Formel 1 Alonso beschert Renault einen Heimsieg
Magny-Cours - Nach 70 Runden auf dem 4,411 Kilometer langen Circuit de Nevers siegte Alonso vor dem McLaren-Mercedes-Piloten Räikkönen und Weltmeister Schumacher (Ferrari). Für den Spanier war es vor rund 100.000 Zuschauern, darunter etwa 7000 Renault-Mitarbeiter, bereits der fünfte Sieg dieser Saison und der sechste seiner F1-Karriere. "Das Auto hat extrem gut funktioniert", strahlte Alonso, der nur Räikkönen und Schumacher nicht überrunden konnte.
"Ich hatte schnell einen netten Vorsprung, danach habe ich das Rennen kontrolliert. Ich habe mich schon die letzten drei, vier Runden auf die Zieldurchfahrt gefreut", sagte Alonso. Renault konnte sich über einen besonderen Sieg freuen: Es war der erste Erfolg beim heimischen Grand Prix seit 22 Jahren; am 17. März 1983 hatte Alain Prost in Le Castellet triumphiert. Erstmals seit 40 Jahren war jedoch bei dem Lauf in Frankreich kein einheimischer Fahrer am Start.
"Ich bin etwas enttäuscht", gestand der zweitplatzierte Räikkönen, "was am Freitag passiert ist, hat das ganze Wochenende zerstört." Wegen eines Motorenwechsels im Freien Training war er in der Startaufstellung zehn Plätze nach hinten gesetzt worden und nur als 13. ins Rennen gegangen. "Ich habe zwar nur zwei Punkte verloren, wollte aber unbedingt gewinnen", sagte Räikkönen, der mit 1:16,423 Minuten die schnellste Rennrunde fuhr, am Ende aber dennoch 11,8 Sekunden hinter Alonso lag. Schumacher trennten fast 1:22 Minuten vom Sieger. "Von 13 auf 2 - das zeigt, dass Kimi den Speed hatte", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.
Rennen in Magny-Cours: Düsenjets und ein Korbjäger
In der Fahrerwertung führt Alonso nach dem 10. von 19 WM-Läufen und vor dem Rennen in Silverstone am nächsten Sonntag mit 69 Punkten vor Räikkönen. Der Finne hat 45 Zähler auf seinem Konto. Dritter mit 40 Punkten ist Michael Schumacher. Alonso könnte mit 24 Jahren als jüngster Formel-1-Weltmeister in die Geschichte eingehen.
Der noch 23-Jährige, der am 29. Juli Geburtstag hat, hatte in den beiden Rennen zuvor nicht punkten können. Beim Rennen in Magny-Cours überrundete Alonso nach zwei Dritteln der Distanz sogar den Brasilianer Rubens Barrichello im zweiten Ferrari. Bei der Zieldurchfahrt ballte er die Faust.
"Wir hatten ein kleines Problem mit den Bremsen, das haben wir gut in den Griff bekommen", freute sich Renault-Teamchef Flavio Briatore. Zu Beginn des 308,586 Kilometer langen Rennens war Alonso pro Runde etwa eineinhalb Sekunden schneller als Schumacher, der als Dritter gestartet war und lange Zeit hinter dem Trainingszweiten Trulli hing.
"Das hat mich viel Zeit gekostet", gestand Schumacher. Der Rekordchampion verpasste es auch deshalb, als erster Formel-1-Fahrer auf einer Strecke achtmal zu gewinnen, "bei all dem Ärger auf der Strecke war für uns nicht mehr drin." Nach einem schnellen Boxenstopp nach 18 Runden war Schumacher eher auf der Strecke zurück als Trulli. "Es gab Rennen, die haben mehr Spaß gemacht", war der 36-Jährige insgesamt ernüchtert, "wir sind einfach zu langsam."
Seine ersten WM-Punkte dieser Saison holte sich Jenson Button. Der britische BAR-Pilot wurde Vierter. Platz fünf ging an den Toyota-Fahrer Jarno Trulli (Italien). Der zweite Renault mit Giancarlo Fisichella kam auf den sechsten Platz.
In die Punkteränge fuhren trotz Überrundung auch noch Ralf Schumacher (Toyota) und Jacques Villeneuve (Sauber) als Siebter und Achter. Nick Heidfeld (BMW-Williams) kam nur auf einen enttäuschenden 14. Rang. Sein Wagen musste gleich sechsmal in die Box, so war keine gute Platzierung möglich. "Das Rennen war so schwach wie das Qualifying", stellte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen frustriert fest.