Formel 1 Frentzen hat nur eine Sorge
Melbourne - Heinz-Harald Frentzen wirkt vor dem Saisonstart 2000 in Melbourne einfach nur glücklich. "Mir macht die Sache zunehmend Spaß", sagte der 32-Jährige aus Mönchengladbach vor dem Auftakt zur Formel-1-Weltmeisterschaft. Eigentlich hat der Jordan-Pilot nach dem für ihn so erfolgreichen letzten Jahr nur eine "Sorge". Der Geburtstermin seiner Tochter kollidiert womöglich mit dem zweiten Rennen Ende März in Brasilien. "Ich hoffe, dass sich das Baby etwas Zeit lässt und noch den Grand Prix abwartet", lächelte Frentzen.
Mit einer bei ihm ungewohnten Lockerheit hat der WM-Dritte in den Tagen vor dem Saisonstart beim Grand Prix von Australien (Sonntag, 4 Uhr/live in RTL und Premiere World) freundlich lächelnd sämtliche PR-Auftritte absolviert. Nicht nur das private Glück, sondern auch die Fortschritte bei seinem Rennstall haben den einst bei Williams so spröde wirkenden Rheinländer zum Strahlemann gemacht. "Ich freue mich wieder auf die neue Herausforderung in diesem Jahr. Auf alles, was mit dem Beruf zu tun hat. Ich bin älter und erfahrener geworden."
Und sein Team viel reicher. Frentzens letztjährige Erfolge - zwei Siege, ein dritter Gesamt-Platz - sowie der dritte Rang für Jordan in der Konstrukteurswertung brachten Preisgeld und Sponsoren. Vor allem auf Grund des neuen Hauptsponsors, der Deutschen Post, stieg das Budget auf rund 150 Millionen Mark. "Wir sind gerade aus dem Teufelskreis rausgekommen", so Frentzen. Der Jordan-Etat ist zwar immer noch nicht vergleichbar mit jenen von Ferrari und McLaren-Mercedes, doch immerhin ein großer Fortschritt. Je mehr Geld, desto mehr kann in die Technik des Jordan-Mugen-Honda investiert werden. Frentzen: "Momentan versuchen wir einen Sprung nach vorne in neue Dimensionen."
In allen Bereichen habe man "Fortschritte gemacht." Allerdings bedeutet mehr Geschwindigkeit gleichzeitig weniger Zuverlässigkeit. Frentzen beklagte, dass sein Dienstfahrzeug bei den Testfahrten weniger standfest als das letztjährige war. Und das wirkt sich schwerwiegender als beispielsweise bei Ferrari aus, "denn wir sind als Team kleiner. Bei uns kostet das sehr viel Arbeit und Schweiß". Offenbar ist es aber genau dies, was Frentzen bei Jordan so gefällt, und ihm bei Williams so fehlte.
"Grundsätzlich ist mein Ziel, mit Jordan Weltmeister zu werden." Doch man müsse erst die Voraussetzungen dafür schaffen, schränkte Frentzen ein. Wann das geschafft ist, steht momentan noch in den Sternen. Und Frentzens Vertrag läuft zum Saisonende aus. Schon hatten Gerüchte die Runde gemacht, der Deutsche habe einen Vorvertrag bei Jaguar unterschrieben, was Teamchef Eddie Jordan in Erstaunen und Frentzen selbst in Rage brachte. "Es gefällt mir sehr gut bei Jordan", meinte er. Verhandelt werde aber erst "in den nächsten drei Monaten".