Formel 1 Ferrari gesteht Fehler ein
Sao Paulo - "Das Auto arbeitete nicht so, wie ich das gerne hätte", erklärte der dreifache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher. Auch auf wiederholtes Nachfragen verweigerte er einen Kommentar zur technischen Abstimmung seines F-2001. Derweil gestand Ferraris Taktikguru Ross Brawn kleinlaut ein: "Unsere Strategie funktionierte nicht ganz."
Haug: Coulthard war Weltklasse
Coulthard dagegen jubelte nach seinem Triumph beim Großen Preis von Brasilien: "Ich bin glücklich und widme diesen Sieg meiner Schwester zum Geburtstag. Jetzt habe ich gute WM-Chancen." Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bescheinigte dem in der Vergangenheit häufig kritisierten Schotten eine "Weltklasseleistung" und genoss beim rennentscheidenden Manöver die Parallele zum letzten Sieg eines Silberpfeils am 27. August 2000 im belgischen Spa.
Wie damals Mika Häkkinen übertölpelte diesmal Coulthard den Deutschen, indem er bei einem gleichzeitigen Überrundungsmanöver die bessere Linie wählte und in Führung ging. "Man kann sich nichts Schöneres wünschen", freute sich Haug über die
Wiederholung der "Sandwich-Variante". Coulthard sei - nicht nur wegen dieser Aktion - der bessere Fahrer gewesen. McLaren-Teamchef Ron Dennis attestierte seinem Piloten: "Dies war eine von Davids besten Vorstellungen."
Hilflos über den Asphalt geschlittert
Schumacher klagte indes über sein unzureichendes Arbeitsgerät: "Die Balance stimmte nicht. Und im Nassen war alles noch schlimmer." Nachdem es zu Beginn des letzten Renndrittels heftig zu schütten begonnen hatte, schlitterte der "Regenkönig" zeitweise hilflos über den Asphalt. "Ich bin zwei Mal ausgerutscht. Das ist nicht normal", stellte der Rheinländer klar, dass er nicht plötzlich das Fahren auf nasser Strecke verlernt habe.
Noch mehr als die wertvolle Sekunden kostenden Rutscher wurmte Schumacher die Tatsache, dass "David auch ohne meine Ausrutscher schneller" gewesen wäre. Teamchef Jean Todt räumte Fehler bei der Abstimmung ein: "Als der Regen einsetzte, dachten wir, die Situation verschiebt sich zu unseren Gunsten, wie das bei solchen Bedingungen oft der Fall war. Aber Michaels Auto erwies sich als schwierig zu fahren, und wir konnten die Situation nicht ausnutzen."
McLaren mit besserem Setup
Im Monsun von Malaysia hatte die Scuderia dank des taktischen Schachzugs, im Gegensatz zur Konkurrenz auf Intermediates statt auf Regenreifen zu setzen, noch einen souveränen Doppelsieg gefeiert. In Sao Paulo zogen der Deutsche und sein schottischer Widersacher die Mischung zwischen Trocken- und Regenreifen auf. Allerdings hatte McLaren-Mercedes das bessere Setup. "Wir waren uns sicher, dass es regnen würde und haben das Auto entsprechend abgestimmt", verriet Coulthard.
Die Silberpfeil-Strategen, häufig wegen taktischer Fehlentscheidungen kritisiert, machten in Brasilien alles richtig. "Das ist keine Genugtuung", versicherte Haug nach dem Ende der schwarzen Serie von sechs Niederlagen. "Es gab auch keinen
schweren Stein, der mir vom Herzen hätte fallen können." Coulthard sagte übermütig: "Ich wünsche mir so eine Serie wie die von Schumacher." Der Rheinländer, dessen Vorsprung in der WM-Wertung von zehn auf sechs Punkte geschmolzen ist, hatte die vorherigen sechs Rennen gewonnen.
Häkkinen schöpft neue Titelhoffnung
Selbst Häkkinen, der wegen eines Kupplungsproblems beim Start stehen blieb, hat den Titel trotz eines Rückstandes von 25 Zählern auf WM-Spitzenreiter Schumacher (26 Punkte) noch nicht abgeschrieben: "Davids Erfolg hat auch mich aufgebaut, da dies zeigt, dass unser Auto siegfähig ist."
Schumacher sah sich durch das Rennen in Sao Paulo in seinen Warnungen schneller
als befürchtet bestätigt. "Ich habe immer gesagt, dass die WM noch
nicht entschieden ist. Ich kann nicht immer gewinnen", sagte der 46-
malige Grand-Prix-Sieger. "Aber ich hoffe, dass es in Imola wieder
der Fall sein wird."