Formel-1-Kommentar: Was kommt nach Michael S.? - DER SPIEGEL
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Formel-1-Kommentar Was kommt nach Michael S.?

In einem denkwürdigen Rennen beendet Michael Schumacher eine Karriere voller Rekorde als Vizeweltmeister. Sein Abschied wird eine Lücke hinterlassen, die vor allem in seiner Heimat kaum mehr zu füllen sein wird. Die neuen Hoffnungsträger kommen aus Finnland.
Von Stephan Gröne
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Saison-Abschlusstabelle ist unbestechlich. Sie weist gnadenlos den gerechten und würdigen Sieger eines langen Jahres aus. Dieser heißt in diesem wie im letzten Fernando Alonso, der in seinem Renault die erste Hälfte so sehr dominierte, dass eine etwas schwächere zweite sein Unternehmen Titelverteidigung letztlich nicht mehr gefährdete. Natürlich profitierte er auch davon, dass die in Rente gehende Rennlegende Michael Schumacher ausgerechnet in seinen letzten beiden Auftritten mit einem mitleidlosen Fehlerteufel zu kämpfen hatte.

Frei nach dem Andi-Brehme-Motto: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!" musste Schumacher einen Ausfall durch technischen Defekt in Suzuka und beim Qualifying in Brasilien durchleiden, nach guten Start in Interlagos warf ihn dann auch noch ein Plattfuß zwischenzeitlich ans Ende des Fahrerfeldes zurück.

Doch von dort zelebrierte er einen letzten Arbeitstag, der noch einmal verdeutlichte, was für ein Ausnahmetalent der Formel-1-Zirkus verlieren wird. In einem wilden, aggressiven Ritt quer durchs ganze Feld reihte er schnellste Runden in Folge auf den Asphalt, rutschte dabei immer mal wieder gefährlich über die Piste, grüßte trotzdem nebenbei alte Fahrerkollegen, um ausgerechnet nach einem Überholmanöver gegen seinen künftigen Ferrari-Nachfolger Kimi Räikkönen seine grandiose Formel-1-Karriere als Vierter und demzufolge Vizeweltmeister zu beenden.

Marke für die Ewigkeit

Im Ziel ließ er es sich nehmen, seinen Teamkollegen Felipe Massa ("Das war der beste Tag meines Lebens.") zu feiern, dem es vergönnt war, den ersten brasilianischen Heimsieg seit Ayrton Senna 1993 zu sichern. Nur kurz danach beantwortete er auch die bohrendsten Fragen des RTL-Reporters Kai Ebel mit weltmännischer Gelassenheit: "Das Rennen war ziemlich chaotisch. Es hat leider nicht sollen sein für mich, aber für Felipe freut es mich tierisch. Glückwünsche auch an Fernando. Was ich vermissen werde, sind die Fans, die mich in jeder Hinsicht unterstützt haben". Ein denkwürdiger Abschied für Schumi, wenn auch nicht nach Maß, denn dazu hätte es den achten Titel gebraucht.

Diese Marke für die Ewigkeit kann nun Alonso ins Visier nehmen. Der musste sich in seinem letzten Einsatz für Renault nicht mehr wirklich anstrengen. Locker brachte er seinen zweiten Rang nach Hause, ohne sich in ausfallträchtige Manöver zu stürzen. Ebenso souverän feierte er seinen zweiten Titelgewinn und bedankte sich auf der Ehrenrunde rührend bei seinem Ex-Team.

Doch was nimmt der Spanier - außer der begehrten Startnummer 1 - zu seinem neuen Team McLaren-Mercedes? Zum einen wohl die Gewissheit, dass sein Erfolg aus dem Vorjahr kein Geschenk des Himmels war, sondern auf das Konto eines Fahrers geht, der trotz seiner Jugend die Qualitäten eines echten Champions aufweist. Zum anderen die Gelassenheit und Erfahrung des einzigen Fahrers der nächsten Saison, der schon einmal einen Titel auf seinem Konto verbucht hat. Beste Chancen also für den WM-Hattrick, wenn sein neuer Arbeitgeber im nächsten Jahr endlich wieder ein Auto baut, das sowohl schnell als auch konstant fährt.

Hoffnungsträger aus dem hohen Norden

Seine größten Konkurrenten dürften aus dem hohen Norden, genauer aus Finnland kommen. Wobei Räikkönen im Ferrari schwer mit dem Schlagschatten Schumachers und dem zuletzt stark auftrumpfenden Massa zu kämpfen haben dürfte. Ins Cockpit des Weltmeisters steigt mit Heikki Kovalainen die große Unbekannte ein. Trotzdem sollte man ihn schon in den kleinen Kreis der Favoriten aufnehmen, denn die Dominanz der Renaults in den vergangenen Jahren sichert ihm vom Start weg einen nicht zu unterschätzenden Standortvorteil.

Das Abschneiden der Deutschen in Interlagos wirft dagegen einen furchterregenden Ausblick auf die Zukunft der Formel 1 im Land der durch "Schumi" titelverwöhnten Fans. Nico Rosberg trumpfte mit dem gewaltigsten Abflug seiner jungen Karriere schon kurz nach dem Start auf, als er nach einer Kollision mit seinem Teamkollegen Mark Webber erst den Frontflügel verlor und kurz darauf die Beherrschung über seinen Williams.

Ralf Schumacher stieg nach wenigen Runden aus seinem defekten Toyota und flog eiligst zum Geburtstag seines Sohnes, ohne die Abschiedsparty seines Bruders auch nur in Betracht zu ziehen. Der letzte im Bunde, Nick Heidfeld, hielt sich zwar etwas länger auf der Piste, konnte gegen Rennende seinen BMW Sauber allerdings auch nicht mehr auf der Strecke halten und blieb mal wieder ohne Punkte. Ein Schicksal, das allen dreien "Hoffnungsträgern" in 2007 häufiger droht. Und die Einschaltquoten in den Keller treiben dürfte.