Ecclestone-Interview: Schumacher ohne ebenbürtigen Gegner - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ecclestone-Interview Schumacher ohne ebenbürtigen Gegner

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist vor dem Großen Preis von Monaco überzeugt davon, dass Michael Schumacher seinen WM-Titel erneut erfolgreich verteidigt. Der Deutsche sei von allen Fahrern der größte Könner.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Ecclestone, sechs Rennen mit den neuen Regeln sind vorbei. Es ist Zeit für eine erste Bilanz. Was hat Ihnen gefallen, was sollte erneut verändert werden?

Ecclestone:

Die Weltmeisterschaft ist immer noch eine enge Angelegenheit, nur zwei Punkte trennen die ersten beiden. Keiner konnte sich bisher absetzen. Das war gut. Die Idee, dass die Reifenhersteller für jedes Team eigene Reifen produzieren können, war auch gut. Aber ich denke - und glaube, andere Leute stimmen mir zu -, dass das Einzelzeitfahren in der Qualifikation nicht so spannend ist. Das ist etwas, was wir anschauen müssen. Aber erst für die nächste Saison. Ich denke, dass wir es vorerst beibehalten sollen.

Michael Schumacher und Ferrari scheinen nach einem schlechten Start wieder sehr stark zu sein, vor allem mit dem neuen Auto. Sie gewinnen sogar mit einem brennenden Auto. Sind die Gegner zu dumm?


Ecclestone: Erstens ist Schumacher der größte Könner, den es derzeit gibt. Das ist das große Plus von Ferrari. Außerdem haben Williams und McLaren geschlafen oder Renault. Es wiegt nicht so schwer, dass Ferrari sehr, sehr stark ist. Sondern es ist vielmehr so, dass die anderen nicht sehr gut sind. Deshalb gibt es diesen großen Unterschied. McLaren und Williams werden sicher besser werden. Dann werden sie Ferrari einholen. Ich denke, sie haben vor einem Jahr verloren. Es dauert lange aufzuholen. Ferrari hat das letztjährige Auto weiterentwickelt, das ohnehin sehr gut war.


Gibt es Ihrer Ansicht nach ebenbürtigen Gegner für Michael Schumacher?


Ecclestone: Nein. Michael hat einfach viel Talent. Es gibt solche Leute in anderen Sportarten, zum Beispiel Tiger Woods im Golf. So ist es nun mal.


Sind Sie auch überzeugt, dass Michael Schumacher in diesem Jahr wieder Weltmeister wird?

Ecclestone: Ja. Sicher wird er das.


Was halten Sie von Kimi Räikkönen und Fernando Alonso?

Ecclestone: Super, super, super. Sie werden Fehler machen, weil sie noch lernen. Aber sie sind die Fahrer der Zukunft.


Zurzeit gastiert die Formel 1 in Monaco. Einem Ort, der eigentlich modernen Sicherheitsstandards in diesem Sport nicht mehr entspricht. Ist der Große Preis von Monaco nicht schlichtweg zu gefährlich?

Ecclestone: Nein, überhaupt nicht. Wir haben hier weniger Unfälle als auf anderen Strecken.


Die Autos sind zwar nicht so schnell wie auf anderen Strecken. Aber es besteht doch die Gefahr, dass Autoteile Zuschauer verletzen oder es einen Unfall im Tunnel gibt - oder womöglich ein Inferno.


Ecclestone: Überall auf der Welt kann alles passieren. In die Twin Towers in New York sind Flugzeuge geflogen. Heutzutage kann alles passieren auf der Welt. Warum soll hier mehr passieren als anderswo?


Sie mögen also den Grand Prix in Monaco?


Ecclestone: Für uns ist er super. Es ist sehr schwierig für die Leute, hier zu arbeiten. Aber für das Publikum ist gut.


Aufgezeichnet von Andrea Wimmer, dpa