Formel 1: Massa-Comeback erst 2010 - DER SPIEGEL
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Formel 1 Massa-Comeback erst 2010

Ferrari muss in der laufenden Saison endgültig auf Felipe Massa verzichten. Im kommenden Jahr jedoch wird der Brasilianer wieder einsatzfähig sein, das ergaben Untersuchungen in den USA. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat sich zum möglichen Unfall-Skandal um Renault geäußert.
Ferrari-Pilot Badoer in Spa: Massa wird erst 2010 wieder einsteigen
Ferrari-Pilot Badoer in Spa: Massa wird erst 2010 wieder einsteigen

Ferrari-Pilot Badoer in Spa: Massa wird erst 2010 wieder einsteigen

Foto: Clive Mason/ Getty Images
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Hamburg - Grünes Licht fürs Comeback - aber nicht mehr in diesem Jahr: Der vor rund vier Wochen schwer verunglückte Ferrari-Pilot Felipe Massa wird in dieser Saison nicht mehr in die Formel 1 zurückkehren. "Das Team kann davon ausgehen, dass es zum Start der neuen Saison wieder zu einhundert Prozent auf Felipe zählen kann", schrieb die Scuderia am Dienstag auf ihrer Internetseite. "Auf der Strecke mit einem Formel-1-Einsitzer? Schritt für Schritt", sagte Massa selbst.

Es sei ein langer Tag für Massa gewesen am Montag im Jackson Memorial Hospital in Miami, schrieb Ferrari. Untersucht wurde der 28-jährige Südamerikaner, der in der Qualifikation des Großen Preises von Budapest von einer Metallfeder am Helm getroffen und mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel gekracht war, von Stephen Olvey. Der Mediziner ist Rennsportspezialist: Er zählte zu den Ärzten, die Alex Zanardi nach dessen schwerem Unfall 2001 behandelten, nachdem ihm beide Beine hatten amputiert werden müssen.

Bei Massa wurden unter anderem neurometrische und kognitive Tests durchgeführt. Ferrari titelte danach: "OK aus Miami für Felipe". In dem Bericht hieß es: "Alles ist so, um Felipe wieder zurück zum Rennfahren zu bringen." Der Brasilianer selbst, der nach seinem Unfall zunächst in ein künstliches Koma versetzt worden war und insgesamt neun Tage im Budapester Militärkrankenhaus hatte bleiben müssen, atmete ebenfalls auf. "Ich bin sehr glücklich über das Ergebnis", sagte Massa.

In den kommenden Tage muss er sich allerdings noch einem Eingriff unterziehen. Anschließendd will er nach ein paar Tagen Erholung mit dem Fitnesstraining beginnen, "was schon ein großer Schritt ist", sagte Massa. Anschließend will er erste Runden im Kart drehen.

Ferrari will bis Mittwoch neuen Piloten für Monza benennen

Wer ihn in seinem F60 beim Ferrari-Heimrennen am 13. September in Monza Platz ersetzen wird, will der Rennstall bis diesen Mittwoch entscheiden. Luca Badoer jedenfalls scheint nach zwei letzten Plätzen in zwei Rennen seine Chance verspielt zu haben.

Im kommenden Jahr könnte es dann im Kampf um die Ferrari-Cockpits eng werden. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass der Wechsel von Fernando Alonso von Renault zu den "Roten" bereits beschlossene Sache sei. Und auch Kimi Räikkönen hat einen gültigen Kontrakt und ist in den zurückliegenden drei Rennen jeweils aufs Podest gefahren.

"Flavio insistiert, dass er nichts davon weiß"

Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone fürchtet unterdessen den Ausstieg von Renault. Nachdem der Internationale Automobilverband Fia wegen eines möglicherweise inszenierten Unfalls Ermittlungen aufgenommen hat, ist der Brite in Sorge, dass nach Honda im vergangenen Jahr und BMW nach dieser Saison ein weiterer Hersteller die Serie verlassen könnte. "Dass sie den Sport verlassen könnten, ist offensichtlich eine Gefahr", sagte Ecclestone in einem Interview der Londoner "Times". Er hat auch schon mit Renault-Teamchef Flavio Briatore gesprochen. "Alles, was ich weiß, ist, dass Flavio insistiert, dass er nichts davon weiß", sagte Ecclestone.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, läge ein klarer Verstoß gegen den Artikel 151 (c) des International Sporting Codes vor, der jede Rufschädigung des Sports unter Strafe stellt. Dieser hatte 2007 dazu geführt, dass McLaren-Mercedes wegen der Verwicklungen in die Spionage-Affäre die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar zahlen musste und aus der Konstrukteurswertung gestrichen wurde. Im Fall des Singapur-Unfalls käme auch die bewusste Inkaufnahme möglicher Verletzungen von Piloten durch derart gefährliches Handeln hinzu.

Ecclestone hält Beweisfindung für schwierig

Angesichts der Dimension des Skandals dürfte Renault vermutlich für viele Jahre aus der Formel 1 ausgeschlossen werden. Die Fia mit Präsident Max Mosley an der Spitze wäre laut Ecclestone "wohl ziemlich aufgebracht, wenn sie herausfinden, dass es wahr ist, was die Leute spekulieren". Ecclestone hält die Beweisfindung in diesem Fall allerdings für extrem schwierig. "Wenn nicht gerade jemand über Funk durchgesagt hat: 'Bitte bau in der nächsten Runde einen Crash', dann weiß ich nicht, welche Beweise man finden kann", so Formel-1-Boss. In diesem Fall hätte man Kopien von diesen Gesprächen und dann hätte sich schon längst jemand zu Wort gemeldet, sagte Ecclestone.

Sollten die Vorwürfe stimmen, hätte auch Piquet große Probleme. Ecclestone: "Wenn ich hingehe und dir sage, dass du eine Bank ausrauben sollst, dann kannst du hinterher auch nicht sagen: " Bernie hat mir gesagt, ich soll das tun.'" Noch aber hofft der Formel-1-Boss, dass der Skandal abgewendet werden kann. "Es könnte alles nur ein Gerücht sein, und Nelson ist einfach nur beleidigt, weil er gefeuert wurde", sagte Ecclestone.

fsc/dpa/sid