F1-Saisonstart Schumacher befürchtet Leidenszeit
Melbourne - "Ich will die WM gewinnen, ich weiß aber auch, das wird schwieriger als die Jahre davor", sagte Schumacher vor der mit 19 Rennen längsten Saison der Formel-1-Geschichte, die am Sonntag (4 Uhr MEZ/ live im SPIEGEL-ONLINE-Ticker) in Melbourne beginnt. "Die Konkurrenz hat aus ihren Fehlern gelernt."
Eine abgespeckte Aerodynamik, Motoren für zwei Wochenenden und nur noch zwei Reifensätze für Qualifikation und Rennen sollen die Autos langsamer und die Formel 1 billiger und spannender machen. "In den vergangenen Jahren sind immer wieder Anti-Ferrari-Regeln erlassen worden. Die sollten uns langsamer machen. Aber die Besten können am schnellsten reagieren und sich anpassen. Die neuen Regeln werden uns nicht stoppen", erklärte Schumacher heute in Melbourne kampflustig, "mein Ziel in Melbourne ist es, um den Sieg mitzufahren, schließlich war Australien zuletzt immer ein gutes Pflaster für uns."
Der neue Ferrari: "Schön ist er - ich hoffe, er ist auch gut"
Weil die Scuderia aber am neuen F2005 noch tüftelt, wird Schumacher die ersten vier Rennen im überarbeiteten Vorjahresauto starten müssen. Deswegen rechnet der Titelverteidiger zum Saisonanfang auch mit Rückschlägen. "In den ersten beiden Rennen müssen wir leiden", prophezeit Schumacher, "aber die Saison ist lang. Ich bin überzeugt, dass wir die richtige Strategie fahren und mit dem neuen Auto ganz vorne sein werden."
Starke Konkurrenten
In den Reihen der Konkurrenz hat sich besonders McLaren-Mercedes, das mit Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya ein starkes Fahrer-Duo aufgestellt hat, viel vorgenommen. "Die Testergebnisse deuten darauf hin, dass man in Australien mit fünf Teams rechnen muss", prophezeit Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Wir sind bei den Vorbereitungen knapp 6600 Kilometer mit dem neuen MP4-20 gefahren, und wir haben dabei mehrere Rennsimulationen erfolgreich absolviert. Es hat auf der Rennstrecke keinen einzigen Motorschaden gegeben, das haben wir noch in keiner Saisonvorbereitung der letzten Jahre erlebt."
Schumacher selbst schätzt neben den Silberpfeilen Renault als größten Konkurrenten ein. "Die sind schon jetzt sehr stark", sagt der in der Schweiz lebende Rheinländer, "ich weiß, dass unsere Serie irgendwann reißen wird und jemand kommt, der schneller fährt als ich. Damit muss ich leben."
Buttons Vision
Auch Großbritanniens Hoffnung Jenson Button rechnet sich ernsthafte Chance aus, zu Schumacher aufzurücken. "Mein Ziel in dieser Saison ist es, ganz oben auf dem Podium zu stehen und auf Michael Schumacher runterzuschauen", kündigt der BAR-Honda-Pilot an, der im Vorjahr WM-Dritter wurde.
Die deutschen Formel-1-Fans setzen jedoch weiter auf den Weltmeister. 93 Prozent der Befragten trauen Michael Schumacher in einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders Premiere den achten WM-Titel - den sechsten hintereinander - zu. Als härtester Konkurrent wurde Räikkönen genannt (24 Prozent) vor Toyota-Neuzugang Ralf Schumacher (23), Ferrari-Pilot Barrichello (23) und Montoya (21).