Extremschwimmer Joseph Heß hat die Donau von der Quelle bis zur Mündung durchschwommen. Er fand »einen Fluss im Ausnahmezustand«
Extremschwimmer Joseph Heß
Foto: David Young / dpaDer Dresdner Extremschwimmer Joseph Heß hat die gesamte Donau von der Quelle in Donaueschingen bis ins Schwarze Meer durchschwommen. Nach fast 60 Tagen erreichte er nach 2857 Flusskilometern am Dienstag sein Ziel in Sulina, teilte sein Team mit. Den letzten Tag habe er am Morgen in Crișan mitten im Donaudelta begonnen und dann noch rund 30 Kilometer zurückgelegt.
Auf der Tour durchquerte Heß zehn Länder. »Das war das größte Abenteuer meines Lebens und die längste Flussstrecke, die ich je geschwommen bin«, betonte er.
In Donaueschingen an der Quelle war Heß noch symbolisch ins Wasser gesprungen. Ab Ulm schwamm er dann bis zur Mündung.
»Es war schön, aber jetzt bin ich auch erst einmal froh, dass es vorbei ist. Ich freue mich auf meine Familie zu Hause«, bekannte Heß. »Ich habe täglich meine Schultern gemerkt und bekomme eben die Arme kaum noch über den Kopf, aber sonst geht es mir sehr gut. Zum Glück bin ich unterwegs nicht krank geworden.«
Wracks tauchen im Niedrigwasser auf
Nach Angaben seines Begleitteams ging es die letzten Tage auch an der rumänisch-ukrainischen Grenze entlang. Handelsschiffe seien mit Netzen gegen Drohnenangriffe geschützt worden, man habe zerstörte Industrieanlagen und Explosionen aus der Ferne mitbekommen. Heß wurde von dem Filmemacher Markus Weinberg begleitet. »Wir haben gleichzeitig dokumentiert, wie sich Niedrigwasser, Umweltverschmutzung, Schifffahrt, Geschichte und Klimafolgen entlang eines ganzen europäischen Flusses begegnen«, so Weinberg.
Heß schwamm durch Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad und durch das spektakuläre Eiserne Tor – ein etwa 100 Kilometer langes Tal in den Karpaten. »Historisch niedrige Wasserstände ließen Seitenarme austrocknen, Sandbänke und Inseln entstehen. Bei Prahovo tauchten deutsche Kriegsschiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Donau«, hieß es. Die Passage in Belgrad sei durch starke Abwasserbelastung zum Gesundheitsrisiko geworden. Das Team schrieb von einem »Fluss im Ausnahmezustand«.
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Entlang der gesamten Strecke wurden nach wissenschaftlichen Vorgaben regelmäßig Wasserproben genommen. Aus den Daten soll eine Mikroplastik-Kartierung der Donau entstehen, hieß es weiter. Erste Auswertungen würden keine gleichmäßige Belastung, sondern einzelne Hotspots zeigen – unter anderem im Umfeld von Kläranlagen und Nebenflüssen. Die vollständige wissenschaftliche Auswertung folgt nach der Expedition.