Formel-1-Kommentar: Heinz-Harald Frentzen und Toyota - DER SPIEGEL
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Formel-1-Kommentar Heinz-Harald Frentzen und Toyota

Wie aus einem unsinnigen Gerücht schon bald sinnstiftende Realität werden könnte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war das Wochenende des großen Rätselratens. Warum nur entlässt Eddie Jordan wenige Tage vor dem Großen Preis von Deutschland seinen Piloten Heinz-Harald Frentzen? Warum spielt er publizistisches Harakiri? Wie soll sich die Performance des Teams bis zum Saisonende verbessern, wenn als Ersatzmann der überforderte Brasilianer Ricardo Zonta aufgeboten wird? Eine schlüssige Antwort hatte keiner parat. Und dass, obwohl im Formel-1-Fahrerlager eine Menge Leute herumlungern, die ziemlich feine Ohren haben.

Doch gottlob gibt es ja die "Welt am Sonntag", und die hatte des Rätsels Lösung: Jordan habe Frentzen rauswerfen müssen, weil dieser sich schon mit Toyota für die Saison 2002 einig geworden sei. Damit werde der Mönchengladbacher erstens nicht mehr den rechten Elan für den Rest des Jahres an den Tag legen, und zweitens könne er wertvolle Kenntnisse von Jordans Motorenpartner Honda zu Toyota tragen. Weiter berichtet das Blatt, Frentzen habe nach seinem Trainingsunfall beim Großen Preis von Kanada in Montreal die Toyota-Motorsportzentrale in Köln aufgesucht, wo er sich mit den dort Verantwortlichen rasch über eine gemeinsame Zukunft einig geworden sei.

Selbst wenn Frentzen verrückt geworden ist ...

Das Erstaunliche an der Meldung aus der "Welt am Sonntag" ist, dass Heinz-Harald Frentzen und Eddie Jordan beim auf Kanada folgenden Grand Prix am Nürburgring bekannt gaben, auch im Jahr 2002 zusammenarbeiten zu wollen. Frentzen hatte eine Ausstiegsklausel für Ende 2001, doch er nahm sie nicht wahr - obwohl er doch schon bei Toyota im Wort stand! Sinn macht das keinen.

Selbst wenn Frentzen durch die vielen technischen Defekte des Jordan-Rennwagens verrückt geworden ist: Eddie Jordan ist nicht verrückt. Erführe der Ire von dem bevorstehenden Abgang Frentzens aus einem nunmehr langfristigen Vertrag: Er würde Frentzen nicht fristlos kündigen, sondern darauf warten, dass Frentzen um seine vorzeitige Freigabe bittet. Und dann würde Jordan, so wie er es im letzten Jahrzehnt bei fast allen namhaften Fahrerabgängen geschafft hat, von Frentzens neuem Arbeitgeber eine beachtliche Ablösesumme einfordern.

Das Charmante an der Meldung aus der "Welt am Sonntag" ist jedoch, dass sie irgendwann wahr werden kann. Denn natürlich wäre Toyota, das im kommenden Jahr erstmals in die Formel 1 einsteigt, gut beraten, einen erfahrenen Piloten wie Frentzen zu engagieren. Und natürlich wäre es geradezu fahrlässig, wenn Frentzens Management die Bereitschaft, für die Japaner zu arbeiten, nicht sofort nach der Entlassung signalisiert hätte.

Das Bündnis Toyota und Frentzen muss kein Luftschloss bleiben. Aber warum Eddie Jordan den Mönchengladbacher gefeuert hat, darüber darf weiter gerätselt werden.

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