Wehrleins achter Platz in Barcelona Heimlicher Held
Pascal Wehrlein
Foto: action pressWas war das für ein Rennen in Barcelona! Beim Start kollidierten gleich mehrere Spitzenfahrer, Lewis Hamilton gewann die spektakuläre Reifenschlacht gegen Sebastian Vettel. Über Pascal Wehrlein sprach da kaum jemand.
Dabei war der achte Platz des Sauber-Piloten beim Großen Preis von Spanien vielleicht die eigentliche Sensation des Formel-1-Wochenendes.
Für Sauber, den chronisch unterlegenen Rennstall, waren die vier WM-Punkte durch Wehrleins Husarenritt die ersten überhaupt in dieser Saison. Aktuell liegt Sauber damit vor McLaren-Honda auf dem neunten Platz der Konstrukteurswertung, was am Ende der Saison durch Prämien einen Unterschied von vielen Millionen Euro ausmachen kann.
Sicher, die Leistungen von Hamilton und des WM-Führenden Vettel an der Spitze waren exzellent, auch Fernando Alonsos siebter Platz im Qualifying stellte dessen fahrerische Extraklasse unter Beweis. Wie Wehrlein aber in seinem zweitklassigen Sauber-Boliden eigentlich überlegene Autos hinter sich hielt, machte ihn zum Fahrer des Rennens. "Ich könnte mich nicht mehr über dieses Wochenende freuen", sagte Wehrlein im Anschluss.
Die Sauber-Strategin hat die entscheidende Idee
Wobei er eigentlich gar nicht das gesamte Wochenende meinen konnte. Denn im Update-Festival der anderen Teams - der Europa-Auftakt in Barcelona ist traditionell das Rennen, wo an den Autos erstmals nachgerüstet wird - war Sauber ohne Neuerung angereist, und dementsprechend unterlegen waren Wehrlein und Teamkollege Marcus Ericsson in den drei Trainingsläufen am Freitag und Samstag.
Doch im Qualifying deutete sich bereits an, dass der Deutsche zusammen mit dem Team eine gute Balance gefunden hatte. Wehrlein schlug Ericsson knapp, ließ weitere vier Autos hinter sich und landete im zweiten Abschnitt der Qualifikation. An WM-Punkte dachte das Team deshalb noch lange nicht. "Darauf haben wir wirklich nicht gehofft", sagte Teamchefin Monisha Kaltenborn. "Aber es hat im Rennen dann einfach alles gepasst."
Formel 1: Vettel kämpft, aber Hamiltons Reifen halten
Schlüssel zum Erfolg war die Strategie von Renningenieurin Ruth Buscombe, die im vergangenen Jahr nach ihrer Zeit bei Ferrari und Haas zu Sauber gewechselt war. "Da war sie sehr überzeugend", sagte Kaltenborn. Reifenhersteller Pirelli hatte wegen des hohen Verschleißes in Barcelona zu einer Zwei-Stopp-Taktik geraten, einige Teams hatten sogar zu drei Boxenstopps tendiert. Doch Buscombe entschied, Wehrlein nur einmal an die Box zu holen. So sollte er möglichst lange auf der Strecke bleiben und viele Fahrer virtuell überholen.
Strafe kostet Wehrlein nur einen Platz
Die Taktik ist das eine. Derjenige, der sie umsetzt, das andere. Und Wehrlein machte seinem Ruf als gefühlvoller Fahrer, der in den wichtigen Momenten Reifen schonen kann, alle Ehre. Der 22-Jährige war mit der weichen Reifenmischung ins Rennen gegangen, die laut Pirelli 20 Runden halten sollte. Wehrlein kam erst nach 35 Runden, in der virtuellen Safety-Car-Phase, an die Box und wechselte auf die härteren Medium-Reifen.
Dabei war er von seinem Team recht spät reingerufen worden und umfuhr in zu hohem Tempo einen Poller auf der falschen Seite - dafür wurde Wehrlein mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt. Was den Erfolg kurzzeitig gefährdete, kostete ihn am Ende nur einen Platz. Außer Carlos Sainz konnte kein Rivale Wehrleins Tempo halten, nur der Spanier zog wegen der Strafe im Gesamtklassement noch vorbei.
Euphorie wollte bei Wehrlein dann aber doch nicht aufkommen, obwohl sein Team beim kommenden Rennen in Monte Carlo auch die ersten Updates präsentieren wird und der Sauber tendenziell noch schneller wird: "Ohne die Strategie hätten wir hier keine Punkte geholt. Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern."