus ihm heraus waren sämtliche Endspielteilnahmen wie Titel der Teutonen erwachsen. Das deutsche Geheimnis, mit absolutem Antifußball durch die Turniere zu pflügen, wurde bestaunt wie die hiesige Ingenieurskunst oder der Algorithmus von Google.

Englische Fußball-Akademien strichen sämtliche Angriffstaktiken vom Lehrplan und ersetzten sie durch das drillähnliche Einstudieren von Befreiungsschlägen, Querpässen und Elfmetern. Doch die stufenweise Deutschwerdung machte auch vor anderen Sphären nicht halt.

Deutsche Hoheit Jürgen Drews

Deutsche Hoheit Jürgen Drews

Foto: Athanasios Gioumpasis/ Getty Images

Neidisch schauten die Engländer nach den Streitereien im Königshaus um Meghan Markle und Prinz Harry auf die seit Jahrzehnten intakte deutsche Monarchie mit der rundum glücklichen Familie von Jürgen Drews, dem König von Mallorca.

Im manischen Versuch, die deutsche Erfolgsgeschichte eines blonden Boris’ zu kopieren, besetzten sie sogar zeitweise das Amt des Premierministers. Bis heute streiten sich Experten, warum nur einer von beiden in einem Londoner Gefängnis einsitzen musste.

Statt »Fish’n’chips« schaufelten die Engländer tonnenweise Sauerkraut und Bratwürste in sich hinein, auf dass in ihrem Geist das Effizienzdenken und auf ihrem Nacken der Vokuhila-Spoiler (ehrfurchtsvoll »German mullet« genannt) erwachsen sollte.

Bellingham-Vorbild Klaus Fischer

Bellingham-Vorbild Klaus Fischer

Foto: picture-alliance/ dpa

Mittelfeldspieler Declan Rice gab hinter vorgehaltener Hand zu, dass er schon als Kind in Carsten-Ramelow-Bettwäsche geschlafen habe.

Der Starspieler Jude Bellingham hob sich seine Hommage an den »Mr Fallrückzieher« Klaus Fischer für das Achtelfinale ausgerechnet in dessen Wahlheimat Gelsenkirchen auf.

Torhüter Jordan Pickford schaute sich von einem gewissen Jens Lehmann den Spickzettel beim Viertelfinal-Elfmeterschießen ab. Gott schütze uns (und die Nachbarn am Starnberger See) davor, dass Pickford noch mehr Aktionen von »Mad Jens« imitiert!

Wie nun erst bekannt wurde, hatte Gareth Southgate jahrelang seinen Zwillingsbruder bei der Dortmunder Polizei eingeschleust, um deren »Schildkrötenformation« in der Einsatzhundertschaft auszuspionieren und sie auf das englische Spiel zu übertragen. Am Mittwoch flog das Manöver auf, doch da war es schon zu spät. England besiegte die Niederlande im Halbfinale, natürlich in der letzten Minute des Spiels.

Carsten Jancker

Carsten Jancker

Foto: Marcus Brandt/ Bongarts/Getty Images

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Oliver Bierhoff anerkennend murmelt, Fußball sei ein einfaches Spiel mit 22 Leuten – und am Ende gewinnt immer England.

Wenn also Harry Kane am Sonntag mit einem aus einem halben Meter und klarer Abseitsstellung über die Linie gestolperten Siegtor in der Nachspielzeit trifft, mit dem Carsten-Jancker-Kuss auf den Ring zum Jubel abdreht; wenn Pickford nach einem brutalen Foul ausrichten lässt, dem Spanier die »Jacketkronen zu bezahlen«; und wenn beim anstehenden Spanien-Urlaub die englischen Touristen in Socken und Sandalen morgens um Punkt 7:59 Uhr ihre Handtücher auf die Liegen ausbreiten; dann wissen wir: Deutschland ist endlich wieder zurück! Es heißt jetzt nur England.