Deutschland-GP "Vettel ist ein Gottesgeschenk"
Frage: Wie oft haben Sie dem Schicksal schon gedankt, dass es Ihnen Sebastian Vettel geschickt hat?
Walter Kafitz: Schon häufiger, und zwar immer dann, wenn er sich mit positiven Schlagzeilen bemerkbar gemacht hatte. Das heißt in der letzten Zeit immer häufiger.
Red-Bull-Pilot Vettel: "Ein Siegertyp im doppelten Sinne"
Foto: A3416 Carmen Jaspersen/ dpaFrage: Wie wichtig ist es für den Nürburgring, dass in Vettel erstmals seit Michael Schumacher wieder ein Deutscher im Titelkampf mitmischt?
Kafitz: Es ist ein Gottesgeschenk, so einen Siegertypen im doppelten Sinne zu haben. Einmal von seiner Schnelligkeit her, zum anderen von seinem Charakter. Er ist halt in jeder Beziehung gewinnend. Allerdings sollte man ihn nicht zu häufig mit Michael Schumacher vergleichen. Er hat den Hype in der Formel 1 in der ersten Hälfte der neunziger Jahre begründet. Und hat insofern den Weg geebnet für andere deutsche Rennfahrer.
Frage: Hat die Nachfrage nach Karten nach dem Vettel-Sieg in Silverstone noch einmal angezogen?
Kafitz: Die ist auf gleichbleibend hohem Niveau geblieben. Es gab keinen großen Ausschlag nach oben. Es kann aber auch sein, dass dies die Vettel-Fans sind, die im letzten Moment auf den fahrenden Zug aufspringen, während die anderen längst schon ihre Tickets haben. Vielleicht wäre die Nachfrage sonst abgeflacht. Insofern ist das auch ein positiver Effekt.
Frage: Fünf deutsche Fahrer, ein Titelkandidat, zwei deutsche Hersteller, viel Tradition - und dennoch könnte die Formel 1 schon bald um Deutschland einen Bogen machen. Hat die Formel 1 in Deutschland überhaupt noch eine Zukunft?
Kafitz: Auf jeden Fall. Warum ist das Problem entstanden? Das ist doch nur aufgrund der hohen Kosten entstanden. Das wird immer schwieriger zu finanzieren.
Frage: Was muss getan werden, damit Deutschland als Formel-1-Standort erhalten bleibt?
Kafitz: So lange die Nachfrage nach Formel-1-Läufen noch immer größer ist als das Angebot, wird das Kostenproblem schwer zu lösen sein. Jetzt habe ich gehört, dass in Fuji 2010 (Grand Prix von Japan, d. Red.) nicht mehr gefahren wird. Es wird nicht mehr in Frankreich gefahren, es wird nicht mehr in den USA gefahren, vielleicht im nächsten Jahr nicht in Deutschland. Das ist also kein deutsches Phänomen, kein europäisches Phänomen - es ist ein internationales Phänomen. Wir konkurrieren mit anderen Staaten, die andere Interessen verfolgen, touristische Interessen, Image-Interessen - und die das nötige Geld haben. Ich denke zum Beispiel an Singapur, an Bahrain.
Frage: Im Bericht des Rechnungshofs 2006 hieß es, die wirtschaftliche Lage der Nürburgring GmbH sei "äußerst angespannt". Wie ist die Situation heute? Haben Sie noch genug Eigenkapital?
Kafitz: Wir haben noch genügend Eigenkapital. Die wirtschaftliche Angespanntheit kommt nur durch die Formel 1. Man muss unsere Gesellschafterstruktur kennen, das Land Rheinland-Pfalz hat 90 Prozent, der Landkreis Ahrweiler zehn Prozent. Für die Region ist die Formel 1 ein Gewinn und damit auch für das Land und den Landkreis. Nur so kann man die Formel 1 begründen und rechtfertigen. Wenn wir in der gleichen Situation wären wie der Hockenheimring, dann wäre das bei uns auch nichts anderes. Da muss die Kleinstadt Hockenheim die ganze Last tragen, profitieren tut aber auch das Umfeld.
Frage: Möchten Sie weiterhin im Wechsel mit dem Hockenheimring, wo wegen der Finanzprobleme über einen Ausstieg aus der Formel 1 nachgedacht wird, den Großen Preis von Deutschland veranstalten?
Kafitz: Ich würde das begrüßen.
Frage: Wird für Sie die Formel 1 auch in diesem Jahr ein Verlustgeschäft?
Kafitz: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Rennstrecke gibt, die keinen Verlust mit der Formel 1 macht.