Formel-1-Kommentar Asphalt-Schach auf dem Nürburgring
Schon vor Ende des ersten Saisondrittels ist die WM-Vorentscheidung gefallen. Den Titel werden mit großer Sicherheit Fernando Alonso und Michael Schumacher unter sich ausmachen. Der Deutsche bestätigte die Ferrari-Renaissance durch seinen fünften Sieg beim Heim-Grand-Prix auf dem Nürburgring eindrucksvoll, sein spanischer Konkurrent um die WM-Krone ließ sich als Zweiter im Renault erneut nicht abschütteln. Und Mercedes? Hat immerhin teilgenommen.
Dass es für den amtierenden Champion nicht ganz zum dritten Saisonerfolg reichte, lag wie so häufig am effektiveren Taktieren der "Scuderia" begründet. Denn ganze drei Runden gaben in der Eifel den Ausschlag über den Sieg. Alonso ging nach etwa zwei Dritteln der Renndistanz als Führender zum zweiten und letzten Nachtanken an die Box. Darauf schien Schumacher nur gewartet zu haben. Wieder einmal zeigte er einen seiner schon legendären Zwischensprints. Drei Traumrunden von der 38. bis 40. reichten, um wertvolle Zeit zu gewinnen.
Während Teamchef Jean Todt unterdessen vor dem Monitor litt, bereitete sich die Ferrari-Crew auf ihr rennentscheidendes Manöver vor. Und das erledigten die Italiener in nahezu preußischer Perfektion. Schumacher raste nach nur 6,8 Sekunden aus der langen Boxengasse und führte knapp 20 Runden vor Schluss mit satten fünf Sekunden Vorsprung auf Alonso. Den gab er bis zur Zielflagge auch nicht mehr ab. Als entspannter Seriensieger offenbarte Schumacher sein grenzenloses Selbstvertrauen: "Ein schönes Gefühl, beim Heim-Grand-Prix zu gewinnen. Ich wusste, wir haben eine gute Strategie, und deshalb habe ich mich doch relativ zuversichtlich gefühlt. Das hat sich bewahrheitet. Leider haben wir nur zwei Punkte aufholen können."
Auch ein Grund, warum Alonso die Contenance bewahrte und sein Rennen bequem als Zweiter zu Ende fuhr, ohne sich oder seinen Motor über Gebühr zu quälen. Seine Rennanalyse erinnerte dann auch nicht zufällig an die Statements vom ehemaligen Champion und "Formel-1-Professor" Alain Prost, der als kühler Rechner bekannt war: "Ein interessantes Rennen. Ich habe am Anfang ein bisschen die Geschwindigkeit kontrolliert. Beim zweiten Stopp bin ich drei Runden früher reingegangen. Das war wohl zuviel. Natürlich liegen wir anscheinend gegenüber Ferrari jetzt ein wenig hinten. Aber insgesamt ist alles okay." Denn der amtierende Weltmeister behält komfortable 13 Punkte Vorsprung in der WM-Wertung. Zwei Siege und drei zweite Plätze sind seine imponierende Bilanz nach den ersten fünf Rennen.
Blasse Silberpfeile
Davon kann das vor der Saison als heißer Titelfavorit gehandelte McLaren-Mercedes-Team nur noch träumen. Schon nach dem Qualifying fanden sie sich nur auf den Plätzen fünf und acht wieder. Sportchef Norbert Haug, der verpatzte Trainingsrunden gern mit einer genialen Strategie für das Rennen erklärt, lag auch diesmal wieder komplett daneben. "Ich denke, die Strategie war richtig. Wir wollten es so ähnlich machen wie der Michael. Wenn wir jetzt mal eine halbe Sekunde beim Speed zulegen, sehen die Dinge freundlicher aus", sagte Haug.
Der fehlende Top-Speed war aber das große Problem der McLaren. Juan Pablo Montoya hing hinter Heidfeld im BMW-Sauber fest, Kimi Räikkönen, dem zumindest ein gutes Überholmanöver gelang, verlor zum Teil fast eine Sekunde auf Alonso und Schumacher. Auch die Super-Strategie erwies sich als Rohrkrepierer, denn die paar Runden, die Räikkönen wegen der volleren Tanks auf der Strecke bleiben konnte, brachten ihn nicht näher an das Spitzenduo heran. Hinter dem überglücklichen Ferrari-Piloten Felipe Massa, der zum ersten Mal auf dem Podium stand, wurde der Finne nur Vierter.
So verblasste der Stern der Silberpfeile beim Heimrennen zusehends, Montoya schied mit defektem Wagen zu allem Überfluss auch noch vorzeitig aus. Das Schicksal teilte er mit Ralf Schumacher. Der ewige kleine Bruder war nur einmal im Bild, als sein Toyota-Motor spektakulär explodierte. Mit dem Helm in der Hand marschierte er frustriert davon. Nick Heidfeld im BMW-Sauber beendete das Rennen zwar, lag aber als Zehnter ebenfalls deutlich hinter seinen Erwartungen.
Der Star des Restfeldes war deshalb ein anderer Deutscher. Nico Rosberg fuhr vom letzten Startplatz furios bis in die Punkteränge auf den sehr guten siebten Platz nach vorn. Gegen Rennende trieb er sogar den verdutzten Giancarlo Fisichella im eigentlich überlegenen Renault vor sich her. Auch das zeigt die Unterschiede. Alonso führt im gleichen Auto die WM-Wertung souverän an. Fisichella kämpft wie so viele andere nur noch um die "Best-of-the-Rest"-Plakette.
Da hat Schumacher ganz andere Ambitionen. Er würde sich den verlorenen WM-Titel nur zu gern zurückholen. Vielleicht zögert er auch deshalb in Michael-Ballack-Manier seine Vertragsverlängerung heraus. Gut möglich, dass er bei optimalen Saisonverlauf die Gunst der Stunde nutzt, um als achtfacher Champion abtreten zu können.