Force-India-Chef Mallya: König der guten Zeit - DER SPIEGEL
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Force-India-Chef Mallya König der guten Zeit

Er besitzt drei Yachten, Dutzende Häuser, mehr als 200 Autos - und führt einen Rennstall: Vijay Mallya ist mit Force India zu einer Top-Figur in der Formel 1 aufgestiegen, auch der Deutsche Adrian Sutil geht für ihn an den Start. Doch sein Firmenkonglomerat wird von Turbulenzen gebeutelt.
Von Hartmut Lehbrink
Force-India-Chef Mallya: Privat-Airbus mit einem Picasso an der Wand
Force-India-Chef Mallya: Privat-Airbus mit einem Picasso an der Wand

Force-India-Chef Mallya: Privat-Airbus mit einem Picasso an der Wand

Foto: ? Adeel Halim / Reuters/ REUTERS
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"The King of Good Times" nennen sie ihn daheim, eine Formel, die er augenzwinkernd für seine Selbstdarstellung übernommen hat. Und aus einer Art Vergleichstest der verblichenen Gazette "Red Bulletin" mit dem lebenslang aus dem Fahrerlager geschassten Glamour-Veteranen Flavio Briatore ging er einst siegreich als "King of the Bling" hervor, als echter Hingucker unter den Zelebritäten dieser Erde. Er nahm die Würde an mit dem dröhnenden Gelächter, das ihm eigen ist, der Ehrendoktor der Philosophie, Vijay Mallya, im Dezember 1955 in Bantwal im indischen Gold-Bundesstaat Karnataka geboren.

Mallyas Name ist längst synonym mit seiner United Breweries Group UB, einem internationalen Verbund von über 60 Unternehmen. Säule Nummer eins: Kingfisher Beer, weltweit goutiert und genossen, mit einem bekömmlichen Touch von Exotik. Sein Suff-Syndikat, das drittgrößte weltweit, umspannt überdies die Whisky-Labels Bagpiper und - seit 2007 - Whyte & Mackay sowie den Wodka-Destillateur Pinky.

Ansonsten kuschelt sich unter dem UB-Dach eine Firmen-Hydra, die allein der Name Mallya und das strapazierfähige Band der Unvereinbarkeit zusammenhalten, zuständig für landwirtschaftliche Produkte und Chemikalien ebenso wie für die mediale Versorgung der indischen Öffentlichkeit und sogar ihre Bollywood-Traumseligkeit: Vijay Mallya war der Motor hinter Ashvin Kumars Thriller "The Forest" und dem nicht unumstrittenen Tanz-Movie "Dance Like a Man".

Als zweites Standbein des Airbus-Großkunden Mallya hatte seine Kingfisher Airlines herhalten sollen, die größte private Fluggesellschaft des indischen Subkontinents. Aber sie wankt im scharfen Wind der globalen Krise wie viele seiner anderen Firmen.

Die Luftflotte wird angeführt von einem Airbus 320

Den Bund fürs Leben schloss er bereits zweimal. Aus der ersten Ehe ging Sohn und Thronfolger Sidharta Vijay Mallya hervor, aus der zweiten das Töchterpaar Leana und Tanya. Zurzeit residiert die Familie in Sausalito in der Nähe von San Francisco. Bis 2008 konnte der Multi-Entrepreneur als Repräsentant des Wahlkreises Bangalore für die Janata Party im indischen Oberhaus Rajya Sabha nicht zuletzt über das eigene Wohl und Wehe mit abstimmen.

Der sinnenfrohe Genussmensch Mallya sprengt die Grenzen bürgerlicher Vorstellungskraft. Für den Ego-Trip zu Wasser hat der graubärtige Midas die Qual der Wahl zwischen drei Yachten, allesamt echte Herausforderungen für den ambitionierten Piraten: der Indian Empress, 95 Meter lang, der 55 Meter langen Indian Princess und der fünf Meter kürzeren Kalizma, einem Objekt von durchaus historischem Charme aus dem Zeitalter König Eduards - sie machte einst als Mitbringsel Richard Burtons für Elizabeth Taylor von sich reden. Die Luftflotte für seinen persönlichen Gebrauch wird angeführt von einem Airbus 320, den er zu einem geräuscharm düsenden Luxus-Appartement umrüsten ließ, mit einem echten Picasso an der cremefarbenen Wand, wie es heißt.

Die Zahl seiner Eigenheime beläuft sich auf 42, und über zehn Länder verstreut harren Mallyas 260 Automobile des gelegentlichen Ausritts. Er schmückt sich selbst knallig mit goldenen Armreifen und Diamant-Ohrringen und besitzt sogar einen mit Edelsteinen besetzten Schlagring.

Die teuerste Zehntelsekunde der Welt

Für die stilvolle Auseinandersetzung könnte er notfalls zu dem berühmten Schwert seines Landsmanns Tipu Sultan greifen, der 1799 bei einem Gefecht gegen Truppen der British East India Company ums Leben kam. Mallya ersteigerte es 2004 in London für 175.000 Pfund und holte es heim.

Hauptanliegen indessen ist die Formel 1, und auch da mag er nicht zurückstecken: Rang fünf in der Markenwertung peile er an in diesem Jahr. Mallya läuft bei allen Grand Prix auf. "Das hat schon seinen eigenen Charme", gerät er ins Schwärmen, "alle kämpfen sie um eine Zehntelsekunde - die teuerste der Welt." Was ihn besonders reizt: "Die einzigartige Werbe-Plattform, die dieser Sport bietet, für meine Produkte, für mein aufstrebendes Land."

Natürlich ist der Name Force India Programm: Die Gebete von einer Milliarde Landsleuten begleiteten die Einsätze des Teams, Mallya beschwört höheren Beistand und sieht ein Goldenes Zeitalter herandämmern: "Ein indisches Team hat unser Land jetzt also, mit Karun Chandhuk auch einen indischen Fahrer. Und ein indischer Grand Prix beginnt sich abzuzeichnen." Auf seinen deutschen Piloten Adrian Sutil hält er große Stücke: "Adrian ist überaus zielstrebig, sehr schnell und möchte seinen Kollegen unbedingt zeigen, wo er wirklich steht in der Formel 1. Und: Dieses Jahr haben wir ihm ein Auto an die Hand gegeben, mit dem er es weit bringen kann."

Mit dem Mercedes-V8 arbeitet dabei ein potentes Triebwerk für Sutil. Das macht auch sonst Sinn: Der gute Stuttgarter Stern steht bekanntlich für die Herrschaft des Menschen über Land, Luft und Wasser. Mit dem Dr. phil. h.c. Vijay Mallya ergeben sich da durchaus Schnittmengen.