BMW-Willams "Wir sind wieder da"
Imola - Während Ralf Schumacher den Champagner in vollen Zügen genoss, bahnte sich BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger mühsam einen Weg durch die Gratulanten. Selbst über das sonst so ernste Gesicht von Teamchef Frank Williams huschte ein stolzes Lächeln. Mit dem ersten Sieg im 21. Rennen nach dem Formel-1-Comeback ist BMW in Imola gemeinsam mit Partner Williams eindrucksvoll in die Phalanx der Top-Teams Ferrari und McLaren-Mercedes eingedrungen. Selbst Ex-Weltmeister Niki Lauda verneigte sich voller Respekt und zog anerkennend sein "Kapperl".
"Wir sind zurück. Das war einfach sensationell", sagte Berger. "Das war der schönste Tag unseres Formel-1-Projektes", meinte auch sein Direktions-Kollege Dr. Mario Theissen sichtlich bewegt. Und sogar DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert zollte dem Rivalen aus Bayern seine Hochachtung: "Das war eine phantastische Leistung. Ab sofort gibt es einen Zweikampf zwischen Mercedes und BMW." Ferrari nannte Hubbert bewusst nicht.
BMWs erster Sieg seit 1997
Für den bis dato letzten BMW-Triumph in der Formel 1 hatte ausgerechnet Berger am 12. Oktober 1986 in Mexiko gesorgt. Für BMW war es der insgeamt zehnte Sieg in der "Königsklasse", für Williams
der 104. und zugleich der erste seit dem 28. September 1997, als der Kanadier Jacques Villeneuve in einem Williams-Renault auf dem Nürburgring gewann. Für Ralf Schumacher war es der erste Sieg im
70. Rennen.
Dabei hatte alles mit einer Panne angefangen. Als BMW im September 1997 das Formel-1-Comeback feierlich verkündete, wollte das Weltmeister-Auto von 1983 nicht anspringen. Helfer mussten den Brabham-BMW mit Nelson Piquet im Cockpit auf die Bühne schieben.
Darüber können die Bayern inzwischen gelassen schmunzeln, denn nach dem Lehrjahr 2000 hat BMW-Williams beim Europa-Auftakt in Imola
gezeigt, dass man schon 2001 zu einem ernsthaften Titelanwärter werden kann.
Bessere Bilanz als die Silberpfeile
Derlei Spekulationen weist Berger allerdings energisch von sich: "Wir sind zwar unserem
Zeitplan voraus, aber es ist noch ein langer Weg, sich an der Spitze zu etablieren." Gleichwohl schickte der smarte Österreicher, der bei 210 Grand-Prix-Starts zehn Siege feierte und mit seiner
Erfahrung für BMW unentbehrlich ist, eine Warnung an
McLaren-Mercedes und Ferrari hinterher: "Wenn wir Ralf Top-Material geben, gewinnt er so viele Rennen wie Michael Schumacher. Das hat er in Imola bewiesen."
BMW und Williams waren von Anfang an zum Erfolg verdammt. "So lange wie Mercedes werden wir nicht auf unseren ersten Sieg warten müssen", hatte der damalige BMW-Vorstandvorsitzende Bernd
Pieschetsrieder bei der Comeback-Ankündigung getönt - und damit für Entsetzen im Projekt gesorgt. Doch er sollte Recht behalten: Die "Silberpfeile" waren im 50. Rennen nach ihrem Comeback siegreich, BMW schaffte es im 21. Versuch.