Formel 1 Headhunter sollen Ecclestone-Nachfolger finden
Ecclestone (l.) beim GP in Indien: "Manchmal läuft es so im Leben"
Foto: Saurabh Das/ APHamburg - Bernie Ecclestone wird am Sonntag 82 Jahre alt. Er wird mitansehen, wie seine Formel 1 in Indien gastiert und beim Großen Preis von Neu Delhi neue Märkte erschließt (10.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Doch ob dem Briten am Wochenende sonderlich zum Feiern zumute sein wird, ist fraglich. Neben der Affäre um Schmiergeldzahlungen kommt weiteres Ungemach auf ihn zu: Mitglieder des Formel-1-Aufsichtsrats haben nach Informationen der "Times" Headhunter engagiert, um einen Nachfolger für Ecclestone als Boss der Motorsport-Königsklasse zu finden.
Ecclestone steht an der Spitze der beiden Firmen Formula One Administration Ltd (FOA) sowie Formula One Management Ltd. (FOM), die für die Vermarktung der Formel 1 zuständig sind. Diese bilden zusammen mit Formula One Licensing BV die Formula One Group, die Ecclestone seit mehr als 30 Jahren also zu zwei Dritteln kontrolliert. Wer so viel Macht hat, ist nicht so einfach abzusetzen. Doch Ecclestones juristische Probleme haben ihn angreifbar gemacht.
Die BayernLB verlangt von Ecclestone mehr als 400 Millionen Dollar Schadenersatz. Er soll dafür gesorgt haben, dass Ex-Banker Gerhard Gribkowsky die Formel 1-Anteile der Landesbank zu billig an den Investor CVC verkauft hat. Ecclestone drohen darüber hinaus strafrechtliche Konsequenzen, die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit 2011 wegen des Verdachts der Bestechung gegen den mächtigen Formel-1-Chef und erwägt, Anklage zu erheben.
Bernie Ecclestone: König der Formel 1
Ecclestone im Gefängnis - ein Szenario, das Anteilseignern der Formel 1 in Unruhe versetzt. Zumal ein Nachfolger bisher nicht in Sicht ist. Die weltweit operierende Headhunter-Agentur Egon Zehnder International soll sich laut "Times" nun nach einem potentiellen Ersatz umsehen.
Ausschlaggebend soll demnach der ursprünglich für vergangenen Mai geplante und nun auf Ende des Jahres verschobene Börsengang der Formel 1 in Singapur sein. Bis zu drei Milliarden Dollar wollen die Eigner der Königsklasse bei Anlegern einsammeln. In den Werbeunterlagen betont Ecclestone ausführlich, wie wichtig er selbst für das finanzielle Wohl der Formel 1 sei. Sollte der allmächtige 81-Jährige tatsächlich in Haft müssen, fürchten die Anleger nun offenbar, dass Ecclestones Firmen nicht länger funktionieren würden.
Der Brite hat die Formel 1 zu einer der stärksten Marken der Welt gemacht. Den letzten veröffentlichten Zahlen zufolge erzielte die Formel 1 im Jahr 2010 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 538 Millionen Dollar, schreibt der Londoner "Telegraph". Im laufenden Jahr sollen Schätzungen zufolge zwei Milliarden Dollar umgesetzt werden. Ecclestone selbst hat nach Schätzungen des Wirtschaftsmagazin "Forbes" ein Vermögen von rund drei Milliarden Euro angehäuft.
"Wenn sie gewinnen, bekommen sie ihr Geld"
Davon will Bayerns Landesbank nun ihren Anteil. Die BayernLB argumentiert, sie sei um mehr als 400 Millionen Euro geschädigt worden sein, als sie Ende 2005 ihre Anteile an der Rennserie verkaufte. "Ich habe die Anteile für die Bank verkauft. Sie haben sie nicht losbekommen. Sechs Leute haben sich das angesehen, aber niemand wollte es kaufen", so Ecclestone: "Ich habe ihnen den Ärger erspart und dafür habe ich jetzt selbst Ärger. Manchmal läuft es so im Leben." Die Bank werde nun klagen, erwartet er. "Wenn sie gewinnen, bekommen sie ihr Geld. Wenn sie verlieren, wird sie das einiges kosten. Das ist alles."
Seine Bereitschaft zu einer Aussage in dem Fall hat Ecclestone bereits bestätigt - und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wie gewohnt in ironisch-flapsiger Art kommentiert. "Das hoffe ich nicht, wirklich nicht", antwortete er auf die Frage der Press Association, ob er in Deutschland ins Gefängnis müsse: "Ich will mich nicht über deutsche Gefängnisse beschweren, aber um ehrlich zu sein, will ich auch nicht in einem sitzen müssen."