Formel-1-Finale: Sieg oder Schalke - DER SPIEGEL
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Formel-1-Finale Sieg oder Schalke

Dramatik pur: Drei Fahrer können beim letzten Rennen noch Formel-1-Weltmeister werden. Mercedes-Sportchef Norbert Haug befürchtet, in letzter Minute gestoppt zu werden. Der Blick in die Statistik verrät, dass der WM-Führende keineswegs der Favorit ist.
Von Jörg Schallenberg
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"Wir hatten niemals Probleme miteinander", sagt Fernando Alonso. "Unsere Beziehung ist so gut wie sie immer war", entgegnet Lewis Hamilton. Das erste Rededuell vor dem großen Showdown der beiden McLaren-Mercedes-Piloten am Sonntag in Sao Paulo (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat der Brite damit klar für sich entschieden.

Als es bei der ersten offiziellen Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Brasilien heute mal wieder darum ging, den neugierigen Journalisten ein bisschen heile Welt vorzulügen, da drückte sich Hamilton eindeutig pointierter aus. Dass die Beziehung der beiden Fahrer seit Monaten fast ebenso zerrüttet ist wie das Verhältnis zwischen dem noch amtierenden Weltmeister Alonso und McLaren-Chef Ron Dennis, weiß jeder. Aber ein solches Schauspiel gehört zur großen Theaterbühne Formel 1 ebenso wie Interviews von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, in denen er wie momentan im "Stern" seitenlang um die Aussage herumformuliert, dass er diesen verflixten Spanier am liebsten mit Vollgas auf eine lange Gerade zum Mond schicken würde.

Ehrlicher wurde Haug da schon bei der Aussage zum Ausscheiden von Hamilton in China: "Als Lewis im Kiesbett steckte, habe ich mich daran erinnert, wie Schalke 04 vor Jahren schon mal für vier Minuten Meister war." Immerhin - McLaren-Mercedes hat noch ein Rennen Zeit, um den Titel für seinen Wunschkandidaten perfekt zu machen. Das Dumme ist nur, dass die Ausgangslage vor dem Rennen in Sao Paulo alle Möglichkeiten für den Supergau in Silbergrau bereithält.

107 Punkte für Hamilton, 103 für Alonso und 100 für Ferrari-Chefpilot Kimi Räikkönen schlagen in der Fahrerwertung zu Buche. Wäre Haug das, was er sicher nicht ist, nämlich Pessimist - dann würde sich in seinen Träumen wohl Nacht für Nacht ein Szenario abspielen, in dem Hamilton und Alonso gleich nach dem Start Rad an Rad bergab in das sogenannte Senna-S hineinrasen, den Unfallschwerpunkt der hügeligen Piste von Interlagos.

Dort geraten die beiden McLaren-Mercedes aneinander, drängen sich gegenseitig ins Seitenaus, während ein roter Bolide durch den aufwirbelnden Staub hindurch an die Spitze des Feldes schießt. Das wäre dann ungefähr die Stelle, an der man schweißgebadet aufwachen müsste und daran denkt, dass Rot auch die Trikotfarbe des FC Bayern ist. Nur gut, dass bei McLaren-Mercedes niemand Königsblau trägt.

Doch dieses Szenario ist auch nicht wahrscheinlicher als plötzliche Reifenschäden, ein kaputter Motor, ein plötzlicher Wetterumschwung oder ähnliche Banalitäten, die eines der dramatischsten Finals in der 57-jährigen Geschichte der Formel 1 entscheiden. Fest steht nur: Jeder der drei Titelkandidaten wird alles versuchen, um die nötigen Punkte zu ergattern, eine Art Stallregie hätte man auch ohne den ausdrücklichen Verzicht des Dennis-Teams nicht befürchten müssen: Alonso hätte sich ohnehin an keine Vorgaben gehalten.

Umgekehrt darf McLaren-Mercedes, dessen Ruf nach der Spionageaffäre erheblich angekratzt ist, sich nicht erlauben, Alonso offensichtlich zu benachteiligen, sonst wäre das letzte Rennen der Saison nicht unbedingt das Ende des Rennjahres - sondern man dürfte sich auf weitere verbale oder sportrechtliche Scharmützel einstellen.

Ein Blick auf die Statistik übrigens weist Hamilton keinesfalls als Favoriten aus. Achtmal kam es in der Formel-1-Historie bislang zu einem Dreikampf beim letzten Grand Prix der Saison, fünfmal holte dabei der zuvor Zweitplatzierte den Titel. Zuletzt passierte das 1986 in Adelaide, als Alain Prost im McLaren-Tag noch Nigel Mansell abfing, der seinerzeit für Williams-Honda startete. Der Brite ging mit sechs Punkten Vorsprung von der Pole Position ins Rennen, doch ein Reifenschaden kostete ihn Sieg und Titel.

1983 und 1981 setzte sich jeweils Nelson Piquet im Brabham-BMW beziehungsweise Brabham-Ford im abschließenden Rennen an die Spitze, und man muss bis ins Jahr 1974 zurückgehen, um einen Spitzenreiter zu finden, der seine Position in einem finalen Dreikampf verteidigen konnte. Damals blieb Emerson Fittipaldi beim Großen Preis der USA von Watkins Glen im McLaren vor Ferrari-Pilot Clay Regazzoni und Jody Scheckter auf Tyrrell-Ford.

Noch nie ist es dem Drittplatzierten allerdings gelungen, sich noch auf den Weltmeisterthron zu hieven. Räikkönen kann also bereits alle Hoffnung fahren lassen. Es sei denn, dass ein Alptraum für McLaren-Mercedes wahr wird. Es wäre nicht der erste in diesem Jahr.

mit Material von sid und dpa